Traunstein: Geschichten eines Heiratsschwindlers am Gericht: Mann knöpfte Angestellter mehr als 10.500 Euro ab
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Foto: dpa/Symbolbild

Überfall auf Taxifahrer: 28-Jähriger zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Zwei Österreicher lockten einen 61-jährigen Taxifahrer auf einen Parkplatz in Altötting – mit dem einzigen Zweck, ihn zu berauben. Die Beute hatte einen Wert von 477,50 Euro. Gegen einen der Täter, einen 28-Jährigen aus Braunau in Oberösterreich, verhängte die Sechste Strafkammer am Landgericht Traunstein mit Vorsitzender Richterin Jaqueline Aßbichler eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Der mutmaßliche Mittäter muss sich am 30. November vor einem Gericht in Österreich verantworten. 


Mit dem Handy einer Bekannten und unterdrückter Nummer hatten die beiden Männer am 29. Januar 2022 nachts um 1.57 Uhr die Taxizentrale angerufen und für 2.30 Uhr ein Taxi von einem Parkplatz an der Estererstraße in Altötting nach Neuötting bestellt. Als der 61-jährige Taxler eintraf, erwarteten ihn zwei mit schwarzen Kapuzenpullis und FFP2-Masken vermummte Personen. Beide waren mit Küchenmessern mit jeweils mindestens 15 Zentimeter langen Klingen bewaffnet. Der Angeklagte öffnete die Fahrertür, hielt dem Mann am Steuer sein Messer an die Kehle und forderte dessen Geldtasche. Etwas höflicher äußerte sich der zweite Mann, ebenfalls mit Messer in der Hand, von der Beifahrerseite her: »Gib bitte die Geldtasche her, bevor wir noch was anderes machen müssen.«

Rund 500 Euro übergeben

Angesichts der Bedrohung von beiden Seiten händigte der 61-Jährige seinen Taxigeldbeutel aus, darin sein Taxischein, der Führerschein, ein Gutschein für eine Waschanlage im Wert von 20 Euro sowie Bargeld im Gesamtwert von 477,50 Euro. Darunter waren 25 Euro an Trinkgeldern. Die Räuber schnappten sich die Tasche und verschwanden zu Fuß. Mitte März 2022 konnten sie im Zug von Fahndungsmaßnahmen dingfest gemacht werden.

Der 28-Jährige zeigte sich bei der Polizei von Beginn an geständig, ebenso jetzt bei Gericht. Er gab als Motiv an, er habe dringend Geld für Alkohol und Drogen gebraucht. Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, bescheinigte dem Angeklagten volle Schuldfähigkeit und gleichzeitig eine Polytoxikomanie, also eine Abhängigkeit von mehreren Suchtstoffen. Der 28-Jährige sei Hangtäter und habe aus Suchtdruck heraus gehandelt. Der Gutachter empfahl die Unterbringung in einer Fachklinik.

»Schwere räuberische Erpressung«

Staatsanwältin Carolin Regensburger hatte den Überfall als »schwere räuberische Erpressung in Mittäterschaft« angeklagt. Sie erachtete im Plädoyer auf sechs Jahre Freiheitsstrafe sowie Unterbringung zum Alkohol- und Drogenentzug den Sachverhalt – wie alle Prozessbeteiligten – als erwiesen an. Neben der Unterbringung forderte der Verteidiger, Axel Reiter aus Mühldorf, eine vierjährige Haftstrafe. Der Anwalt argumentierte mit einer Spontantat. Das Geständnis seines Mandanten habe einen großen Beweisaufwand erspart. Der 61-Jährige habe den Überfall glücklicherweise unverletzt und auch psychisch gut überstanden.

Die Sechste Strafkammer verkündete im Urteil, der 28-Jährige müsse vor Antritt der Entzugstherapie vorweg 18 Monate im Gefängnis verbüßen. Nach Abzug der U-Haft seien das noch zehn Monate. Der Überfall sei »nicht spontan« erfolgt, hob Vorsitzende Richterin Jaqueline Aßbichler heraus. Die Täter hätten bis zum Eintreffen des Taxis 30 Minuten Zeit gehabt, sich alles nochmals zu überlegen. Der 61-Jährige im Wagen sei von beiden Seiten her mit großen Messern an der Kehle von vermummten Männern »eingekesselt« worden. Die gemeinschaftliche, bedrohliche Tat zur Nachtzeit sei gravierend und geplant gewesen. Dennoch müssten »gute Punkte« für den Angeklagten gewertet werden: Geständnis, Entschuldigung, Reue, lange U-Haft, geringe Beute und »das Glück, dass der Taxifahrer zumindest derzeit keine psychischen Schäden davon getragen hat«. Andererseits habe der 28-Jährige in Deutschland wie Österreich schon Straftaten begangen und zuletzt 2021 mit der Justiz zu tun gehabt. Die Vorsitzende Richterin dazu: »In Österreich war der Angeklagte bereits in Haft. Er hat nichts daraus gelernt, schade.«

»Ein sehr mildes Urteil«

Die sechs Jahre seien »ein sehr mildes Urteil«, merkte Aßbichler an. Ohne Geständnis wäre das Gericht deutlich höher gegangen beim Strafmaß. Den Wertersatz legte die Kammer mit 477,50 Euro fest. Das Urteil gegen den 28-Jährigen wurde mit Zustimmung der Staatsanwältin sofort rechtskräftig.

kd