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Das Warnsignal des IC Königssee nervt die Anwohner in Winkl seit Jahren

Tüüüüüüüüüüüüüüüüüt

Bischofswiesen – Joe Kleffner ist genervt. Zweimal am Tag fährt der IC Königssee an dem Haus, in dem er wohnt, vorbei. Ein schriller Warnton hallt dann durchs Tal.

Wegen dieses Bahnübergangs pfeift der IC Königssee besonders laut. (Fotos: Pfeiffer)

»Das ist absolut unnötig«, schimpft der Bischofswieser. Das Signal ist so laut, dass die Nachbarschaft nun auf die Barrikaden geht. Die Forderung: Die Bahn muss leiser werden.

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In Winkl wohnen über 1 000 Leute, die Siedlung ist dicht bebaut. Es gibt viele Reihenhäuser. Wenn Joe Kleffner aus dem Fenster seiner Wohnung schaut, sieht er die Gleise, den Zug. Seine Fensterfront verläuft parallel zu den Schienen, wird nur von der viel befahrenen B 20 getrennt. Die Zugsignale fangen sich an der Häuserfront: »Jeden Morgen wird man davon wach«, sagt der 71-Jährige.

Seit über zwei Jahren geht das schon so, seit die neuen Züge im Einsatz sind. Wenn es nach Kleffner geht, muss die Sache ein Ende haben. Denn der IC Königssee, der von Berchtesgaden bis nach Hamburg fährt, ist der einzige Zug, der so laut pfeift. Grund dafür ist ein wenig genutzter, unbeschrankter Bahnübergang in der sogenannten Panoramakurve. Ein Lichtsignal gibt es nicht. Ein Schild an den Bahngleisen, rund 300 Meter vor dem Übergang, weist Zugführer darauf hin, ein Warnsignal abzugeben.

Seit über zwei Jahren genervt: der 71-jährige Joe Kleffner und die Anwohner in Winkl.

Andere Züge, etwa die von der »Berchtesgadener Land Bahn« (BLB), signalisieren ihr Kommen zwar auch, sagt Kleffner, aber »deutlich leiser als der Heulton des IC«. Hinzu komme, dass die Züge an der Stelle nicht viel schneller fahren als Schrittgeschwindigkeit. Deshalb sei der Warnton völlig überzogen.

Mit dem Smartphone hat Kleffner schon mehrmals Tonaufnahmen des vorbeikommenden Zuges von seinem Balkon aus gemacht. Zu hören ist ein lauter, sirenenartiger Pfifflaut, ein Tuten mit langem Nachhall. Kleffner wohnt seit 36 Jahren in Winkl. Seit Monaten versucht er für Ruhe zu sorgen. Er war bereits in der Bürgermeistersprechstunde von Thomas Weber und hat dort seinen Unmut kundgetan. Regen E-Mail-Verkehr hatte er zudem mit der Fahrdienstleitung der Bahn, hat Briefe hin und her geschickt, mit dem Büro der BLB-Korrespondenz geführt. Und war dort auch erfolgreich. Denn die Züge der BLB waren früher an derselben Stelle lauter.

In der Nachbarschaft hat man sich schon mehrmals getroffen, hat beratschlagt, was man tun könne, Joe Kleffner hat dann während der Bürgerversammlung in Bischofswiesen das Wort ergriffen und sich seinen Unmut von der Seele geredet. Dafür erntete er stehenden Applaus.

Eine schriftliche »Anzeiger«-Nachfrage bei der Bahn blieb unbeantwortet, dennoch ist Joe Kleffner überzeugt, dass eine Besserung der Situation eintritt. »Spätestens, wenn Winkl einen eigenen Bahnhaltepunkt bekommen wird.« Geplant ist ein solcher zwar. Aber das kann noch dauern. Ursprünglich sollte dieser im nächsten Jahr verwirklicht werden, nun verzögert sich die Maßnahme um mindestens ein Jahr. Wenn alles nichts hilft, kommt auch eine Unterschriftenaktion infrage. Genügend Anwohner, die vom Zug genervt sind, gibt es ja. Kilian Pfeiffer