Traunsteiner Starkbierfest heuer digital

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Maximilian Sailer (rechts), Bräu des Traunsteiner Hofbräuhauses und Fastenprediger Albert Rosenegger verliehen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier in Abwesenheit den Orden »Für nix und wieder nix«. (Foto: Buthke)

Traunstein – Auf keinen Fall auslassen wollte das Hofbräuhaus Traunstein in Pandemiezeiten sein traditionelles »Traunsteiner Starkbierfest«. Deshalb wurde das 12. Starkbierfest am Samstag digital ausgestrahlt. Höhepunkt war wiederum die deftige Fastenpredigt von Albert Rosenegger. Für die musikalische Gestaltung der Veranstaltung sorgten die »Hallgrafen Musikanten«.


Bräu Maximilian Sailer wies in seiner Begrüßung auf den Vorteil des digitalen Starkbierfests hin, denn so konnte er viel mehr als die üblichen 200 Gäste im historischen Hofbräuhaussaal begrüßen. Mit einem Augenzwinkern ließ Sailer die Geschichte der Fastenzeit, die von Papst Gregor 590 eingeführt wurde, Revue passieren. Dabei sei man im Laufe der Jahrhunderte erfinderisch geworden, um die vielen Verbote zu umgehen. Besonders beim Trinken seien die Mönche einfallsreich gewesen, denn Flüssiges bricht das Fasten nicht. Die Legende erzählt, dass sie ein Fassl Bier als Kostprobe über die Alpen zum Papst geschickt haben. Als es in Rom durchgeschüttelt und schön warm ankam, war es natürlich sauer und verdorben. Der Papst fand daher, dass dieses ungenießbare Getränk gerade recht war für die Fastenzeit, und erlaubte fünf Maß täglich.

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»Jetzt hätte ich bald alle zur traditionellen digitalen Starkbierrede begrüßt«, sagte Albert Rosenegger, »aber traditionell ist heuer gar nichts und sollte es auch nicht werden«. Im Grunde sei das Starkbierfest eigentlich nichts Anderes, als das von verschiedenen Stadtratsmitgliedern propagierte digitale Bürgerforum, wo dann jeder querdenkende Bürger online rumstänkern könne. Somit sei er jetzt so ziemlich auf der Höhe der geistigen Errungenschaften des städtischen Rats. »Ein erhebendes Gefühl«, so Rosenegger. »Ich bin kein Querdenker, des muss ich gleich vorausschicken. Ich denke länglich, oftmals horizontal, allerdings mit relativ geringem Horizont.« Corona mache er aber heute nicht zu seinem Hauptthema, weil man eh fast schon nichts anderes mehr höre, aber ganz drumherum komme er trotzdem nicht. Die Chinesen seien schon Hund' und würden ihr Geschäft verstehen. »Zuerst schicken's uns des Corona und dann verkaufen's uns die Masken.« Und wenn beim Tragen der Masken die Brille anläuft, auch noch die Brillenglastücher.

Aber man müsse vieles an diesen Masken positiv sehen, denn dem einen oder anderen verschafften sie nebenbei zu einem attraktiven Aussehen. »Weil ohne Nacklnosen schaut der Onkel Sepp auf amoi ganz liab aus und de sonst vorstehenden Oachkatzlzähn von da Tante Frieda hoitn sich jetzt auf amoi ganz dezent zurück.« Das obligatorische Ja-Wort beim Heiraten falle etwas gedämpfter aus. »Macht ja nix. Statistisch g'seng werd sowieso dann jede dritte Ehe wieder geschieden. Da i's dann eh gscheider, wann der Meineid etwas verhaltener artikuliert werd.«

Große Hoffnungen setze man auf die Impfung, sofern Impfstoff vorhanden sei. Man sei jetzt dahinter gekommen, dass man aus einer Flasche nicht nur fünf sonder sechs oder sieben herausbringe. Darauf gekommen sei ein ehemaliger Schankkellner vom Oktoberfest, der es in seiner Glanzzeit verstand, aus einem Hundert-Liter-Hirschen bis zu 130 Liter zu zapfen. Alte Techniken seien bei diesen Engpässen hilfreich, so Rosenegger.

Unter den ganzen Bieren des Hofbräuhauses sei für die Landtagsabgeordnete Gisela Sengl von den Grünen eigentlich kein akzeptables Bier darunter, weil versäumt worden sei, dass man italienisches Bio-Braugetreide importiert. »Müssen's heit a Kracherl trinken oder a Wasser oder sonst wos Gehaltloses. Aber a bissl a Buße schadet Ihnen ned.«

Sicher war sich Rosenegger, dass der Bundestagsabgeordnete Dr. Peter Ramsauer wieder für die CSU kandidiert. »Warum ich mir so sicher bin? Jamei, Erfahrungswerte. G'sagt hot er's auch ned, dass er aufhört. Und wenn er ned von selber aufhört, werd er oiwei wieder g'wählt.« Durchgesickert sei, dass er dann ein neues Amt anstreben wolle: Seniorenbeauftragter für in die Jahre gekommene Abgeordnete. Man treffe sich dann in der Bundestagskantine zum Memory spielen. Ein paar Schlaumeier hätten ja schon gemeint, er ziehe sich aus der Politik zurück. Aber was täte er daheim in Traunwalchen? Wirtschaftspolitische Trübsal blasen und zweimal in der Woche mit seiner Frau Susanne in der Traunpassage Einkaufswagerl schieben?

Auch Dr. Bärbel Kofler wolle wieder für die SPD in den Bundestag einziehen und die von ihrer Partei so ausdrücklich geforderte Frauenquote mit entsprechender Intelligenz versehen. Das werde wieder ein mühsames Geschäft, weil die SPD in Bayern gar nichts so recht vom Fleck komme. Sie habe sich schon das letzte Mal sozusagen von dem Brosamen ernährt, der vom Tisch des reichen Prassers Ramsauer zu Boden gefallen sei.

Den CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Steiner forderte er auf, sich wieder mehr aktiv in die Politik einzuschalten und als gestandener Altbaier der Übermacht von Schwaben und Franken die Stirn zu bieten. Ansonsten müsse er sich langsam als schützenswertes exotisches Exemplar vorkommen, das man auf der Roten Liste wiederfinde. »In Ihrem Fall dann doch wieder auf der schwarzen«, korrigierte sich Rosenegger.

Landrat Siegfried Walch fragte er, ob er eigentlich schon ein Amtsjahr ohne Katastrophe gehabt habe? Wobei er nicht solche meine, die er verursacht habe, sondern allgemein emporsteigendes Unheil. Unter den Rettungsorganisationen werde er schon als »Katastrophen-Sigi« bezeichnet. Eine solch liebevolle Anrede müsse man sich erst erarbeiten.

Das Landratsamt gleiche einer Batteriehennenhaltung. Auf allen Etagen brüte man und lege Eier und freue sich, wenn etwas ausschlüpfe. Eine Bäuerin habe am Regionaltag zu einem Journalisten gesagt, mit der Brutalität ihrer Hennen sei sie zufrieden, die Legalität könnte besser sein. »Da kannt man ja gleich meinen, sie hätt' an Landkreis selber g'meint. Aber natürlich ned, denn der ist nämlich grod dabei, ein Dinosaurier-Ei auszubrüten: den Campus Chiemgau.« Oder ein anderes soeben gelegtes Dino-Ei, das Walch zur Chefsache erklärte: die Bewerbung zum Weltkulturerbe »Salz«.

Überzeugt sei er von der bisherigen Stadtpolitik von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer. Eine unabhängige Jury, die die Leistungen von Amtsträgern beurteilte, habe ihn nach der populären Essensgutschein-Aktion bereits knapp unter der maximalen Obergrenze von 100 Punkten eingeordnet. »Bedingt durch die unglücklich eingefädelte Kreuz-Aktion am Traunstein und vor allem durch die Mega-Schnapsidee, ein Riesenrad Wiener oder Londoner Ausmaßes am Salinenpark installieren zu lassen, wurden Ihnen wieder 80 Punkte abgezogen«, so Rosenegger. Aber seine Ankündigungen zufolge, die einen Aufbruch zu einer großen Wende in der Stadtpolitik prognostizieren, würden ihn bald wieder nach oben katapultieren.

Weiter bedauerte der Fastenprediger, dass Stadtpfarrer Georg Lindl nach Gauting geht. »Das ist a Nest zwischen München und Starnberg.« Was ihn dort hinziehe, sei dem Fastenprediger aber unbekannt. Die Geschmäcker seien halt verschieden. Ihm werde aber schon bekannt sein, dass er dort von seinen beliebten Bergen noch weiter entfernt sei.

Fastenprediger Rosenegger und Bräu Sailer verliehen wie alle Jahre am Schluss den Orden »Für nix und wieder nix« an eine schillernde Persönlichkeit. Der Orden ging in Abwesenheit »digital« an Merkels »Riesenbaby« Peter Altmaier. Vielleicht nimmt ihn der Ramsauer-Peter mit nach Berlin, so Rosenegger. »Im Bazooka-Heldenkostüm ist er aufgelaufen, aber bis jetzt hat's nur dafür gereicht, dass er uns und unseren Wirten mit der Wasserpistole ins Gesicht gespritzt hat«, so die Begründung von Bräu Sailer für die Wahl Altmaiers.

Bjr

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