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TV-Kommissar zu »Tatort«-Kritik: »Schlag in die Fresse«

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Jörg Hartmann
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Der Schauspieler Jörg Hartmann nimmtStellung im Streit um den jüngsten «Tatort» aus Dortmund. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: dpa

Zwischen dem Dortmunder OB und dem WDR gibt es Streit um die jüngste »Tatort«-Folge. Nun schaltet sich TV-Kommissar Jörg Hartmann ein. Derweil bietet sich Wuppertal an, »Tatort«-Stadt zu werden.


Dortmund/Köln (dpa) - Im Streit um den jüngsten Dortmunder »Tatort« rät TV-Kommissar Jörg Hartmann, »Dampf aus dem Kessel zu nehmen«.

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Nach dem Wut-Brief des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich Sierau an WDR-Intendant Tom Buhrow sagte Hartmann der »Bild«-Zeitung: »Jetzt kriegt man so einen Schlag in die Fresse. Das irritiert mich schon.« Niemand wolle das Ruhrgebiet oder Dortmund schlecht machen. »Keiner macht hier eine Art Mobbing.« Es gehe nur darum, einen guten Krimi zu zeigen. »Herr Sierau kann gerne mit mir ein lecker Pilsken trinken.« Dann könne man über alles reden.

Der »Tatort« sei Fiktion - und das sei den meisten Zuschauern bewusst, sagte Hartmann, der in der Dortmunder Ausgabe als Kommissar Peter Faber ermittelt. Er verstehe zwar, dass ein OB seine »Stadt im schönsten Licht dargestellt haben möchte«. Aber: »Wir sind ja kein Image-Film für Stadt-Tourismus.« In dem jüngsten Krimi vom 20. Januar untersucht Faber den Mord an einem Ex-Bergmann - vor tristen Industriekulissen und unter Bergleuten, die nach Zechenschließungen Frust und Langeweile schieben.

Der SPD-Politiker Sierau hatte die Ausgabe »Zorn« als klischeehaft und als »Mobbing« gegenüber Stadt und Bewohnern kritisiert. Er habe nichts dagegen, wenn der Dortmunder »Tatort« eingestellt und die Ermittler vorzeitig in den Ruhestand geschickt würden.

Hartmann sagte, das habe ihn »schon persönlich getroffen«. Ab Februar wolle das Team wieder in Dortmund drehen - und er freue sich auf die Arbeiten. Zugleich frage er sich: »Mögen einen die Leute dann gar nicht mehr?« In der Reihe sei sein Team nicht nur in schmuddeligen Straßen unterwegs, sondern auch in Villen und Technologiezentren.

Buhrow hatte Sieraus Kritik bereits zurückgewiesen. Die Freiheit der Kunst sei ein hohes Gut. Ein »Tatort« habe nicht die Aufgabe, das Image einer Stadt oder Region aufzupolieren, schrieb Buhrow in einem Brief an den OB.

Sierau will sich nun mit Buhrow zu einem Gespräch treffen, wie die »Ruhr Nachrichten« berichteten. Es solle um Kunstfreiheit und den Respekt vor Städten und ihren Bewohnern gehen.

Rund 50 Kilometer entfernt würde der Oberbürgermeister von Wuppertal gerne übernehmen und seine Stadt künftig als »Tatort«-Kulisse anbieten. »Wenn die Dortmunder nicht wollen, wir wären gerne Tatort-Stadt«, sagte Andreas Mucke (SPD) der »Westdeutschen Zeitung«. Darauf habe er den WDR-Chef schon 2018 angesprochen.