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Traunstein: »Empört euch, engagiert euch, kommt zum Ostermarsch«

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Ihre Forderungen zeigten die Teilnehmer des Ostermarschs mit vielen Transparenten und zogen damit durch Traunstein. (Foto: Wittenzellner)

Traunstein – »Empört euch, engagiert euch, kommt zum Ostermarsch«. Der Aufforderung eines breiten Bündnisses aus politischen Gruppierungen und Initiativen, Gewerkschaften, Parteien und kirchlichen Gruppen folgten nach Angaben der Polizei rund 150 Personen, um damit für Frieden und soziale Gerechtigkeit, gegen Rassismus, Abschiebung und Ausgrenzung zu demonstrieren. Die Demonstranten setzten am Ostersamstag in der Traunsteiner Innenstadt mit dem Marsch auch ein Zeichen gegen Aufrüstung, Waffenexporte und Krieg und protestierten gegen die Klimapolitik der Bundesregierung.


Initiatorin Dr. Renate Schunck von der Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg lobte einleitend das Schüler-Engagement »Fridays for Future«: »Ihr macht uns Mut und sagt, dass jetzt etwas passieren muss, damit unsere Erde nicht den Bach heruntergeht.« Gemeinsam mache es Spaß, »gegen den Wahnsinn etwas in Solidarität zu unternehmen.« Mit Blick auf die bevorstehende Europawahl forderte sie »ein Europa des Friedens, des sozialen Ausgleichs und der Toleranz und nicht eine EU, die Krieg mit dem Wort Sicherheit umschreibt«.

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Rainer Thiemann vom VNN-Bund der Antifaschisten forderte in seiner Rede an die »lieben Friedensfreunde« eine Ächtung und Abschaffung aller Atomwaffen. Auslandseinsätze wie der der Bundeswehr in Mali seien keine sinnvolle Entwicklungsstrategie für die Bevölkerung: »Sie dienen ausschließlich imperialen Interessen«.

Horst Trüdinger von der Caritas artikulierte seine Forderungen auf dem zur Rednerbühne umfunktionierten Brunnen am Stadtplatz: »Weltweite militärische Abrüstung, fairer Handel mit einem gerechten, transparenten und vertrauenswürdigen Welthandel auf Augenhöhe und die Rettung des Klimas.« Hermann Hofstetter, Kreisvorsitzender der ÖDP forderte, »zerstörerische Lebensstile und falsche Vorbilder benennen und abschaffen«. Gleichzeitig sei eine radikale Wende in allen Wirtschaft- und Lebensbereichen erforderlich, um die Zukunft der kommenden Generationen nicht zu zerstören.

Michael Raufer, Mitglied im Kreisvorstand der Partei Die Linke kritisierte mit markigen Worten Ministerpräsident Markus Söder, der mit dem bayerischen Raumfahrtprogramm »Bavaria One« zwar Geld für die Raumfahrt zur Verfügung stelle, gleichzeitig aber zu wenig für die Stärkung der Pflege tue. Zusammen mit der Didgeridoo-Spielerin Sina Aschenbrenner ging er musikalisch auf die Themen des Ostermarsches ein und rief zum »Widerstand gegen die Dummheit und die Kälte hier im Land« auf.

Gertraud Angerpointner, Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft, warb dafür, »gegen ein verlogenes neoliberales System Widerstand zu leisten«, das letztlich nur dazu diene, dass Konzerne und ihre Lenker noch mehr verdienen würden. Den Bogen in die Weltpolitik spannend sei sie davon überzeugt, dass die westlichen Staaten an Venezuela nur deshalb Interesse hätten, weil es dort reiche Ölvorkommen gäbe. »Lasst euch nicht anlügen, wenn sie euch sagen, der Präsident ist schlecht«.

Bruder Jeremias von den Kapuziner in Altötting regte zu einer Gedenkminute für die Menschen an, die auf der Flucht gestorben sind. Er prangerte den »menschenverachtenden Umgang mit den Geflüchteten« an. Den Plänen des Bundesinnenministers Horst Seehofer, Geflüchtete ins Gefängnis zu stecken, hielt er entgegen, dass Täter aus der rechten Ecke ihre Strafe nicht nach rechtskräftiger Verurteilung sofort absitzen müssten. »Wir brauchen eine Debatte darüber, warum die Politik auf dem rechten Auge blind ist«.

Nach den umfangreichen Reden der Auftaktkundgebung ging es nach dem »Zusammentrommeln« durch den 17-jährigen Seydou Ba in einem Demonstrationszug durch die Innenstadt zum Bahnhofsplatz. Miriam Förg von »Fridays for Future« forderte dort, dass ältere Teilnehmer mit auf die Straße gehen und für gemeinsame Anliegen einstehen sollten: »Jeder kann das, nicht nur Schüler.« Traunsteins Fridays-for-Future-Initiator Simon Hüller freute sich, dass sich mehr junge Leute wie er für Politik interessieren würden. Die Demonstrationen seien ein »riesiges Zeichen« dafür. Mögliche Verweise oder gar den Ausschluss aus der Schule ordne man dem Ziel der Klimarettung unter: »Es ist uns egal, es ist unsere Zukunft.«

Im Nachgang zogen die Demonstranten zum gemeinsamen Friedensgebet zur Kirche Sankt Georg und Katharina. Vor der Gedenkstätte werde einem deutlich, dass »die Toten der Kriege keine Helden sind, sondern Opfer«, betonte der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmaier. Pastoralreferentin Andrea Rosenegger sprach das Gebet der Vereinten Nationen und Segensverse aus dem Neuen Testament. awi