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Seit 1989 war Gerhard Fischer (links) Traunsteiner Stadtförster. Jetzt geht er in Ruhestand und Tobias Steiner tritt seine Nachfolge an.

Traunstein hat einen neuen Stadtförster

Traunstein – Wechsel in der Betriebsleitung des Traunsteiner Stadtwaldes: Tobias Steiner (34) tritt die Nachfolge von Stadtförster Gerhard Fischer an und betreut künftig die rund 600 Hektar Wald, die im Besitz der Stadt Traunstein sind. Dazu gehören auch Flächen in den Gemeinden Waging und Seeon-Seebruck. Fischer war seit 1989 dafür verantwortlich und geht jetzt in den Ruhestand.


Fischer ist es in den letzten drei Jahrzehnten gelungen, die drei wichtigsten Funktionen des Waldes unter einen Hut zu bringen: seine Schutzfunktion für Natur, Wasserhaushalt und Klima, seine Nutzfunktion mit dem Ziel, durch die Erträge aus dem Holzverkauf die Pflege und Weiterentwicklung des Waldes zu einem Großteil zu finanzieren und drittens die Erholungsfunktion sicherzustellen.

Diese drei Funktionen will auch Tobias Steiner weiter verfolgen. Er stammt aus Hannover und hat an der Universität in Göttingen Forstwissenschaft studiert. Am Traunsteiner Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat er ein Referendariat absolviert und seine Frau stammt aus dem Chiemgau. Die beiden haben einen zweijährigen Sohn und eine neun Monate alte Tochter. Derzeit lebt die Familie in Anger, plant aber, nach Traunstein umzuziehen.

Steiner geht seine neue Aufgabe mit Elan an, in die er schon seit einigen Wochen von seinem Amtsvorgänger eingewiesen worden ist. »Wir sind sehr gut aufgestellt. Es ist sehr schön zu sehen, wie vielfältig der Stadtwald dasteht«, schwärmt er. Fischer hat in seiner Amtszeit die Fichtenbestände von 70 auf 40 Prozent reduziert und stattdessen vor allem die Pflanzung von Laubbäumen und Tannen gefördert. Der Anteil der Laubbäume stieg auf 40 Prozent, der Tannen auf rund 15 Prozent. Weitere wie Lärchen, Kiefern, Douglasien und einige Exoten machen etwa 5 Prozent aus.

Steiner ist beeindruckt von der Vielfalt der Baumarten, die in den letzten Jahrzehnten gepflanzt wurden. Ziel war und ist immer die Suche nach Bäumen, die mit dem sich stark verändernden Klima bei uns gut zurecht kommen. Aus Amerika kommen neben der Douglasie die Große Küstentanne, die Hemlocktanne, Sumpfzypressen, und Scheinzypressen. Gut gedeiht an verschiedenen Stellen der Riesenlebensbaum, von dem annähernd 500 Setzlinge ausgebracht wurden und der ebenfalls aus Nordamerika stammende Riesenmammutbaum. Tulpenbäume, duftende Hickorybäume und Schwarznüsse sind weitere Arten vom anderen Kontinent, die sich bei uns wohlfühlen könnten.

Aus dem Kaukasus stammt ursprünglich die Nordmanntanne, von der man einige prächtige Exemplare bewundern kann, und vom Balkan kommt die Türkische Baumhasel, die irgendwann einmal wertvolles Holz liefern könnte. Gerhard Fischer verweist da-rauf, dass die durchschnittliche Niederschlagsmenge bei uns im letzten halben Jahrhundert um 25 Prozent zurückgegangen ist. Dass Tanne und Laubbäume so gut aufkommen, liegt laut Fischer auch an der kompromisslosen Formel: Wald vor Wild. Daran will sich auch Tobias Steiner auch halten und den Abschuss von gut 80 Stück Rehwild pro Jahr im Stadtwald beibehalten.

Stadtförster zu sein ist kein »Job«, sondern eine Lebensaufgabe. Vor Tobias Steiner hat es in mehr als 100 Jahren Stadtwald nur drei Wechsel auf diesem Posten gegeben. Von 1920 bis 1958 war Hubertus Artinger Stadtförster, dann bis 1989 Hans Fehringer und seither Gerhard Fischer. Von dieser Kontinuität kann Tobias Steiner einerseits profitieren, tritt andererseits aber ein Erbe an, das hohe Verantwortung und viel Liebe zum Beruf voraussetzt.

Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer freut sich, dass die Stadt mit Tobias Steiner einen jungen, qualifizierten Nachfolger für Gerhard Fischer gefunden hat, dem er für sein jahrzehntelanges Wirken für den Stadtwald dankte. »Der Stadtwald hat für Traunstein einen ganz hohen Stellenwert«, betont Hümmer. Das gelte gleichermaßen für Klimaschutz und Erholungsfunktion. Das Stadtoberhaupt hofft, dass der neue Stadtförster diese Ziele konsequent verfolgt und dabei ein positives Betriebsergebnis nie aus den Augen verliert.

-K.O.-