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Ein langer Zug aus 2 000 Trachtlern ging von Siegsdorf hinauf nach Maria Eck.
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Die Ramsauer Weihnachtsschützen schossen den Salut. (Fotos: Werner Bauregger)

Trachtler des Gauverbandes 1 bitten bei Wallfahrt nach Maria Eck um Frieden

Bei strahlendem Sonnenschein begingen knapp 2000 Trachtler aus 97 Mitgliedsvereinen die Trachtenwallfahrt des Gauverbands I. Nach einer zweijährigen Corona-Pause machten sich die Wallfahrer vom Kirchplatz Siegsdorf auf den Weg zur Wallfahrtskirche Maria Eck, angeführt vom Siegsdorfer Pilgerkreuz, der Gauvorstandschaft mit Ehrengästen und der Vereinsfahne des Trachtenvereins Siegsdorf.


Mit der Wallfahrt erfüllen die Trachtler ein Gelübde von 1951, mit dem sie ihrer Gefallenen und Vermissten gedenken. Neben der Wallfahrtskirche wurde der Zug mit Böllerschüssen der Weihnachtsschützen Ramsau und von Bruder Franz und seinem Mitzelebranten, Diakon Josef Stürzer aus Pittenhart, empfangen. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Musikkapelle Grabenstätt.

Wie Gauvorstand Michi Hauser betonte, ist es dem Verband ein großes Anliegen, nach schwierigen Zeiten wieder Bitten der Vereine, Familien und persönliche Bitten zur Gottesmutter zu tragen, aber auch zu danken. Die Verantwortlichen in der Welt bat Hauser, ihrer Verpflichtung, stets zum Wohle der Menschen zu handeln, nachzukommen. Er bat weiter um gute Gedanken für die Trachtengemeinschaft, den Glauben und das gelebte Brauchtum.

Zu Beginn der Messe segnete Bruder Franz eine Kerze des Trachtenvereins Bad Endorf, der in diesem Jahr das Gau-Trachtenfest ausrichten wird. Der Guardian richtete seinen Blick auf düstere Gewitterwolken, die durch Corona, den Klimawandel und den Krieg in der Ukraine über uns gezogen seien. Trotzdem zeige die Wallfahrt, dass sie als Gegenmittel zur Verfügung stehe, von Gott mit Zuversicht, Mut, Kraft und Tatendrang beschenkt zu werden.

In einer tiefgründigen Predigt beschrieb Diakon Josef Stürzer Wege, »wia ois guad weida geh' kann, wenn ma vertraut«. Provokativ fragte er, ob nach der Krise alles wieder so weiter gehen solle wie vorher oder es nicht besser wäre, Lehren daraus zu ziehen und grundlegend umzudenken. Gerade die Tatsache, dass man die persönliche Einstellung zur Glaubensfrage hochstilisiert und Spannungen, Spaltung und Streit in Kauf genommen habe zeige, dass es notwendig sei, einen klaren Standpunkt einzunehmen und sich auf das zu konzentrieren, was im Leben wirklich wichtig sei und zähle.

Für die Christen sollte hier auch das Wort Gottes dazugehören. Leider nehme die Zahl von »U-Boot Christen« auch bei den Trachtlern zu, für die Kirche und Glaube nur noch wichtig sei, wenn eine Heirat, eine Taufe, Erstkommunion oder eine Beerdigung anstehe. Stürzer gab zu, dass die Worte Jesu im Evangelium »Liebt einander wie ich Euch geliebt habe« nicht immer umsetzbar seien, wenn jemand nicht grüßt, der Nachbar mittags Rasen mäht oder ein mit weißen Turnschuhen ausgestatteter Lederhosenträger sich mit »Tschüss« verabschiedet. Hier brauche er oft die kräftige Unterstützung von oben. Elementar wichtig sei für das tägliche Leben, dass man aufeinander schaut, Rücksicht nimmt und einander hilft, ohne Vorbehalte. Wichtig sei dies auch in Familien, Kirche, Vereinen und für den Frieden in der Welt. In Familien werde durch Treue, Zuwendung und sich Zeit nehmen die Grundlage für die Zukunft der Kinder gelegt.

Im Bereich Kirche helfe es sicher nicht, vor den massiven Problemen einfach davonzulaufen. Nur durch Zusammenhalt werde für junge Menschen Gemeinschaft spürbar, die in Notsituationen auch Hilfe sein könne. In den Trachtenvereinen sei es genauso wichtig, gemeinsam Kinder und Jugendliche durch Brauchtumspflege, Singen, Musizieren, Tanzen und Plattln Gemeinschaft und Zusammenhalt zu schaffen.

Beim Ukraine-Krieg zeigte Stürzer sich aber ratlos angesichts der irrealen Machtansprüche eines einzelnen »Narrischen«, der nicht davor zurückschrecke, Menschen töten zu lassen und ihnen unsägliches Leid zuzufügen – da helfe nur zu beten und zu bitten, wie dies auch in dem Gelübde von 1951 festgelegt worden war. Für alle vier Bereiche könne es in jedem Fall helfen, wenn man die »3-H-Regel« befolge und bei Allem was man tut, mit »Herz, Hirn und Hand« ans Werk geht.

Helmuth Wegscheider trug im Anschluss seine Bitte für die Trachtengemeinschaft vor. Dem stellvertretenden Gauvorstand Alfred Gehmacher war es vorbehalten, zum Schluss alle Helfer, das Zelebrantenteam, Organisator Sepp Geisreiter jun. mit seinem Verein, Polizei, das Rote Kreuz und alle, die zum Gelingen beigetragen haben, zu würdigen.

wb