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Traumjob mit Schlitten und Skeleton

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Die Arbeit am PC gehört für Materialtechniker Christian Thurner ebenso zum täglichen Brot wie das Wirken in der Werkstätte oder an der Bahn. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der gelernte Werkzeugmechaniker Christian Thurner übt beim Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) einen Traumberuf aus. Denn zum einen kann er sich in seinem Handwerk verwirklichen und gleichzeitig sein Können für die Sportler einbringen. Zudem arbeitet er in der Sportbranche, was ihm als Fußballtorhüter besonders gefällt. Außerdem bietet der Verband stete Weiterbildung.


Christian Thurner schloss seine Schulzeit 2009 mit der Mittleren Reife ab und begann eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei der Firma Franz Moderegger in der Engedey. Thurner fühlte sich in der familiär geführten Firma wohl. Daher fiel ihm der Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber schwer. Doch die Chance, beim weltbesten Rennrodelverband zu arbeiten, bietet sich nur einmal. Und so traf Thurner die schwere Entscheidung, zum BSD zu wechseln, wo er als Materialtechniker arbeitet. »Ich hatte davor keinen Bezug zum Rodelsport, konnte mich aber durch die Mithilfe von Schorsch Hackl und weiterer Arbeitskollegen schnell in die Materie einarbeiten«, erinnert sich Thurner. »Ich wurde nach einem Einstellungsgespräch mit Sportdirektor Thomas Schwab und Bundestrainer Norbert Loch herzlich aufgenommen und fühle mich beim BSD sehr wohl«, so der Schlittenmechaniker, der zunächst im D/C-Kader und zuletzt beim C-Kader eingesetzt war.

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Zu Beginn seiner Arbeit musste sich der Mechaniker mit Materialien wie Glas- und Kohlefaser vertraut machen, die beim Fertigen der Sitzschalen zum Einsatz kommen. Zudem gibt es Aktive, die technisch gut bewandert sind und ihre Geräte in Zusammenarbeit mit Trainern und Technikern optimal abstimmen können. Was dann von den Sportlern als Dank zurückkommt, sei ebenso unterschiedlich wie die Menschen, hat der Techniker bereits festgestellt. Eine besondere Freude sei gewesen, als die Berchtesgadener Olympiasieger das helfende Umfeld nach den Olympischen Spielen als Dankeschön für die Unterstützung zu einem gemeinsamen Abend eingeladen haben. Durch seine vielfältigen und sehr unterschiedlichen Aufgaben kann Thurner seine handwerklichen Fähigkeiten stetig verbessern und durch die jeweiligen Anforderungen und Aufgaben trägt dies nach eigenem Bekunden auch zum eigenen Reifeprozess und einer Persönlichkeitsentwicklung bei.

»Man lernt nie aus«

»Man lernt nie aus«, lautet ein Credo des 25-Jährigen, der durch die Trainer Martin Schwab und Georg Hackl perfekt eingearbeitet worden ist. Zu Beginn seiner Tätigkeit arbeitete Thurner mit Nachwuchstrainer Andi Graitl für den D/C-Kader. Seit der letzten Saison stieg der Schlittenmechaniker in den C-Kader auf, in dem er mit 16- bis 19-jährigen die Vorbereitung und Qualifikation für die Junioren-Weltcups mitgemacht hat. In der Rennsaison betreut Thurner die Aktiven und ist viel auf Reisen. Seit Ende der Saison läuft kaderübergreifend die Arbeit an den Schlitten für die nächste Saison. Dabei unterstützt der Techniker auch Georg Hackl, der wiederum sein Know-how im Nachwuchsbereich einbringt und kräftig mit anpackt. »Auch das direkte Arbeiten mit unseren Spitzenleuten wie Natalie Geisenberger, Felix Loch, Tobias Wendl und Tobias Arlt hat mir großen Spaß gemacht und mein Wissen über den Rennrodelsport erweitert«, so Christian Thurner, der schon auf den Bahnen in Deutschland, Österreich, Lettland und Norwegen im Einsatz war.

In der nächsten Saison soll es auch in die USA, nach Kanada und in die Schweiz gehen. Bisherige Höhepunkte waren für Thurner, als ihn Bundestrainer Loch zu seinem ersten großen Weltcup nach Igls und zu den Olympischen Spiele der Jugend in Lillehammer mitgenommen hat. Als sein großes Ziel nennt der 25-Jährige, eines Tages als Materialtechniker zu den Olympischen Spielen mitgenommen zu werden. Als nicht einfach bezeichnet der Sportenthusiast, dass man im Winter oft lange von seiner Familie, Freundin und Freunden getrennt ist. »Rennrodelmechaniker zu sein, heißt nicht nur, im Winter Schienen zu schleifen«, so Thurner, der über die wärmere Jahreszeit neben Neubauten auch für die Instandhaltung sowie die Weiterentwicklung der Sportgeräte mitverantwortlich zeichnet. So habe man beim Technologiepartner BMW unter anderem die Möglichkeit, im Windkanal aerodynamische Tests durchzuführen.

Neues Gebäude, neue Werkstatt

Mit den Erkenntnissen aus dem Winter würden im Sommer einige Projekte vorangetrieben und die Weichen für die nächste Saison gestellt. Dabei sei auch zu berücksichtigen, wenn der Internationale Rennrodelverband FIL neue Vorschriften erstellt. Eine besondere Freude war für alle Beteiligten in der Geschäftsstelle des BSD der Neubau des Funktionshauses. Dabei stand auch die Gestaltung des Werkstattbereiches im besonderen Fokus: »Ich hatte mit meinem Kollegen von der Bobsparte, Marco Stahnke, große Freiheiten bei der Gestaltung, beim Einkauf und bei der Ausstattung«, anerkennt Thurner, der von Top-Arbeitsbedingungen sprach. Dankbar ist der Techniker auch dafür, dass der Verband ein breites Programm an Weiterbildungsmöglichkeiten anbietet. »Wenn über den Sommer die Schalen, Kufen, Schienen und die individuellen Abstimmungsarbeiten abgeschlossen sind, steht die Wintersaison vor der Tür«, erklärt Thurner, der sich schon wieder darauf freut. »Im Winter reisen wir von einem Wettkampfort zum anderen. An den drei bis vier Trainingstagen werden mit den Sportlern und Trainern die Fahrspur und Materialbelange optimiert. Danach folgen die Qualifikation und ein bis zwei Wettkampftage. Sobald am Start die Ampel auf Grün schaltet hofft man, das richtige Set-up gewählt zu haben. Denn danach lässt sich nichts mehr ändern und der Sportler ist auf sich alleine gestellt«, weiß Thurner. Christian Wechslinger