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»Transparent und kostenorientiert«

Berchtesgaden - Das Kongresshaus wird frühestens 2014 umgebaut. Das inhaltliche Konzept steht weitestgehend - zusätzlich wurde eine Rentabilitätsberechnung gefordert. Bis zur Realisierung des Gebäudes ist noch ein weiter Weg. Gebhard Droßbach von der Berchtesgadener Bürgergruppe hat sich Gedanken gemacht über das neue Kongresshaus. Allgemeiner Natur, ohne Kenntnis aller existierenden Planungen. Seiner Ansicht nach könnte der anstehende Umbau erneut nichts weiter als Flickschusterei sein, den die Verantwortlichen in ein paar Jahren bereuen.

Das Kongresshaus von seiner »schönsten« Seite. Gebhard Droßbach fordert, mehr Licht in das Gebäude zu bringen. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer

6 Millionen Euro sollen in den Umbau des Kongresshauses fließen. Eine gewaltige Summe. Doch vor ein paar Jahren noch war diese bedeutend größer. Für die Renovierung waren damals 16 Millionen Euro angesetzt, bei den Verantwortlichen hoffte man auf hohe Zuschüsse seitens der bayerischen Regierung. Diese blieben aus. Das Vorhaben wurde begraben. »Es wurde halt ein Plan gemacht, der den vorherigen auf das Notwendige zusammenstreicht«, sagt Gebhard Droßbach. 10 Millionen Euro günstiger, das Bauvorhaben wurde abgesegnet, die Zuschüsse lagen nun bei etwa 2,5 Millionen Euro.

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Zunächst war der Baubeginn für Mai 2013 angesetzt. Jetzt dürfte es frühestens 2014 werden, bis es mit den Umbaumaßnahmen losgeht. Droßbach wirft den Verantwortlichen vor, dass sich keiner Gedanken über den zeitlichen Ablauf gemacht zu haben scheint, ebenso wenig über die künftige Belegung des Hauses, geschweige denn eine Rentabilitätsberechnung. »Und gleichzeitig jammern wir über die hohen Verluste? Und beschwichtigen die Misere mit dem Argument, dass solche Bauten sowieso unrentabel sind?« Droßbach war zwar noch nie »Fan des Kongresshauses«, nun steht aber das Gemäuer »und wir sollten die Chance nutzen, doch noch mit einem vernünftigen, zukunftsweisenden Konzept das Beste daraus zu machen«.

Ein »kostenorientiertes und transparentes Konzept« in Zusammenarbeit mit unabhängigen Fachkräften fordert daher Droßbach. Und hat auch gleich konkrete Pläne, wie das Kongresshaus einen gelungenen Weg in die Zukunft gehen könnte. Den Verbindungsbau zur Südseite hin zu öffnen, sei ebenso notwendig wie eine Öffnung zur Kurgartenseite. »Es muss freundlicher, offener und heller werden«, so der Berchtesgadener. Bislang sei es so, dass man nach Betreten des Eingangsbereichs ins Dunkle gehe. »Ein abschreckender Höhleneffekt ist das«, meint Droßbach. Wichtig: ein mit Licht durchfluteter Gang. Auch die Tourist-Information trage dazu bei, dass der Eingangsbereich düster wirke. Droßbach zeigt sich nicht gerade optimistisch beim Gedanken, dass im jetzigen Eingangsbereich ein Zwischengeschoss eingezogen werden soll. »Kontraproduktiv« nennt er die Lösung.

Ein typisches Problem sei auch die Zufahrt zum Bühnenbereich. »Ein Lkw kann nicht zum Eingang des Saals rangieren«, weiß Droßbach. Weil die Situation es nicht zulasse, habe es sich in den letzten Jahren eingebürgert, alle Transporte in den großen Kongresshaussaal durch den Verbindungsbau zu bewerkstelligen. »Und das geht alles zu Lasten des Personals und der Gäste«, sagt Droßbach. Sowieso nicht schön sei der »Lkw-Ladebahnhof« vor dem Haupteingang.

Unverständnis äußert Gebhard Droßbach über die großen Dachflächen des Kongresshauses, die ungenutzt sind. Immerhin standen die Energiekosten im Mittelpunkt der immer wieder geführten Kostendiskussion. Zuschüsse seien in energetischer Hinsicht möglich. Wichtig sei es, das Kongresshaus nach den heutigen Standards zu isolieren.

Zukünftige Gäste sollen das Haus gerne besuchen, sich von diesem »angezogen« fühlen. Eine »zugenagelte« Fassade sei keine Lösung, ebenso wenig der Eingang als »Höhlenloch«. Mehr Licht bedeute auch mehr Wohlfühleffekt. Für Droßbach an erster Stelle: die transparente Gestaltung des Haupteingangsbereichs, um eine einladende Signalwirkung zu erreichen.

Im ersten Stock verortet Gebhard Droßbach das künftige Café/Bistro - dort, wo heute noch der kleine Saal ist. »Der gesamte Gastronomiebereich kann mit einer nach allen Seiten zu öffnenden Fensterlösung versehen werden.« Klarheit müsse bestehen, dass ein Cafébetrieb immer im direkten Wettbewerb zum Hotel »Edelweiß« stehen werde. Ohne entsprechenden Betreiber werde die Funktion des Gastronomiebetriebs sich primär auf die Pausenversorgung zwischen den einzelnen Veranstaltungen konzentrieren.

Im Erdgeschoss könnten seiner Ansicht nach die Büros der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH hineinkommen. Bisher befinden sich diese im Post-Gebäude beim Bahnhof. Die Eingangshalle könnte zukünftig begrünt werden und würde sich für temporär begrenzte Ausstellungen eignen.

Anstatt einer Reduzierung der Kurgartenfläche durch einen zusätzlichen Gang, der zu den Veranstaltungssälen führt, sollte das Querwasserbecken wieder reaktiviert werden, meint Droßbach. Denn das Ambiente müsse stimmen. Bevor es zu allgemeinen optischen »Verschönerungen« an der Kongresshausfassade kommt, »sollten zuerst die energetischen Problemstellen im Bereich der Wärmedämmung behandelt werden.«

Für Droßbach über alle Maßen wichtig ist die Frage nach der Rentabilität des Kongresshauses. »Ist das Haus finanzierbar, für die Zukunft gerüstet und betreibbar?«, so die Frage in Richtung der Verantwortlichen. Könne eine schwarze Null überhaupt erreicht werden - und überhaupt: Wie schaut es mit den Personalkosten aus? Über allem schwebt die Frage: Muss nicht auch das Kongresshaus von einem Profi gemanagt werden? »Ich hoffe, dass man am Ende gut entscheidet.« Damit das Kongresshaus noch eine lange Zukunft vor sich hat. Kilian Pfeiffer