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Dramatische Schlussphase beim Derby – 2:2 gegen die SG Schönau, die auswärts ungeschlagen bleibt

TSV Bad Reichenhall gleicht in der 92. Minute aus

Die Schlussphase gestaltete sich dramatisch. Der TSV Bad Reichenhall lag im Kreisliga-Derby gegen die SG Schönau zwar nur knapp mit 1:2, aber doch irgendwie aussichtslos zurück. Denn die Gäste drückten auf die Entscheidung, während den Platzherren lediglich vereinzelte Entlastungen glückten. Doch dann plötzlich Aufregung im Angriffssechzehner der Kurstädter: Firat Alok erhielt völlig frei vor Schönaus Keeper Christoph Maier die Kugel und zog ab. Das Spielgerät krachte an die Lattenunterkante, sprang von dort deutlich hinter die Linie und zurück ins Feld. Referee Christian Böckl aus Höslwang zeigte jedoch in den Strafraum – Abstoß, kein Tor. Vor allem TSV-Abwehrchef Marcus Mayr regte sich darüber derart auf, dass er fast den Gegenstoß über SG-Kapitän Toni Hölzl verpasste, aber sein Goalie Robert Töpel war auf der Hut (90. + 1).

Felix Baueregger (vorne) brachte sichtlich Schwung ins Reichenhaller Mittelfeld, Schönaus Jörn Herdecke hatte des öfteren Probleme mit dem TSV-Angreifer und wurde zur Pause von SG-Coach Thomas Meißner ausgewechselt. (Foto: Bittner)

Noch einmal probierten es die Reichenhaller, Daniel Haas flankte weit, Mario Majer verlängerte mit der Hacke, Tobias Kiontke staubte am zweiten Pfosten ab – es stand plötzlich 2:2 (90. + 2). Riesenjubel, denn ausgerechnet die beiden reaktivierten Routiniers sorgten für den späten und unverhofften Showdown, fehlten TSV-Coach Michi Schlagintweit doch sage und schreibe 21 Akteure wegen Verletzungen und Urlaub.

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Der erste Durchgang gehörte eindeutig Gelb-Schwarz: Die SG Schönau hatte in erster Linie mit für sie kaum berechenbaren Seitenwechseln der wieselflinken Reichenhaller Offensivleute Florian Lazar, Christopher Fonteyn und Viktor Vasas zu kämpfen. Prompt traf Lazar mit der ersten vielversprechenden Aktion über links zur Führung – 1:0 (17.). Der TSV-Neuzugang aus Traunreut hatte den Ball vom genesenen Felix Baueregger erhalten, dessen Einsatz dem Mittelfeld der Gastgeber sichtlich gut tat. Zusammen mit Michi Kantsperger wirbelte Baueregger die erste halbe Stunde phasenweise nach Belieben.

Dann flachte die Partie bei hohen Temperaturen Stück für Stück ab. Mit dem kleinen Geläuf – gekickt wurde auf dem Nebenplatz, weil der Nonner Stadion-Hauptrasen »saniert« werden muss – kam Reichenhall zunächst besser zurecht als Schönau. Der Rasen war kurz geschoren und gut bespielbar, nichtsdestotrotz versprangen etliche Bälle ungut.

SG-Coach Thomas Meißner musste sich in der Pause etwas einfallen lassen, um nicht den Derby-Faden zu verlieren: Und er tat es, wechselte mit dem Seitenwechsel Sebastian Rabenbauer und Christian Thurner ein, die sofort frischen Schwung in die Gäste-Bemühungen zauberten. Die Partie kippte völlig, absehbar glichen die Gäste durch Sebastian Wessels (57.) aus und realisierten nur sieben Minuten später sogar die 2:1-Führung (64.) durch einen starken Kopfball Christian Thurners. Das Leder hatte er via Ecke von Stefan Hasenknopf erhalten.

Die Saalachkicker waren nun schwer damit beschäftigt, den knappen Rückstand zu halten, der enorm wendige Lukas Laue hätte zehn Minuten vor Schluss das 1:3 machen müssen, scheiterte jedoch am aufmerksamen Robert Töpel im TSV-Kasten. Grund für die zunehmende Wirkungslosigkeit des Reichenhaller Mittelfeldes war in erster Linie, dass die Schönauer nun Lazar, Vargas und Fonteyn bestens im Griff hatten, selbst Baueregger war nahezu abgetaucht. Bei den Gästen hielt Spielführer Toni Hölzl alle Fäden in der Hand und avancierte zum besten Mann auf dem Feld. Reichenhall fehlte der Zugriff.

Es folgte die beschriebene heiße Schlussphase, in der beide Seiten mit einigen Entscheidungen von Schiedsrichter Christian Böckl haderten. Dass am Ende der reaktivierte Tobias Kiontke für ausgelassene Reichenhaller Jubelszenen sorgte, gehörte schließlich irgendwie zu einem gleichfalls besonderen wie typischen Derby-Finale. Die Schönauer bleiben damit auswärts ungeschlagen. Hans-Joachim Bittner