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Im Kindergarten Traunwalchen wurden bis jetzt noch keine Kinder, die aus dem Krieg in der Ukraine flüchten mussten, angemeldet. Was nicht ist, kann aber noch werden. Die Leiterin Elisabeth Mühlbacher vertritt die Meinung, man sollte die Flüchtlingskinder erst einmal »ankommen« lassen. (Foto: Rasch)

Ukrainische Kinder schnell integrieren oder erst ankommen lassen?

Traunreut – In der Stadt Traunreut leben viele Menschen mit ukrainischen Wurzeln, die bereits Verwandte aus ihrer Heimat aufgenommen haben. Auch einheimische Familien bereiten sich auf eine Aufnahme vor oder haben schon Flüchtlinge aus der Ukraine bei sich zuhause aufgenommen. Nach Angaben von Bürgermeister Hans-Peter Dangschat wird auch die Stadt Traunreut Unterkünfte vorhalten. Vorkehrungen, um Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen, seien bereits getroffen worden. 


Während ihre Männer im Land bleiben, flüchten vor allem Mütter mit ihren Kindern aus der Ukraine. Die Bundesländer rechnen damit, dass Hunderttausende von geflüchteten Kindern und Jugendlichen nach Deutschland kommen. Laut den letzten Meldungen sind bereits 60 000 Flüchtlinge in Bayern angekommen. Im Landkreis Traunstein wurden bislang rund 250 Flüchtlinge registriert.

Der Zustrom von Kindern und Jugendlichen verlangt auch von den Schulen Flexibilität. Denn sobald junge Flüchtlinge an eine Kommune übergeben werden, sind sie ab einem Alter von sechs Jahren schulpflichtig. In einer Umfrage in der Stadt Traunreut waren sich die Vertreter der Schulen und Kindertagesstätten einig, dass die deutsche Sprache eine der größten Barrieren sein wird. Lehrer und Erzieher hoffen deshalb, dass unter den geflüchteten Erwachsenen auch Lehrer oder Erzieher sind, die als Dolmetscher helfen könnten.

Während in Traunreuter Schulen vereinzelt ukrainische Flüchtlingskinder bereits am Unterricht teilnehmen, vertritt die Leiterin des katholischen Kindergartens Traunwalchen, Elisabeth Mühlbacher, die Meinung, man sollte den Kindern, die eine Odyssee hinter sich hätten, noch Zeit geben. »Die Kinder müssen erst einmal ankommen«, betont Mühlbacher. Im Traunwalchner Kindergarten wurden bislang noch keine ukrainischen Flüchtlingskinder angemeldet: »Ich glaube aber, dass noch welche kommen werden und unser Team ist auch darauf vorbereitet.«

Aktuell sind in Traunwalchen alle Stühlchen besetzt und die Anzahl der Plätze sollte laut Landratsamt auch nicht überschritten werden. Ein bis zwei ukrainische Kinder stundenweise als Gast aufzunehmen, wäre nach Auffassung der Leiterin aber kein Problem. Sollten aber doch mehr Kinder kommen, müsse eine Lösung gefunden werden.

An der Carl-Orff-Grundschule ist man bereits vorbereitet: »Wir werden die Kinder bei uns aufnehmen und sie so weit wie möglich integrieren«, erklärte die Schulleiterin Gabriela Veil. Aktuell stehe das aber noch nicht zur Debatte. Lediglich ein ukrainischer Bub sei zum Schuljahresbeginn 2022/2023 angemeldet worden. Veil sprach auch das Sprachproblem an: Wünschenswert wäre eine ukrainische Erzieherin oder Lehrerin, die auch Deutsch spräche.

Die Grundschule Nord in Traunreut muss bei den freien Kapazitäten passen: »Wir haben aktuell keine freien Raumkapazitäten und müssen ohnehin in Container ausweichen«, erklärt Schuleiter Gunter Kahnert. Im Moment habe die Schule noch keine Informationen, ob oder wie viele Kinder kommen sollen. »Wenn, dann muss man sich zusammensetzen und überlegen, wo Räume zur Verfügung stehen.«

Die ukrainischen Flüchtlingskinder so schnell wie möglich in den Schulen zu integrieren, wäre nach Ansicht von Andrea Haslwanter, Lehrerin an der Werner-von-Siemens-Mittelschule, das Beste. »Wir haben Gott sei Dank kleine Klassen und könnten diese aufstocken«, sagt Haslwanter. Aus pädagogischer Sicht wäre auch ihrer Ansicht nach eine »Deutschklasse«, in der die neu hinzukommenden Schüler vor allem Deutsch lernen, wertvoll und wichtig.

Die Walter-Mohr-Realschule Traunreut hat vergangene Woche zwei Flüchtlingsschüler als Gastschüler aufgenommen. »Wie jede Schule ist auch unsere gefüllt. Aber wir pflegen an unserer Schule eine Willkommenskultur«, sagt die Schulleiterin Cornelia Linnhoff. Die Willkommenskultur sei zwar nicht unendlich, die Schule versuche aber ihr Bestes. Der Multi-Kulti-Schulfamilie sei es auch zu verdanken, dass einige Schüler Russisch sprechen und als Dolmetscher helfen könnten.

Der Schulleiter des Johannes-Heidenhain-Gymnasiums Traunreut, Matthias Schmid, geht davon aus, dass die Schule zum jetzigen Zeitpunkt nur mit Ausnahmen rechnen muss. »Ich vermute, dass kurzfristig keine ukrainischen Flüchtlinge im Gymnasium aufschlagen werden.« Um aber dennoch vorbereitet zu sein, sei die Elternschaft gefragt worden, wer als Dolmetscher fungieren könnte. »Es haben sich auch einige Eltern gemeldet«, so Schmid. Auch er regt an, an der Mittelschule eine Sprachklasse zu bilden.

ga