Bildtext einblenden
Filimon Abraham aus Traunstein belegte bei der Crosslauf-EM in Dublin den starken 14. Platz und war damit der beste Deutsche.

Traunsteiner Filimon Abraham wird bei der Crosslauf-EM in Dublin Vierzehnter – Ausnahmeläufer hat ehrgeizige Pläne für 2022

Es war der Höhepunkt seines überaus erfolgreichen Sportjahres – ja, mehr noch: Es war das bisherige Highlight seiner Karriere. Filimon Abraham von der LG Festina Rupertiwinkel/Teisendorf wurde vom Deutschen Leichtathletikverband für die Crosslauf-Europameisterschaften im irischen Dublin nominiert und zeigte dort sein großes Potenzial.


Der 29-Jährige, der mittlerweile in Traunstein wohnt und arbeitet, belegte auf der schweren 10-Kilometer-Strecke am Ende den 14. Platz und wurde damit bester Deutscher. »Ich freue mich sehr, dass es so gut geklappt hat und die Abstände nach vorne auch nicht so groß gewesen sind«, sagte Abraham im Gespräch mit unserer Sportredaktion ganz bescheiden.

Zu Beginn des Rennens hatte Abraham auf der ersten Runde in der irischen Hauptstadt bei besten äußeren Bedingungen – es herrschte nur ein leichter Wind – noch ein paar Schwierigkeiten, doch dann arbeitete er sich Stück für Stück im Feld nach vorne und zeigte sich auch mal neben den Topläufern Jakob Ingebrigtsen (Norwegen) und Aras Kaya (Türkei) sowie dem Vorjahressieger Jimmy Gressier (Frankreich).

Die Strecke an sich lag Abraham. »Sie war perfekt für mich«, berichtete er. »Es ging immer leicht bergauf und dann wieder bergab.« Und sie sei auch schön breit gewesen. »Man konnte also richtig gut Vollgas geben.«

Zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Samuel Fitwi (LG Vulkaneifel) hielt er in der Verfolgergruppe immer Kontakt zur Spitze – und es wäre wohl eine noch bessere Platzierung für Abraham drin gewesen, hätte er nicht plötzlich Magenprobleme bekommen. »Das war der Knackpunkt«, berichtete er. Warum diese aufgetreten sind, kann sich der Ausnahmeläufer nur so erklären: »Ich habe aufgrund des späten Starts auch später gefrühstückt und dabei wohl einen Tick zu viel gegessen.«

Doch Abraham biss auf die Zähne und fuhr am Ende einen Top-Platz in diesem erlesenen Starterfeld ein. »Ein wenig ärgere ich mich schon«, erzählte er, »denn ohne die Magenprobleme wäre vielleicht noch mehr drin gewesen.« Aber daraus könne er eben auch für die Zukunft lernen, ergänzte er.

Der Norweger Ingebrigtsen siegte am Ende in 30:15 Minuten ungefährdet und schüttelte auch noch seinen in Kenia geborenen ärgsten Widersacher Kaya ab. Abraham lief mit einem Rückstand von lediglich 52 Sekunden hinter dem Sieger auf Rang 14 ein. Der Traunsteiner konnte ganz zum Schluss auch noch den ebenfalls in Eritrea gebürtigen Mannschaftskollegen und letztjährigen Fünften, Samuel Fitwi, abhängen der sich im Vorfeld Medaillenchancen ausgerechnet hatte. »Dass ich meine Mannschaftskollegen alle schlagen konnte, damit habe ich nicht gerechnet«, berichtete der Traunsteiner stolz.

Nun gönnt sich Filimon Abraham erst einmal ein paar Tage Pause – doch dann will er schon wieder loslegen, um einen guten Grundstein für 2022 zu legen. Gleich zu Beginn des neuen Jahres will der ehrgeizige Sportler, der seinen Traum vom Profi-Läufer weiter lebt, dann auch ins Trainingslager nach Kenia gehen und sich dort sechs Wochen lang auf seine neuen sportlichen Ziele vorbereiten – und die sind erneut ambitioniert! Im Frühjahr hofft er dann auf mehrere Wettkämpfe. Allerdings bereitet ihm die Corona-Situation ein wenig Sorgen. »Ich hoffe, dass nicht wieder so viele Läufe deshalb abgesagt werden müssen«, hob der gelernte Schreiner hervor, dem eine mild verlaufende Corona-Erkrankung in diesem Jahr selbst kurzzeitig außer Gefecht setzte.

Sein erster sportlicher Höhepunkt wird 2022 der Marathon Hamburg am 24. April sein. Dabei möchte er sich für die European Championships in München (11. bis 21. August) qualifizieren. »Die Vorbereitung auf den Marathon wird schon sehr hart werden«, blickte er voraus, »aber das liegt mir eigentlich.«

Seinen ersten Marathon hat Abraham auch schon heuer erfolgreich absolviert – und wie! Beim Rennsteiglauf in Thüringen gewann er seinen ersten Lauf über 42,2 Kilometer gleich mal – und das mit einer neuen Streckenrekordzeit (2:24,48 Stunden). Zudem hatte er in diesem Herbst unter anderem auch erstmals den Hochfelln-Berglauf, also sein Heimrennen, gewonnen, hatte beim Großglockner-Berglauf als Zweiter nur ganz knapp die Titelverteidigung verpasst und zwei neue Chiemgaurekorde über 10 Kilometer und 21,1 Kilometer auf der Straße aufgestellt.

»Ich habe dieses Jahr wirklich sehr viel geschafft«, blickte das Lauf-Ass zufrieden zurück, »und dabei war es auch nicht immer so einfach, alles unter einen Hut zu bringen – also Arbeit und Sport.« Für 2022 wünscht er sich nun, »dass alle gesund bleiben«. Er selber gehe mit viel Motivation und Energie ins neue Jahr. Die Crosslauf-EM in Dublin wird also sicher nicht sein letztes sportliches Highlight gewesen sein.

SB