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Tracht und weißblonde Geschichten

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Als Karin I., Königin von Bayern, ließ sich Karin Zimny nach ihrer gelungenen Integration im NUTS feiern. (Foto: Heel)

Keine Region Deutschlands ist bekannter und beliebter als (Ober-)Bayern. Nicht verwunderlich also, dass immer mehr Auswärtige in den Freistaat drängen. Sie fahren zur Wiesn nach München, zum Skifahren auf die Zugspitze oder in die Sommerfrische an den Chiemsee. Doch vielen reichen die Ferien im bayerischen Paradies nicht mehr. Sie wollen in der Idylle nicht nur urlauben, sondern leben – und sich »integrieren«. Nur: Wie geht das?


Wie es gehen könnte, führte die Münchner Sängerin und Kabarettistin Karin Zimny bei ihrem Auftritt in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS vor, wo sie ihr erstes Soloprogramm »Dirndlalarm – Ein Kleid packt aus ...« vorstellte. Aber ist ein Dirndl wirklich der Stoff, aus dem die Träume sind – vor allem dann, wenn es »Dinge zutage fördert, die es gar nicht gibt«, wie die Kabarettistin mit Blick auf ihr eher spärliches Dekolleté anmerkte. Egal, sie will sich anpassen und dazu gehört neben der Tracht auch die Liebe zur Natur, speziell zum Bergwandern. Nur dumm, dass sie im Ruhrgebiet aufgewachsen ist, also quasi »unter Tage«, und deswegen in der freien Natur den Feind des Menschen sieht: »Nichts ist verpackt, Tiere gibt es nur im Ganzen, und Toiletten findet man auch nirgends.« Sie versteht auch nicht, wieso Tiere in Tarnfarben herumlaufen, der Mensch aber in Signalfarben.

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Zum Glück hat sie ihren Mann, der mit »in die Fremde« gekommen ist und sie dank Dirndl wieder attraktiv findet – auch, wenn »eine Taille eine Taille ist und keine Taille eine Problemzone«. Als Belohnung darf er staubsaugen bis zum Umfallen, während sie in den Spiegel guckt und sich Gedanken übers Altwerden macht, verknüpft mit der Feststellung: »Je älter ich werde, desto besser verstehe ich die böse Stiefmutter im Märchen.«

Karin Zimny überzeugt nicht nur als gewitzte Erzählerin, sie kann auch singen – schließlich begann sie ihren künstlerischen Werdegang mit einem klassischen Gesangsstudium bei der amerikanischen Sopranistin Marlene Meldrum. 1998 gründete sie zusammen mit Herbie Klinger das Jazzquintett »Karin Zimny & Herbie Klinger Quartet«, mit dem sie in der Folgezeit auch zwei CDs veröffentlichte. Entsprechend geglückt waren auch die vielen Lieder, die sie zwischendurch präsentierte, wobei sie auf Melodien so bekannter Musikstücke wie »Strangers In The Night«, »What A Difference A Day Makes« oder »Horse With No Name« zurückgriff.

Geglückt war auch das Finale, bei dem die Kabarettistin ihre wahre Bestimmung entdeckte: als Karin I., Königin von Bayern. Da ließ sie sich mit Krönchen und Zepter nach der Melodie des Rio-Reiser-Songs »König von Deutschland« feiern und zum Abschied gab es noch den Radetzkymarsch.

Kurzum: gelungene Integration auf allerhöchstem Niveau und wahrer Lacherfolg beim Publikum. Wolfgang Schweiger

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