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Triple-Triumph - Bayern »geblendet vom Silber und Gold«

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Triple-Feier
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Der FC Bayern München feiert auf dem Balkon des Rathauses am Marienplatz das historische Triple. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Jubel
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Der Dauerregen in München konnte die Feierstimmung nicht trüben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa
Triple
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Die Bayern präsentierten bei der nächtlichen Feier ihre drei Trophäen. Foto: Andreas Rentz Foto: dpa
Karnevalsstimmung
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Angeführt von Erfolgstrainer Jupp Heynckes (r) ging es in einer Polonaise durch den Festsaal. Foto: Alexander Hassenstein Foto: dpa
Ansprache
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Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sprach nach dem Triumph zur Mannschaft. Foto: Andreas Rentz Foto: dpa
Feierlaune
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Die Spieler von Triple-Champion FC Bayern München gaben gleich nach Schlusspfiff Vollgas. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Verarbeitung
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VfB-Trainer Bruno Labbadia geht Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich trösten. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Abschied
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Endlich! Zum Abschluss seiner Karriere bei den Bayern gewann Trainer Jupp Heynckes erstmals den DFB-Pokal. Foto: Kay Nietfeld Foto: dpa
Lob
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Die Bayern-Fans bedankten sich bei Jupp Heynckes. Foto: Maurizio Gambarini Foto: dpa

München (dpa) - Triple-Party ohne Ende! Nach der vollendeten Titeltrilogie und der »Supernacht« von Berlin haben die berauschten Bayern-Stars den größten Erfolg der Vereinsgeschichte ausgiebig in der Heimat gefeiert.


Im Anschluss an eine Triumphfahrt durch den strömenden Regen von München präsentierten sich Jupp Heynckes und seine Fußball-Helden stolz mit ihren Trophäen auf dem Rathaus-Balkon. Mit »Triplesieger, Triplesieger, hey, hey« peitschte Arjen Robben die 15 000 Anhänger auf dem Marienplatz an - und dann löste Jupp Heynckes ein altes Versprechen ein.

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»Ich habe 1990 ein bisschen großspurig den Europapokal versprochen«, rief er den Fans zu, »und dieses Versprechen möchte ich jetzt einlösen.« Der 68-Jährige hielt den Henkelpott als wichtigste Trophäe in die Höhe. »Im letzten Jahr waren wir dreimal Zweiter, jetzt sind wir dreimal Erster. Unglaublich«, staunte Robben.

Bundestrainer Joachim Löw würdigte die historische Leistung. »Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Das ist etwas, das bleibt für die Ewigkeit«, sagte er am Sonntag in Washington. »Die Spieler, die dabei waren, sind jetzt bei Bayern München Helden für alle Ewigkeit. Das ist das Besondere.«

In der Nacht zum Sonntag hatte Heynckes die Triple-Triumphatoren mit einer Polonaise auf die Bühne geführt, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß genossen den bewegenden Moment Arm in Arm und die Erinnerungsfotos mit den vielen Pokalen nahmen kein Ende. »Hey, hey, Super-Bayern, Super-Bayern« oder »Jupp, Jupp, Jupp« waren die lautstarken Feier-Parolen des FC Bayern München zu nächtlicher Stunde. Mit dem 16. Sieg im DFB-Pokal hatte der Fußball-Rekordmeister seine Saison veredelt - und dem scheidenden Trainer auch einen perfekten Abschied bereitet. »Über dieses Triple wird man in 100 Jahren noch sprechen«, erklärte Daniel van Buyten.

Auch am Samstagabend vor rund 800 begeisterten Gästen beim Bankett wurden Lobeshymnen auf den großen Tag angestimmt. »Vom Glanz umzingelt, neigt man zur Euphorie, manchmal zur Übertreibung. Aber ich glaube, was das Verhältnis Jupp Heynckes und den FC Bayern betrifft, das ist etwas Sakrosanktes«, schwärmte Vorstandschef Rummenigge »geblendet vom Silber und Gold« der Trophäen.

Der 3:2-Erfolg im Finale des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart vervollständigte den Trophäensatz des deutschen Rekordmeisters - und veredelte die erfolgreichste Saison der imposanten Vereinsgeschichte. »Was wir heute Abend erlebt haben, ist etwas Historisches«, sagte Rummenigge. »Hier im Raum sind größte Fußballer, aber das Triple hat noch keiner erreicht.«

Rummenigge sprach von einer Saison zum Genießen, und alle Gäste feierten vor allem Heynckes. »Er ist der Vater des Erfolgs«, lobte Franz Beckenbauer. Der Coach gab seine Zukunftspläne auch im glorreichen Augenblick nicht preis. »Danke, lieber Jupp, danke, liebe Mannschaft«, betonte Rummenigge und stimmte dann noch einmal den »Jupp, Jupp, Jupp«-Schlachtruf an.

»Was er uns beschert hat, kann man gar nicht mit Gold aufwiegen. Er geht als großer Freund.« Unter Beifall der Gäste rief er auch Präsident Hoeneß auf die Bühne. »Es waren schwere Wochen für unseren Freund, aber wenn eine Bastion überlebt, dann ist es der FC Bayern.« Am Tag danach stand der Patron glückselig lächelnd mit der Meisterschale in der Hand auf dem Rathaus-Balkon.

Stunden zuvor war noch Party angesagt. »Wir geben Vollgas bis zum Abwinken«, kündigte Rummenigge an. Die ganz großen Emotionen wie eine Woche zuvor gab es nicht; aber für die Club-Statistik war dieser Erfolg ähnlich wertvoll. Müde sahen einige der Triple-Helden aus, als sie am Sonntag in die Münchner Heimat zurückkehrten; dort fand in einem »unglaublichen Augenblick für den ganzen Verein« (Jerome Boateng) trotz Regens die große Fanparty statt.

Dagegen kamen die hingebungsvollen Stuttgarter nach einer kurzen Nacht immer noch niedergeschlagen wieder in der Heimat an. Zwar mühten sich alle dem guten Auftritt Positives für die neue Saison abzugewinnen, aber die Niederlage bescherte ihnen »ein ätzendes Gefühl«, wie Mittelfeldspieler Christian Gentner befand. »Die Mannschaft hat großes Herz bewiesen, eine große Bereitschaft gezeigt«, lobte dagegen Trainer Bruno Labbadia und gratulierte den Bayern. »Ich denke, dass sie eine tolle Saison gespielt haben.«

Das hoben auch die Bankettteilnehmer beim ruhmreichen FC Bayern zurecht immer wieder hervor. Franz Beckenbauer, der sich am Vorstandstisch eine Siegerzigarre ansteckte, schwärmte von einer »außergewöhnlichen Saison«. Nach Ansicht von Kapitän Philipp Lahm können noch viele weitere große Spielzeiten folgen, denn »die Mannschaft ist im perfekten Alter, die Mannschaft bleibt hungrig«.

Das ist auch Bastian Schweinsteiger, jetzt mit sechs Erfolgen im DFB-Pokal zusammen mit Oliver Kahn Rekordgewinner. »Ich hatte eine Supernacht«, schwärmte Schweinsteiger, der am Sonntag mit Franck Ribéry auf dem Balkon den Entertainer mimte.

Beckenbauer pries erst einmal die aktuelle Rekord-Spielzeit mit 25 Punkten Vorsprung in der Meisterschaft sowie den »souveränen« Titeln in Champions League und DFB-Pokal. Er riet Heynckes zum Ende seiner Karriere als Vereinstrainer. »Mehr kann er nicht erreichen, als er es jetzt beim FC Bayern getan hat.«

Ein bisschen erinnerte Heynckes nach dem Schlusspfiff an den Kaiser. Wie Beckenbauer 1990 nach dem WM-Triumph schlenderte der Noch-Bayern-Coach abseits der feiernden Spieler über den Rasen des Berliner Olympiastadions, saugte »die Atmosphäre auf« - und ließ sich dann feiern. Die Spieler verneigten sich vor ihm, dann warfen sie ihn jubelnd in die Höhe.

Und bevor der 68-Jährige, der sich am Dienstag zu seiner Zukunft äußern möchte, von Bierduschen durchnässt wurde, nahm sich auch Bundespräsident Joachim Gauck bei der Siegerehrung Zeit für ein paar Worte an den fünf Jahre jüngeren Heynckes. »Was die Mannschaft, was wir alle geleistet haben, ist historisch«, wies Heynckes selbst auf die Bedeutung des Triples hin und dankte seinerseits den geliebten Spielern. »Das ist ein emotionaler Moment. Die Mannschaft hat sich und mir heute das schönste Geschenk überhaupt gemacht.«

Hauptverantwortlicher dabei war der überraschend in die Startformation berufene Mario Gomez, der seine glänzende Torbilanz im Pokal mit zwei Treffern weiter aufbesserte. »Er ist ein typischer Torjäger. Er hat uns heute mit den Pokal gerettet«, betonte Sportvorstand Matthias Sammer und war beeindruckt vom Trainer. »Er hat seine Gefühle fantastisch im Griff.«

Zum FC Bayern, das stellte Rummenigge zum wiederholten Male klar, könne Heynckes jederzeit wiederkommen. »In der Zukunft werden wir für dich immer die Tür aufhalten, wir werden für dich immer ein Club sein, der sich erinnert, nicht nur wegen der Erfolge, sondern wegen der Menschlichkeit«, sagte der Vorstandschef und machte nach den vielen Bierduschen für den Coach einen Fauxpas bei diesem aus. »Jupp Heynckes hat den einzigen Fehler der Saison gemacht: Er hatte nur einen Anzug dabei.«