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»Um den Sport geht es jetzt nicht«

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In der Türkei fuhr Daniel Bichlmann in diesem Jahr eines seiner letzten Rennen. Die Coronavirus-Krise stoppte dann auch den Radsportler. (Foto: Grosser)
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Radprofi Daniel Bichlmann ist gerade jetzt richtig froh, dass er ein zweites Standbein hat. Aktuell arbeitet er mehr als Kaminkehrer. (Foto: Brenninger)

Der Saisonstart verlief für Daniel Bichlmann verheißungsvoll: Bei der »Tour of Tigray« in Äthiopien feierte der Rennrad-Profi des saarländischen Teams Bike Aid einen Tagessieg und auch die Mannschaft zeigte insgesamt eine sehr starke Leistung. Wenige Wochen später ist jetzt alles ganz anders, denn freilich ist auch der Radsport von der Coronavirus-Krise arg betroffen. Wann es wieder Radrennen geben wird, steht in den Sternen.


Auch für den heimischen Radsportler aus Siegsdorf, der in Salzburg wohnt, ist die sportliche Situation gerade sehr schwierig. Um seine Existenz muss sich der 31-Jährige aber keine Sorgen machen, denn er hat vorgesorgt: Er hat ein zweites Standbein und geht jetzt eben seiner Arbeit als Kaminkehrer nach.

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Nach Äthiopien war Daniel Bichlmann mit seinem Team übrigens noch bei einer Rundfahrt in der Türkei und bei Eintagesrennen in Belgien am Start. »Seitdem überschlagen sich die Ereignisse«, erzählt der Sportler am Telefon.

In der Türkei sei noch alles relativ normal abgelaufen, berichtet er. »Nur in den Hotels waren ein paar Hand-Hygiene-Artikel mehr wie sonst aufgestellt.« Aber auch das sei nichts Ungewöhnliches gewesen. »Als Profisportler achten wir ja sowieso immer auf die Hygiene, das ist für uns ja selbstverständlich.« Am dritten Renntag war für Bichlmann in der Türkei dann trotzdem Schluss. »Ich habe mir in Äthiopien eine Lebensmittelvergiftung eingefangen«, sagt er. »Und dann ging erst einmal nichts mehr bei mir.«

Nach der problemlosen Rückkehr aus der Türkei ging's für den Profi dann in Belgien weiter – und dort gab es Anfang März schon die ersten Corona-Sicherheitsvorkehrungen. »Die Fans sind da schon von den Teambussen ferngehalten worden«, erinnert sich Bichlmann. Es sollte sein vorerst letzter Einsatz als Radprofi werden – und das auf unbestimmte Zeit.

»Wir waren richtig gut drauf«

Jetzt liegt nämlich vorerst alles auf Eis. Die Thailand-Rundfahrt, bei der Bichlmann Anfang April starten hätte sollen, ist abgesagt. Für das Team Bike Aid kommt der unfreiwillige Stop zur Unzeit, findet Bichlmann. »Wir waren richtig gut drauf, das Team hat super funktioniert«, sagt er und ergänzt: »Unser Kader hat in dieser Saison eine sportliche Klasse, die kaum verbesserungsfähig ist.«

Und auch Bichlmann selber betont, dass er richtig in Form gewesen sei. »Ich bin einfach super durch den Winter gekommen.« Das sei aus rein sportlicher Sicht schon herzzerreißend, ergänzt er, schiebt aber auch gleich hinterher: »Um den Sport geht es jetzt nicht. Jetzt sind andere Dinge wichtiger. Und die ergriffenen Maßnahmen sind natürlich alternativlos.« Die Coronavirus-Pandemie sei eine Riesenherausforderung für alle. »Man kann nur dankbar sein, dass es uns bisher so gut gegangen ist.« Zudem hoffe er, dass die Gesellschaft aus der Krise auch ihre Lehren ziehen werde.

Daniel Bichlmann bleibt auch optimistisch, dass er wieder in den Radzirkus zurückkehren wird. Für viele Teams werde die Krise eventuell das finanzielle Ende bedeuten, glaubt der Profi. »Es brechen beispielsweise sicher viele Sponsoren weg.«

Für Bichlmanns Mannschaft zeigt sich Teamchef Matthias Schnapka im Interview mit radsport-news.com aber zuversichtlich: Der Hauptsponsor des Teams sei finanzstark und lasse Bike Aid nicht so schnell fallen. Über die wirtschaftlichen Folgen der Krise könne man dennoch nur spekulieren. »Sie werden wohl aber dramatisch sein«, wird Schnapka in dem Artikel zitiert. Die Krise könne aber auch dem Sport helfen, sich neu auszurichten, sich an offene Fragen zu trauen und neue Antworten zu finden, ergänzt der Teamchef.

Der Vertrag von Bichlmann mit Bike Aid läuft jedenfalls noch diese Saison. »Mit 31 Jahren muss man als Radprofi jedes Jahr genießen«, weiß er. Man wisse nie, wie es dann weitergehe. »Schließlich drängen die Jungen nach und durch die Krise werden wohl einige Fahrer mehr auf dem Markt sein«, vermutet er.

Für viele Radprofis ist die aktuelle Situation überaus schwierig. »Die Preisgelder fallen jetzt ja erst einmal weg«, erklärt Bichlmann. Er hat im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen aber Glück. Denn der Sportler hat sich neben seinem Leben als Profi bereits eine zweite Existenz aufgebaut. Bichlmann ist ja Kaminkehrer. »Ich gehe jetzt eben mehr arbeiten. Darüber bin ich unheimlich dankbar«, sagt er.

Nebenbei trainiert Daniel Bichlmann freilich auch weiter. Er gibt aber auch unumwunden zu, dass ohne Perspektive auf ein Rennen momentan etwas der Zug fehle. »Aber man muss auch optimistisch bleiben. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch Rennen fahren dürfen.« Und dann würde er freilich liebend gerne, an seinen erfolgreichen Saisonstart anknüpfen. SB