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Trotz Corona sicherer Winterurlaub im Corona-Hotspot Salzburg?

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Salzburg: Trotz Corona sicherer Winterurlaub im Corona-Hotspot Hallein? Tourismus/Reisewarnung
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»Wir gehen heuer nicht mit Jubel, Trubel, Heiterkeit in den Winter, sondern mit Einfühlsamkeit«, so Haslauer bei einer Präsentation im Kavalierhaus. (Foto: Salzburg Land Tourismus)

Salzburg – Der Salzburger Bezirk Hallein ist derzeit der Corona-Hotspot Österreichs mit 290 aktiv Infizierten pro 100.000 Einwohnern und einem 7-Tage-Richtwert von 243 (Stand: Sonntag, 14 Uhr). Dennoch versucht das Land, einen Corona-sicheren Winterurlaub zu präsentieren, auch wenn eine Reisewarnung aus Deutschland bei den anhaltend hohen Zahlen bevorsteht.


Alle nicht privaten Veranstaltungen in Hallein sind ab Dienstag verboten. In der Gemeinde Kuchl wird zusätzlich die Sperrstunde auf 17 Uhr vorgelegt. Wie ein Damoklesschwert hängt eine wahrscheinliche, deutsche Reisewarnung über dem Traum eines sicheren Winters, »wobei die Warnzahl von 50 schon sehr willkürlich ist. Warum nimmt man nicht 30 oder 70?«, fragt Landeshauptmann Wilfried Haslauer.

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Aus der Schweiz ist bereits eine Reisewarnung in Salzburg eingetroffen. Jetzt Mitte Oktober sei das noch nicht so schlimm, »aber rechtzeitig zur Wintersaison ab Anfang Dezember müssen wir da raus«.

»Wir gehen heuer nicht mit Jubel, Trubel, Heiterkeit in den Winter, sondern mit Einfühlsamkeit«, so Haslauer bei einer Präsentation im Kavalierhaus. »Bis zum Winter ist noch Zeit. Salzburg hat im Sommer gezeigt, dass es einen Corona-sicheren Urlaub anbieten kann«, ist Haslauer überzeugt. Im März und April sei die Situation im Tourismus ähnlich schlecht gewesen wie jetzt. Man sei dann sehr gut über den Sommer gekommen. »Jetzt müssen wir auch gut über den Winter kommen.«

Salzburgs Tourismus habe viele Konzepte in Wien vorgelegt. Am 1. November will die Bundesregierung dann entscheiden, welche Regeln genau gelten. »Eines steht schon fest: Ein Après-Ski mit lauter Musik wird es nicht geben. Tanzlokale werden auch zur Mittagszeit nur eine bestimmte Anzahl an Personen einlassen dürfen. »Die Gäste organisieren sich das schon.« Für den Landeshauptmann steht fest, dass mehr Schnelltests die Saison auch retten könnten. Zum Beispiel für alle Gäste vor der Abreise, wissend, dass Deutschland neue Quarantäneregeln plant.

Demnach müssten Deutsche aus einem Risikogebiet kommend automatisch fünf Tage in Quarantäne, bevor sie den ersten Corona-Test machen dürfen. Haslauer bezeichnet das erneut als »Eisernen Vorhang ohne Visummöglichkeit«, vor allem, wenn es wieder wie im Frühjahr zu Gesundheitskontrollen an den Grenzen kommen sollte. Haslauer will auch eine Registrierung von Gästen in Lokalen, was aber, außer in Wien, derzeit in Österreich aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich scheint.

Die vorverlegte Sperrstunde von 22 Uhr im gesamten Land ist eine drastische Maßnahme, um den speziell für die drei Gebirgsgaue wichtigen Wintertourismus zu retten. »Wir müssen runter mit den Infektionszahlen, runter mit den Inzidenzzahlen, in unserem ureigensten Interesse, auch um einen zweiten Lockdown zu verhindern.«

Salzburgs Hoteliers sagen mehrheitlich, dass Deutschland ihr wichtigster Markt sei. Der deutsche Winterurlauber bleibt durchschnittlich viereinhalb Tage und gibt pro Tag 181 Euro aus. Für Salzburgs Tourismus-Chef steht viel auf dem Spiel.

Von weltweit 11 Millionen Wintersportreisen entfallen rund 50 Prozent auf Österreich, davon rund ein Drittel auf Salzburg, »und laut unserer Umfrage verspürt der Deutsche Reiselust«. Wichtig sei den Gästen allerdings eine Geld-zurück-Garantie, falls die Reise wegen einer Reisewarnung oder hohen Infektionszahlen nicht angetreten oder abgebrochen werden muss.

Michael Hudelist