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Klimamanager Bernd Vilsmaier untersuchte, ob sich die städtischen Gebäude in Sankt Georgen ans Fernwärmenetz anschließen lassen

Traunreuter Bauausschuss sprach sich für »Insellösung« aus

Traunreut – Der Traunreuter Klimamanager Bernd Vilsmaier hat jetzt untersucht, ob die Schule, die Turnhalle, der Kindergarten und das ehemalige Lehrerwohnhaus in Sankt Georgen an das Fernwärmenetz angeschlossen werden sollen.

Foto: dpa/Symbolbild

Es hat sich aber herausgestellt, dass ein Ausbau und Anschluss des Netzes unwirtschaftlich wäre. Als Alternative schlägt Vilsmaier eine sogenannte Wärmeverbundlösung für die vier städtischen Gebäude vor. In der Bauausschusssitzung wurden die Alternativen gegenübergestellt.

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Aus ökologischer Sicht wäre ein Anschluss an die Fernwärme zwar zu begrüßen, zumal der CO2-Ausstoß um ein Vielfaches verringert werden könnte. Ökonomisch betrachtet würden die Investitionskosten wegen einer zu geringen Anschlussquote aber nicht dafür stehen. Deshalb schlägt der Klimamanager eine Wärmeverbundlösung vor. Dieser zentrale Wärmeverbund sieht eine Umstellung von Heizöl auf Pellets vor und würde auch gefördert werden.

Der bestehende Heizungsraum in der Grundschule wäre dabei als künftige Heizzentrale geplant. Die bestehenden Heizöltanks könnten entfernt und zum Pellets-Lager umfunktioniert werden; der vorhandene Raum würde dafür ausreichen. Lediglich die Größe der Wärmepuffer müsste dem Betrieb mit Pellets angepasst werden. Zusätzlich sollen die Umwälzpumpen gegen neue Hocheffizienz-Pumpen getauscht werden. Als Investitionskosten wurden rund 275 000 Euro prognostiziert. Die Fördermittel sind von dieser Summe noch nicht abgezogen.

Aufbauend auf das integrierte Klimaschutzprojekt der Stadt Traunreut wurden im Zuge eines weiteren Fernwärmenetzausbaus vom Geothermiekraftwerk in Richtung Westen zu den Ortsteilen Sankt Georgen und Weisbrunn zwei unterschiedliche Trassen-Verläufe (Süd und Nord) untersucht. Die Berechnungen erfolgten unter der Annahme einer Wärmebelegung von 60 Prozent. Bei angenommenen 39 von 65 Haushalten, die an das Netz anschließen würden, ergäbe sich eine Netzlänge von über zweieinhalb Kilometer. Der Netzverlust der insgesamt abgesetzten Wärmemenge würde bei 31 Prozent liegen.

Die Investitionskosten für die Leitungen und Hausübergabe-Stationen würden sich bei über einer Million Euro bewegen. Ökologisch betrachtet, könnten durch einen Umbau der dezentralen Energieversorgung auf ein Fernwärmenetz jährlich rund 385 Tonnen CO2 eingespart werden.

Die nördliche Trasse würde sich bei einer Länge von 1,8 Kilometer bewegen. Entlang dieser Trasse befinden sich etwa 40 Häuser, wobei für die Berechnung eine realistische Anschlussquote von 60 Prozent (24 Haushalte) berücksichtigt wurde. Der Wärmebedarf würde sich im Jahr auf 1,4 Millionen Kilowattstunden belaufen. Der Netzverlust würde etwa 460 000 Kilowattstunden betragen, was 33 Prozent des Nutzwärmebedarfs entsprechen würde. Hier lägen die Investitionskosten bei 800 000 Euro. Der CO2-Ausstoß ließe sich hier um 277 Tonnen pro Jahr reduzieren.

Gegen die Stimme des zweiten Bürgermeisters Hans Peter Dangschat (CSU) war sich das Gremium einig, das Projekt des Anschlusses der städtischen Liegenschaften in Sankt Georgen an die Fernwärmeversorgung aus wirtschaftlichen Gründen einzustellen und die »Insellösung« zu bevorzugen. Sofern auch der Stadtrat am kommenden Donnerstag um 16 Uhr in seiner Sitzung die Verbundlösung absegnet, sollen die Planungen intensiviert und die Zuschuss-Fähigkeit definitiv abgeklärt werden. Im Nachtragshaushalt sollen für die Planungen 50 000 Euro bereitgestellt werden.

Auf Wunsch von Dangschat sollen auch die Stadtwerke, die voll in das Projekt mit eingebunden sind, wenn möglich bis zur Stadtratssitzung eine separate Stellungnahme dazu abgeben. Dangschat monierte die fehlende Stellungnahme und bestand auf eine schriftliche Aussage der Stadtwerke. Er möchte Gewissheit darüber haben, ob die Stadt in Bezug auf den Fernwärmeausbau nicht doch eine Chance verpasst.

Bürgermeister Klaus Ritter konnte die Forderung seines Stellvertreters nicht nachvollziehen. » Herr Vilsmaier ist unser Fachmann und arbeitet sowohl für das Rathaus als auch für die Stadtwerke.« Insofern könnten die Kollegen aus den Stadtwerken auch keine andere Aussage treffen. ga