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Hermann Hipf (von links), Harald von Knoerzer-Suckow und DJ Lumpi alias Alexander Klammer machten das Beste aus der Situation und sorgten beim Geister-Weltcup für ein wenig Stimmung für die Teams und die Helfer in der Chiemgau-Arena. (Foto: Brenninger)

Trauriger Weltcup für die Stimmungsmacher

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie haben schon viele Jahre Erfahrung in Sachen Biathlon-Weltcup in der Chiemgau-Arena – und dennoch war in diesem Jahr gerade auch für das Ruhpoldinger Unterhaltungsteam vieles ganz anders wie sonst. »Das leere Stadion war schon traurig zum Anschauen«, brachte es Unterhaltungsdirektor Hermann Hipf im Gespräch mit unserer Redaktion auf den Punkt.


»Wir hatten hier fünf Tage Traumwetter, dann noch die guten Leistungen des deutschen Teams – hier und im Champions-Park im Ort wäre jeweils die Hölle los gewesen«, ergänzte Hipf. Stadionsprecher Harald von Knoerzer-Suckow sprach »von einem Tollhaus«, das man nach den tollen Rennen hier vorgefunden hätte.

Doch Pustekuchen. Die Corona-Pandemie machte das Weltcup-Rahmenprogramm, wie man es aus Ruhpolding normalerweise kennt, eben unmöglich. Für DJ Lumpi alias Alexander Klammer war's bereits der dritte Einsatz bei Biathlon-Geisterrennen, denn er sorgte ja auch schon bei der World Team Challenge, die coronabedingt die vergangenen beiden Jahre von Schalke nach Ruhpolding verlegt wurde, für die musikalische Unterhaltung in der Chiemgau-Arena. »Aber solche Veranstaltungen wünscht man sich auf keinen Fall«, betonte er.

Doch warum war das Unterhaltungsteam überhaupt im Einsatz? »Wir wurden von der IBU angehalten, für Rennatmosphäre zu sorgen«, erklärte Hipf. »Für die Athleten, für die Teams und für die Trainer, die beim Schießstand stehen. Sie bekommen ja dann über die Videowall mit, was draußen auf der Strecke passiert.« Und auch die Helfer, die während der Rennen nicht im Einsatz waren und verteilt auf der Tribüne standen, freuten sich über das Programm. Zudem wollte auch das Fernsehen, dass zumindest ein wenig Stimmung aus der Chiemgau-Arena rüberkam.

Dennoch sprach Harald von Knoerzer-Suckow von gemischten Gefühlen. »Auf der einen Seite fragt man sich, warum man das Ganze macht. Auf der anderen Seite haben wir die Rückmeldung von den Athleten und den Trainern bekommen, dass sie eben auch ein wenig Rennfeeling haben und nicht nur in leeren Stadien rennen wollen«, erzählte der Stadionsprecher. Er moderierte auch die Siegerehrungen, die coronabedingt unmittelbar nach den Rennen direkt in der Chiemgau-Arena im Zielbereich abgehalten wurden.

Die vergangenen Jahre war Harald von Knoerzer-Suckow bei den Rennen immer im Stadion unterwegs, führte unter anderem Interviews mit Fans und Helfern, die dann auf den Videowalls in der Chiemgau-Arena ausgestrahlt wurden. »Und diesmal sind wir die ganze Zeit in der Kabine herumgesessen. Das war schon mehr als komisch«, ergänzte er. Doch mehr war in diesem Jahr eben nicht erlaubt – und es musste letztlich auch nicht mehr sein, weil eben keine Zuschauer im Stadion waren, die unterhalten werden wollten. So wurde das Unterhaltungsprogramm auf ein Minimum heruntergefahren. »Die Arbeit war bei Weitem nicht das, was es sonst gewesen ist«, sagte Hipf.

Sein Team umfasst bei einem Weltcup unter normalen Bedingungen knapp 30 Personen. »Da sind auch die Beppos dabei«, informierte Hipf. Doch weder die Ruhpoldinger Maskottchen durften diesmal ins Stadion, noch wurden die verschiedenen Kamerateams benötigt. Das Unterhaltungsteam bestand daher lediglich aus einer Rumpfmannschaft, informierte Hipf. Und selbst das schrumpfte unter der Woche noch einmal zusammen: Denn Stadionsprecher Karlheinz Kas war nach dem ersten Wettkampftag mit einem positiven Corona-Test schon wieder raus. Für ihn sprang eben Harald von Knoerzer-Suckow ein. »Ich hatte keine Vorbereitung gemacht«, berichtete er von seinen stressigen Tagen. »Ich dachte ja, dass der ,Kasi' da ist. Ich wollte ihm nur ein wenig zuarbeiten und die Siegerehrungen machen.«

Doch das Unterhaltungsteam meisterte auch diese Hürde. »Man kann sich auf so eine Situation gar nicht einstellen. Man muss sie nehmen, wie sie kommt. Gott sei Dank sind wir im Team so flexibel, dass wir so etwas auch schnell auf die Reihe bekommen«, betonte der Stadionsprecher. Trotz der ganzen Kürzungen blieben dennoch ein paar Elemente aus vergangenen Zeiten erhalten – dank DJ Lumpi. Alexander Klammer spielte etwa jeden Tag den Bayerischen Defiliermarsch und dazu marschierten die Kampfrichter ein. Auch das Fahnenlied war fest im Programm. »Und ich habe das Ruhpolding-Hey aus den vergangenen Jahren digital zusammengeschnitten und gespielt, wenn die deutschen Athleten geschossen haben«, erzählte er.

Klammer fand das wichtig: »Denn die Fans draußen haben ja auch mitgefiebert.« Einige Zuschauer standen während der Rennen sogar im Wald außerhalb der Chiemgau-Arena, um einen kurzen Blick auf die Sportler zu erhaschen oder nutzten die Live-Übertragungen in verschiedenen Ruhpoldinger Gasthäusern. »Da merkt man schon, was für einen Stellenwert Biathlon in Ruhpolding hat.«

Auch deshalb, so Harald von Knoerzer-Suckow, sei es wichtig gewesen, dass die Veranstaltung durchgeführt wurde. »Jetzt sind wir wieder im Spiel«, fand er. Für den Ruhpoldinger Weltcup 2023 hofft das Unterhaltungsteam aber wieder auf bessere Zeiten – sprich: »Auf die Fans«, sagte Hermann Hipf.

SB