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TV-Deal macht DFB zum Millionen-Profiteur

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RTL hat den Zuschlag für die Übertragung der Quali-Spiele des Nationalteams bekommen. Foto: Roland Weihrauch Foto: dpa

Berlin (dpa) - Mehr Show, aber kein Dschungelcamp-Klamauk und vielleicht die Rückkehr von Günter Jauch als Fußball-Moderator: Was die deutschen Fans nach dem Zuschlag an RTL bei den Übertragungen der Qualifikationsspiele der Nationalmannschaft genau geboten bekommen, ist noch ungewiss.


Der erste große Gewinner des Millionen schweren TV-Deals zwischen der UEFA und dem Privatsender steht aber schon fest. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) profitiert von den erstmals zentral durch den Kontinentalverband vermarkteten Medienrechte und kann seine Einnahmen von bislang vier bis fünf Millionen Euro pro Spiel wesentlich erhöhen.

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Sorge um die Qualität der Übertragung oder zuschauerunfreundliche Aspekte wie mehr Werbung oder Splitt-Screens während des Spiele gibt es beim DFB durch den Wechsel von ARD und ZDF zu RTL offenbar nicht. »Ich denke nicht, dass sie ihre Dschungelcamp-Moderatoren zu den Länderspielen schicken. RTL hat Erfahrung in der Sportberichterstattung und wird das professionell und seriös angehen«, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker am Donnerstag.

Gelassenheit und sogar gute Laune in der Verbandszentrale haben ihren Grund. Der DFB schaffte den Spagat, sein Premiumprodukt Nationalmannschaft teuer zu verkaufen, obwohl man durch die neue Zentralvermarktung der UEFA die Verhandlungen nicht mehr selbst führen durfte. Die RTL-Offerte soll nach dpa-Informationen um 20 bis 30 Prozent über dem von ARD und ZDF bei der UEFA eingereichten Angebot liegen und deutlich über den bislang erzielten Einnahmen.

Da der DFB sich im Gegensatz zu anderen Verbänden von der UEFA die Hoheit über weitere Vermarktungsbereiche wie die Bandenwerbung nicht nehmen ließ, werden auch die langjährigen Werbepartner nicht vergrault und Millioneneinnahmen aus diesen Bereichen nicht gefährdet.

In der Fußball-Szene wurde der UEFA-Zuschlag an den Kölner Sender mit Überraschung aufgenommen. »Bei der deutschen Nationalmannschaft denkt man immer erst an die öffentlich-rechtlichen, das ist klar«, sagte Wolfsburgs Sportdirektor Klaus Allofs. Doch auch in der Bundesliga gibt es wenig Sorge. »Wir haben es vor Jahren doch schon einmal erlebt, dass die Bundesliga von der ARD zu RTL gewechselt ist. Das hat der Entwicklung damals gut getan«, sagte der Vorstandsboss von Eintracht Frankfurt, Heribert Bruchhagen.

Eine Boulevardisierung durch den Privatsender erwartet Bruchhagen nicht. »Die bunte Berichterstattung ist doch auch bei den öffentlich-rechtlichen Anbietern längst zum Standard geworden«, betonte er. Auch Dortmunds Trainer Jürgen Klopp, der für das ZDF wie für RTL schon als Experte gearbeitet hatte, sieht die Entscheidung gelassen: »Es ist Free-TV, also ist alles okay.«

Offenbar hätte der DFB auch gerne mit den langjährigen Medienpartnern ARD und ZDF bei den Qualifikationsspielen für EM 2016 und WM 2018 kooperiert. »Selbstverständlich respektieren wir diese Entscheidung und können versichern, dass wir auch mit dem neuen Partner RTL eng zusammenarbeiten werden. Ebenso selbstverständlich stehen wir zur Partnerschaft mit ARD und ZDF«, sagte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach.

Der Zuschlag an RTL hat keine Auswirkungen auf den bestehenden Vertrag der öffentlich-rechtlichen Sender mit dem DFB. »Der bisherige Vertrag mit dem DFB ist so formuliert, dass er nicht neu verfasst werden muss«, sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz der dpa.

ARD und ZDF hatten 2011 ihren Kontrakt mit dem DFB bis 2016 verlängert. Für geschätzte 175 Millionen Euro sicherten sich die Sender die Übertragungsrechte an Länderspielen sowie im Gesamtpaket unter anderem auch für den DFB-Pokal, die Frauen-Bundesliga und die 3. Liga. Da damals feststand, dass die UEFA die Qualifikationsspiele für die EM 2016 und die WM 2018 in einer Ausschreibung zentral vermarkten wird, wurden diese Partien bereits aus dem Vertrag ausgeklammert.

ARD und ZDF können sich trösten, dass der DFB unter Bundestrainer Joachim Löw auf qualitativ hochwertige Testspiele setzt, die weiterhin im öffentlich-rechtlichen TV zu sehen sind. So sind im November zum Beispiel Partien gegen Italien und England geplant. Und: Die EM-Qualifikation für 2016 wird durch die Ausweitung der Endrunde auf 24 Teams sportlich entwertet, da sich auch Gruppendritte qualifizieren werden. Dann drohen auch in Pflichtspielen Länderspiel-Langeweiler gegen Aserbaidschan oder Andorra.

Dies tut der Freude bei RTL keinen Abbruch. »Der erste Schritt ist getan, wir haben erreicht, was wir wollten. Der zweite Schritt ist nun, unsere Vorstellungen mit Bedacht und der notwendigen Zurückhaltung umzusetzen«, sagte Sportchef Manfred Loppe.

Einblicke in konkrete Planungen - wie eine mögliche Aktivierung von Starmoderator Jauch oder eine Verpflichtung von Michael Ballack als Experte - gab er nicht: »Ich sage weder etwas zur Personal, Zahlen oder Konzeption«, meinte Loppe und stellte dennoch fest: »Fußball ist auch ein Stück Unterhaltung und ein großes Thema in der Tageskommunikation. Die richtige Kombination des Ganzen hinzubekommen, das ist unsere Aufgabe. Also absolut seriöse Fußball-Berichterstattung mit dem entsprechenden Know-How. Aber natürlich auch mit Elementen, bei denen man zumindest mal schmunzeln darf.«