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Traunsteiner Sommerkonzerte - Öffentliche Generalprobe und Konzert VII

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»Ich mach' keine Spaßetteln« – so hat sich Friedrich Gulda zu seinem Konzert für Cello mit Blasorchester geäußert, als es ihm darum ging, sich als durchaus humorvoller, aber nicht spaßiger Komponist zu erklären. Sein Cellokonzert (zusätzlich zu den Bläsern kommen E-Gitarre, Jazz-Bass, Kontrabass und Schlagzeug) sei eben kein Witz, keine Clownerie, sondern auf einer geistig viel höheren Ebene, eben der des Humors, zu verstehen. Ohne jegliche ironische Distanz bezieht Gulda die volksmusikalischen Elemente der dörflichen Blasmusik mit ein. Es ist eine Musik, die ihn, den musikalischen Weltbürger, in seinem Domizil im Dörfchen Weißenbach am Attersee und dessen Umgebung jahrelang begleitet hat, die ihm vertraut und lieb geworden war.


Alles vereint Gulda in dem einzigartigen Cello-Konzert, einst dem Cellisten Heinrich Schiff auf den Leib geschrieben und ihm gewidmet: Klassik, Jazz, Tanz, Volksmusik. In der »Ouvertüre« wechseln sich Jazz-Funkrock-Abschnitte mit alpenidyllischen Passagen ab. Eine Liebeserklärung an das Salzkammergut, d. h. harmonisch verklärte Bergwelt pur, bietet der 2. Satz »Idylle« mit zwei Ländlern und einer ausgedehnten Cellokantilene. Die lange, ausgeschriebene »Cadenza« (3. Satz) beginnt eher klassisch, wechselt schlagartig in den Jazz und verlangt vom Solisten (Reinhard Latzko aus Wien) viel Improvisationstalent. Eine erste Passage bietet ihm Gelegenheit, sich auf Basis der leeren A-Saite exzessiv auszutoben, eine weitere sich im Flageolettspiel zu verausgaben.

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Der 4. Satz »Menuett«, eine Art stilisierter höfischer Tanz, ist bereits 1965 komponiert und der Suite für Eurojazz-Orchester »Les hommages« entnommen. Das »Finale« ist von herrlich bierlauniger Stimmung. Heinrich Schiff dazu: »Der letzte Satz überfällt den Hörer mit auftrumpfender Lustigkeit, nicht mit alpenländischer Blasmusik kokettierend, sondern diese voll ausführend. Das Cello darf auf dieser deftigen Basis virtuos brillieren; auch der geliebte und gefeierte Star-Tenor des Kurortes (Böhmen?) darf zweimal zeigen, wie schrecklich schön und gefühlvoll er singen kann. Wie ein Salzkammergut-Gewitter entwickelt sich noch einmal ein jazzoider und unheimlich aufgeregter Mittelteil, nach welchem zunächst lächelnd, bis zum Ende wieder laut lachend und den inzwischen ziemlich atemlosen Solisten anfeuernd, eine 'Coda par excellence' den glanzvollen Schluss bildet.« Weil so genial-unterhaltsam komponiert, hat das Cellokonzert von Anfang an (UA 1981) seine Liebhaber gefunden.

Um das Werk kennenzulernen, bieten die Traunsteiner Sommerkonzerte vor der abendlichen Aufführung heute um 19.30 Uhr eine öffentliche Generalprobe (bei freiem Eintritt) in der Klosterkirche ab 13 Uhr an.

Dem Cellokonzert gehen eine Pastorale für Cello und Klavier (Paul Gulda) von Guldas Lehrer Joseph Marx voraus sowie das Werk »Grass Brass«, 2010 zum 30-jährigen Bestehen der Grassauer Bläser geschrieben. Der Komponist Thomas Hartmann hat »Grass-Brass« allerdings dem Anlass bzw. der von Gulda geforderten Blechbläserbesetzung im Cellokonzert angepasst und umgeschrieben für 2 Trompeten, 2 Hörner, Posaune und Tuba.

Das Abschlusskonzert (Leitung: Paul Gulda) der diesjährigen Traunsteiner Sommerkonzerte verspricht, mit insgesamt 17 Musikern (Mitglieder der Grassauer Bläser, Musikstudenten und Lehrer) ein ganz großer, gut gelaunter Abend zu werden.

Karten gibt es unter Telefon 0861/9 86 95 23 und an der Abendkasse. Imke von Keisenberg