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Trio mit Feinschliff und Feuer

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Genossen den Applaus nach dem Konzert im Mozarteum: (von links) Lars Vogt, Tanja und Christian Tetzlaff. (Foto: Aumiller)

Ein abendfüllendes Festspiel-Konzert mit nur zwei Klaviertrios im Programm im Großen Saal des Salzburger Mozarteums? Geht denn das? Das funktioniert sehr wohl, wenn man wie hier das f-Moll-Trio op. 65 von Antonin Dvor˘ák mit Franz Schuberts Trio Es-Dur op. 100 D 929 kombiniert.


Jedes dieser beiden Werke überragt an Länge die »normale« Dauer eines Kammermusikstücks. Und nicht nur die Länge ist überragend, sondern ebenso die Gewichtung dieser wunderbaren Trios. Man kann sie getrost als himmlische Längen empfinden, vor allem, wenn sie von so herausragenden Interpreten wie Tanja und Christian Tetzlaff im Verein mit Lars Vogt gespielt werden. Alle drei – Geiger, Cellistin und Pianist – sind als namhafte Solisten weltweit unterwegs, aber sie finden sich auch immer wieder als Kammermusikpartner zusammen. Geiger Christian Tetzlaff ist mit circa 100 Konzerten pro Jahr seit 20 Jahren als Solovirtuose viel beschäftigter Elite-Musiker. Mit Schwester Tanja gründete er das Tetzlaff-Quartett und spielt daneben auch oft in der Triobesetzung mit Lars Vogt als Klavierpartner.

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Das Trio war hier in einer Hochform wahrzunehmen, die einem fix etablierten Kammerensemble keineswegs nachsteht, sondern sie haben vielmehr ihre solistische Klasse zu einer eindringlichen und ausgewogenen Klangeinheit vereint. Es war nicht zu überhören, dass sich hier drei Musiker zusammenfanden, die eines Geistes sind, die nicht zum Zwecke der Selbstdarstellung musizieren, sondern musikalischen Ausdruckswillen, Klangdelikatesse und Empfindung als Sachwalter des Komponisten in den Vordergrund stellen. Sie spannen einen breiten Bogen an aufeinander abgestimmten Klangschattierungen und differenzierter Dynamik von lyrischer Feintarierung über romantische Empfindsamkeit bis zu kraftvollem Einsatz energischer Klangintensität. Beispielhaft im Ausloten der den Werken immanenten Klang- und Darstellungsmöglichkeiten!

Antonin Dvor˘ák verband mit Brahms eine künstlerische Freundschaft, aus der Dvor˘ák viel Anregung und Inspiration für sein eigenes Schaffen empfing. So durchziehen sein f-Moll-Klaviertrio immer wieder an Brahms erinnernde Klangformationen und die beim Tschechen so beliebten folkloristischen Elemente finden hier nur in sparsamer Dosierung Anwendung. Dramatische Aufschwünge entwickeln sich aus den Basisthemen, die etwas düstere Mollstimmung bleibt vorherrschend. Zarte Streichersequenzen werden von der Klavierornamentik mit Trillerketten, virtuosen Läufen und rhythmisch synkopierten Einschüben zum Tanz aufgefordert. Forsche Aufschwünge lösen kantabel feinsinnige Melodik ab.

Schuberts grandioses Es-Dur Trio, ein Jahr vor seinem Tod entstanden, zählt zu seinen bedeutendsten Werken. Sehnsüchtig melancholische Stimmung ist bei Schubert fast immer der Unterton, der auch hier der Vielfalt an melodischen Farben und Modulationen den besonderen Reiz verleiht. Man kann sich in den Klängen träumerisch verlieren. Balsamisch lockt das melodieführende Cello, Klavier und Geige umarmen sich in inniger Melodik und leidenschaftliche Aufschwünge kontrastieren in aufrüttelnder Vehemenz und Kraftentfaltung. Heiteres, Tänzerisches, Glänzendes, Empfindsames lockt, ergreift und verzaubert.

Ein Kammermusikfest der Sonderklasse, das die Begeisterung des Publikums mit lautstarkem Beifallsjubel quittierte. Als Zugabe erklatschten sich die Zuhörer den zweiten Satz aus dem C-Dur Trio von Johannes Brahms. Erst kürzlich haben die Künstler die drei Brahms-Trios auf CD eingespielt. Elisabeth Aumiller