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Florian Vonderthann tritt bei den bayerischen Meisterschaften in »Men's Physique« in Bamberg an

Trotz Handicap über sich hinauswachsen

Florian Vonderthann (28) galt als eines der größten deutschen Nachwuchstalente in der Nordischen Kombination. Doch im Alter von 19 Jahren veränderte ein schwerer Unfall sein Leben radikal. Eine große Portion Mut, Kraft, Zuversicht und eiserner Wille führten ihn jedoch zum Sport zurück, obwohl es nicht mehr der Wintersport ist. Demnächst bereitet sich Vonderthann intensiv auf die bayerischen Meisterschaften in der noch jungen Disziplin »Men's Physique« vor, die für ihn zum Lebenselexier geworden ist.

Der Körper von Florian Vonderthann ist bereits perfekt in Form. Dennoch arbeitet er in nächster Zeit noch mehr an sich, um beim Wettkampf im April topfit zu sein. (Foto: privat)

Vonderthann hatte sich in jungen Jahren einen Platz im C-Kader des Deutschen Skiverbandes (DSV) erkämpft, die Wettkämpfe in der Nordischen Kombination gewann er beinahe nach Belieben und dominierte die Konkurrenzen. Egal ob im Skispringen oder beim Langlauf, Vonderthann zeigte in beiden Disziplinen Topleistungen. Mit 16 Jahren beendete er jedoch seine Wintersportkarriere, weil diese seinen Tagesablauf und auch seine Freizeitgestaltung maßgeblich bestimmte. Nach dem Richtungswechsel rückte der Leistungssport in den Hintergrund und Vonderthann machte, was andere Jugendliche in diesem Alter auch so machen: Freunde treffen, zusammen ausgehen und ab und zu gemeinsam Sport treiben. Doch in der Nacht zum 1. Mai 2009 endete ein lustiger Abend mit Freunden tragisch. Vonderthann hatte am Bahnhof Kuchl die Bahngleise fast überquert, als er stolperte und von einem durchfahrenden Güterzug erfasst wurde. Nur der schnellen Reaktion eines Freundes hatte er zu verdanken, dass ihn der Zug nicht überrollte. Bei dem Unfall wurde sein rechtes Bein zertrümmert und musste anschließend in einer aufwendigen Operation amputiert werden.

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Dieser Wendepunkt in seinem Leben ließ ihn später nicht nur den Beruf des Orthopädietechnikers erlernen, sondern führte ihn auch zu einem neuen Sport. Kurz nach seinem Unfall begann Florian Vonder-thann damit, ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Sein Handicap sah er als Herausforderung an, die es zu bewältigen galt. Durch diese Zielstrebigkeit kam er nach einiger Zeit zum Kraftsport, genauer zur Unterdisziplin »Men's Physique«. Dabei geht es nicht wie beim klassischen Bodybuilding nur um Masse, sondern um die ganzheitliche Ästhetik des Körpers.

Gesunder Lebensstil und trainierter Körper

Bei »Men's Physique« steht ein gesunder Lebensstil, gepaart mit einem gut trainierten Körper, im Fokus. Körperhaltung, Proportionen und Symmetrie werden besonders gefordert. In den letzten vier Jahren hat Florian Vonderthann dieses Ziel eisern verfolgt und seinen Körper in die gewünschte Form gebracht. Derzeit bereitet er sich intensiv auf seine ersten bayerischen Meisterschaften in »Men's Physique« in Bamberg vor. Sie werden am 22. April seine erste sportliche Herausforderung nach zwölf Jahren Wettkampfpause sein.

Mit den speziellen Vorbereitungen und einer angepassten Diät beginnt Vonderthann bereits 15 Wochen vor dem Wettkampf. Dazu gehören nicht nur sechs Trainingseinheiten pro Woche, auch die Ernährung muss exakt auf den erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf des Körpers eingestellt werden. Bis zu 5 000 Kalorien benötigt sein Körper in dieser Aufbauphase. Es dürfen in dieser Vorbereitungsphase aber nicht irgendwelche Kalorien sein. Nur die richtige Mischung aus Eiweiß, verschiedenen Fetten und hochwertigen Kohlehydraten kann zum Erfolg führen. Durch die strenge Diät kann er seinen Körperfettanteil auf bis zu vier Prozent reduzieren.

Das Wissen an andere weitergeben

Die daraus resultierende Fitness und der damit einhergehende gesunde Lebensstil motivieren Vonderthann täglich aufs Neue, sein Ziel zu verfolgen. Auch in seinem Beruf des Orthopädietechnikers kann er durch Disziplin und Erfahrung Wissen an andere weitergeben und sie besonders motivieren. »Was ich in den letzten Jahren an Erfahrung gesammelt habe, möchte ich an Menschen weitergeben, die Ähnliches mitgemacht haben und denen oftmals die Perspektive fehlt, wie man an sich arbeitet und so sein Leben zum Besseren ändert. Ich habe gelernt, dass man, auch wenn es oft ausweglos erscheint, etwas erreichen kann, wenn man nur will und bereit ist, an sich zu arbeiten«, so der Orthopädietechniker. Christian Wechslinger