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TVT-Basketballer auf Trainersuche: Haindl kehrt zurück aufs Feld

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Traunstein: TVT-Basketballer auf Trainersuche: Haindl kehrt zurück aufs Feld
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Markus Haindl tauscht wieder die Seiten: In der neuen Saison wird er für den TV Traunstein nicht mehr als Trainer aktiv sein. Er kehrt nach seiner langen Verletzungspause wieder zurück aufs Feld. (Foto: Weitz)

Die Basketballer des TV Traunstein haben eine grandiose Saison in der Bayernliga hingelegt, auch wenn diese zwei Spieltage vor dem Ende aufgrund der Coronavirus-Krise vorzeitig abgebrochen werden musste. Am Ende belegten sie den starken 3. Platz.


Trainer Markus Haindl, Sportwart Sebastian Kösterke und Sportdirektor Franz Buchenrieder gaben in einer Videokonferenz mit unserer Sportredaktion einen Einblick in ihre aktuelle Gefühlswelt und blickten im Interview bereits voraus auf die neue Saison – und dabei gibt es einige Fragezeichen, die der TVT in den nächsten Wochen klären muss.

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Wie haben Sie den Saison-Abbruch bei den Basketballern erlebt?

Sebastian Kösterke: In der Woche vor unserem Rosenheim-Spiel waren die Ereignisse sehr dynamisch. Wir haben schon Ende der Woche im Funktionärsteam entschieden, die Trainings bis Ostern auszusetzen. Einen Tag später hat der Verband dann aber nachgezogen und gesagt, dass gar nichts mehr möglich ist. Es gab bald darauf eine WebKonferenz mit allen Bayernligisten. Alle 36 Vereine aus allen drei Staffeln haben dann klar gesagt: Für uns ist es okay, wenn man die Saison aufgrund der Unsicherheiten jetzt abbricht. Bei allen anderen Ligen ist das dann kurz darauf auch so entschieden worden. Seitdem ist der Status quo: Die Hallen sind zu, niemand kann trainieren.

War die Entscheidung aus Ihrer Sicht alternativlos?

Sebastian Kösterke: Aus meiner Sicht ja.

Franz Buchenrieder: Der Verband hat ja von seiner Seite den Spielbetrieb beendet und wir haben uns dem natürlich gefügt.

Wie haben Sie die Situation aus Trainersicht gesehen, Herr Haindl?

Markus Haindl: Natürlich hätten wir die letzten beiden Heimspiele noch gerne mitgenommen – vor allem, wenn man unsere Quote anschaut: Ich hätte gerne noch zwei Siege gehabt. Aber es geht in so einer Situation natürlich alles andere vor und deshalb war der Schritt auch alternativlos.

Wie fällt Ihr Saisonfazit für die Herren I aus, Herr Haindl?

Markus Haindl: Wir haben eine sehr ereignisreiche, eine sehr intensive Saison erlebt. Es gab gleich mehrere Highlights. Etwa das erste Heimspiel gegen Schwabing in der neuen Halle im AKG oder das Skandalspiel mit den Hellenen. Dass die Saison dann mit der Corona-Krise beendet worden ist, passt irgendwie ins Bild dazu. Nichtsdestotrotz können wir bei den Herren I auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken. Die Integration von den jungen Spielern und den Neuzugängen hat perfekt geklappt. Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben.

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Der Sportdirektor der TVT-Basketballer, Franz Buchenrieder (links), ist stolz darauf, dass das neue Konzept der Abteilung erste Früchte trägt. Jugendkoordinator Luis Pires nimmt dabei eine Schlüsselstelle ein. Die Fotos auf dieser Seite stammen alle aus unserem Archiv, sie wurden also bereits vor den ganzen Einschränkungen durch die Coronavirus-Krise gemacht. (Fotos: Brenninger)

Herr Kösterke, Sie sind ja auch der Trainer der Damenmannschaft. Wie fällt hier Ihr Fazit aus?

Sebastian Kösterke: Bei den Damen war es am Ende in Richtung Klassenerhalt noch kritisch. Es hätte ja die Staffel Nord und Süd zur kommenden Saison zusammengefügt werden sollen. Nur die ersten vier aus beiden Staffeln plus die Absteiger hätten da mitgespielt. Wir haben noch gekämpft um den 4. Platz, haben uns auf den 5. Platz hoch gearbeitet und noch drei sehr wichtige Spiele vor uns gehabt. Von dem her sind wir durch die Krise mitten aus dem Abstiegskampf rausgerissen worden.

Haben Sie den Klassenerhalt jetzt geschafft?

Ich weiß selber noch nicht, wie es weitergeht. Die Chancen stehen aber gut, dass wir die Klasse halten. Der Verband wird das wohl sehr fair gestalten. Unabhängig davon hat sich meine Mannschaft seit dem letzten Sommer sehr gesteigert. Das ist jetzt ein deutlich anderes Level als noch vor zwei Jahren, als wir mit der Spielgemeinschaft mit Saaldorf angefangen haben.

Ziehen Sie bitte auch ein Fazit, Herr Buchenrieder.

Franz Buchenrieder: Es ist ein tolles Ergebnis, wenn man als Fast-Absteiger in der neuen Saison unter die Top drei der Bayernliga kommt. Die Mannschaft hat geliefert. Was ich sehr positiv finde, ist, dass wir den Rangersten Schwabing und auch den Rangzweiten Jahn München zuhause geschlagen haben. Wir haben auch die beiden Derbys gegen Burghausen gewonnen. Da geht mein Kompliment an das Team und vor allem an den Teamleader – nämlich Markus Haindl als Trainer.

Wie gehen Sie aktuell mit der Situation um? Ich habe gesehen, Ihr bietet jetzt auch Videotrainings an.

Franz Buchenrieder: Wir sind in einer sehr schwierigen Situation, aber da geht es ja allen Vereinen gleich. Wir haben aber innovative und kreative Leute im Trainerstab, die durch diese Clips Kontakt zu den Teams halten und eben auch ein Heimtraining organisieren. Das ist sehr toll.

Im vergangenen Jahr hat die Abteilung ein neues Konzept ins Leben gerufen. Wie entwickelt sich das, Herr Buchenrieder?

Franz Buchenrieder: Wir haben im vergangenen Sommer ja mit Luis Pires, Lorenz Griffin und Kenan Biberovic drei zusätzliche Trainer bekommen und haben auch fast alle Mannschaften mit Assistant-Coaches aus dem eigenen Jugendbereich besetzen können. Das war dieses Jahr also eine ganz andere Aufstellung – und die hat sich absolut bewährt. Wir haben sehr viel Zulauf gehabt – vor allem in den untersten Altersklassen U 8 und U 10 und auch in der U 14. Wir haben ja auch ausgegeben, dass die Spieler, die Basketball im Wettkampf spielen, mindestens zweimal die Woche trainieren sollen. Das hat eingeschlagen. Durch das intensivere Training sind wir natürlich überall auch besser geworden. Es ist jetzt aber nur der erste Schritt gewesen. Wir sind erst am Anfang unseres Konzepts, wir müssen da jetzt sehr konsequent weitergehen.

Wenn man wieder darf...

Franz Buchenrieder: Ja, aktuell sind wir da jetzt natürlich gerade etwas blockiert. Und auch beim Thema Hallenkapazitäten müssen wir uns Gedanken machen. Wir haben gemerkt, dass wir da an gewisse Grenzen stoßen. Das bereitet uns aktuell Sorgen.

Stehen in diesem Punkt Gespräche mit der Stadt und dem Landkreis an?

Sebastian Kösterke: Wir waren zuletzt ja auch im Förderzentrum untergebracht. Das fällt uns jetzt weg, denn dafür müssten wir jetzt zahlen. Wir sind auf jeden Fall seit ein paar Monaten dran, neue Hallenzeiten zu finden. Die neue AKGHalle ist restlos ausgebucht. Es gilt jetzt mit der Stadt, weitere Alternativen zu finden. Ich bin guter Dinge, dass wir das lösen können.

Wie läuft es denn mit den Schulkooperationen?

Franz Buchenrieder: Diese Kooperation mit drei Traunsteiner Schulen ist hervorragend angenommen worden. Das wollen wir natürlich auch gern fortführen und auch ein bisschen ausbauen. Die Kinder lernen dort nicht nur Basketballspielen, sondern wir probieren auch, ihnen gewisse Werte zu vermitteln. Also: Was ist Fairplay? Was ist Rücksichtnahme? Was ist Disziplin? Mit Luis Pires haben wir da einen Top-Mann, der tolle Konzepte liefert.

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Sebastian Kösterke, Sportwart der TVT-Basketballer, hat zurzeit einiges in Hinblick auf die neue Saison, die planmäßig im Herbst beginnen soll. zu tun.

Blicken wir auf die neue Saison. Nachdem Markus Haindl ja auch in unserer Runde dabei ist, gehe ich davon aus, dass Sie auch nächstes Jahr TVT-Trainer sein werden, Herr Haindl?

Markus Haindl: Bevor ich diese Frage beantworte, möchte ich noch kurz Danke sagen für das Lob vom Sportdirektor. Ich kann das Kompliment nur 1:1 an meine Mannschaft weitergeben. Wir haben definitiv im letzten Sommer die richtigen Entscheidungen getroffen. Die Jungs ziehen voll mit. Und ich möchte es noch einmal unterstreichen: Wir haben diese Saison jedes Heimspiel gewonnen. Wir können wirklich stolz sein.

Zurück zur Frage: Sie bleiben Trainer beim TVT?

Markus Haindl: Nein, ich bleibe nicht Trainer beim TVT. Es kitzelt bei mir in den Fingern. Ich bin seit langem im Aufbautraining und ich will wieder spielen.

Für den TVT?

Markus Haindl: Ja, genau! Ich will nochmals mit den Jungs gemeinsam auf dem Spielfeld stehen und deswegen stehe ich nächste Saison nicht mehr als Trainer zur Verfügung.

Gibt es schon einen Nachfolger, Herr Buchenrieder?

Franz Buchenrieder: Es gibt noch keine neue Lösung. Wir sind aktuell auf Trainersuche. Aber wir haben auch noch etwas Zeit.

Können Sie dem neuen Trainer denn schon ein komplettes Spielergerüst präsentieren?

Franz Buchenrieder: Also, wir haben aktuell noch keine Zu- oder Abgänge. Aber es ist auch klar, wir werden erst jetzt die Gespräche mit den Spielern führen. Die Spieler möchten auch immer wissen, bevor sie eine Entscheidung treffen, wer ist Trainer. Klar ist, wir werden versuchen, den Kader so zusammenzuhalten.

Der Verband hat für die Bayernliga bereits die neue Einteilung bekanntgegeben. Demnach kommt es für Sie in der Süd-Staffel zu einem Wiedersehen mit ihrem ExVerein. Freuen Sie sich schon auf die Duelle mit dem TSV Neuötting, Herr Haindl?

Markus Haindl: Die beiden Spiele sind definitiv etwas Besonderes für mich. Es werden zwei hoch emotionale Spiele für mich werden. Ich bin in Neuötting groß geworden. Ich habe dort die meiste Zeit meiner Laufbahn verbracht. Und: Ich habe mir nie gedacht, dass ich einmal gegen Neuötting spielen werde.

Hat sich der Verband eigentlich bereits dazu geäußert, wie der Fahrplan für die neue Saison angesichts der Krise ausschauen wird?

Sebastian Kösterke: Grundsätzlich läuft die Planung erst einmal ganz normal. Der Saisonstart ist aktuell für September festgelegt. Der Verband hat auch eine faire Regelung gefunden, was Aufsteiger und Absteiger betrifft. Wir haben jetzt also drei 13er-Staffeln in der Bayernliga. Es wird also wohl nach den momentanen Voraussetzungen eine sehr lange Saison werden. Bis Mitte Mai kann sich da aber noch was tun, es könnten also noch Rückzüge von Mannschaften kommen.

Zuletzt kamen vermehrt die Meldungen, dass die Vereine bedingt durch die Krise auch in eine finanzielle Schieflage geraten. Wie schaut es da bei der TVT-Basketballabteilung aus?

Franz Buchenrieder: Das betrifft uns durchaus. Es sind uns ja zwei Spieltage abhandengekommen. Das heißt, die Zuschauereinnahmen fehlen. Wir haben dann ja auch vielleicht Neuzugänge, die sich beruflich finden müssen, da muss man schauen, was überhaupt möglich ist. Letztlich brauchen wir jetzt also mehr Unterstützung von Sponsoren. Das ist eine besondere Herausforderung für uns, das jetzt hinzubekommen.

Sebastian Kösterke: Das ist auch die Hauptaufgabe des Fördervereins. Es läuft gerade auch ein Kassensturz. Wir stellen dabei verschiedene Szenarien auf. Damit der Franz als Sportdirektor bei seinen Verhandlungen auch besser planen kann.

Was Sie Ihrem neuen Trainer bieten können, Herr Buchenrieder, ist aber auf jeden Fall ein tolles Team, das in der neuen Saison dann sogar besser als Platz drei sein wird?

Franz Buchenrieder: Netter Versuch! Ich kann heute seriös noch nicht sagen, was unser Ziel sein wird. Ich muss erst wissen, welche Spieler habe ich, welchen Trainer habe ich und dann können wir gerne über die Zielsetzung sprechen.

Das heißt, Sie planen lieber vorsichtiger?

Franz Buchenrieder: Ja! Aber es ist auch klar: Nach so einer erfolgreichen Saison will man natürlich nicht einen Schritt rückwärts machen. Aber wir müssen erst die Rahmenbedingungen kennen, dann können wir realistisch planen.

Kurz weg vom Basketball. Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Krise?

Franz Buchenrieder: Ich glaube, dass uns die Krise lehrt, mehr Demut zu haben. Wir können daraus auch viel Positives ziehen. Es ist quasi wie ein Neustart.

Markus Haindl: Für mich ist erst einmal das Wichtigste, dass wir jetzt alle gesund da durchkommen. Jeder sollte dann aber mal schauen, was sind die wichtigen Dinge im Leben und sich darauf wieder besinnen.

Sebastian Kösterke: In dieser überhitzten Gesellschaft musste doch zuletzt nur alles schneller, höher und weiter gehen, es wäre schön, wenn wir uns wieder zurückbesinnen würden auf den Gemeinschaftsgedanken. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die Leute nach der Krise wieder in die Vereine eintreten werden. Die Leute lernen jetzt nämlich wieder mehr schätzen, was sie an einem Verein haben.

Stephanie Brenninger