Umjubelte »Chorprobe« zum Jubiläum

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Der Wiener Bassbariton Peter Thunhart sprang kurzfristig als Solist beim Konzert des Sängerchores Traunreut im k1 ein und begeisterte das Publikum mit seinen Arien. (Foto: Rasch)

Der Sängerchor Traunreut hat sich zum 70-jährigen Jubiläum selbst das schönste Geschenk gemacht. Das musikalische Geburtstagsmenü aus Oper und Operette im fast ausverkauften k1 war hochklassig und entsprechend umjubelt.

Gefestigt in den Einsätzen und Intonation präsentierten sich die vereinten Chöre, der Kirchenchor Palling, der Sängerchor Traunreut und der Gesangsverein Trostberg sowie das Ruperti-Orchester und Solist Peter Thunhart unter der Leitung von Chordirektor Richard Kalahur und begeisterten das Publikum, das nach zwei Stunden und ohne Pause immer noch nicht genug gehört hatte. Erst nach zwei Zugaben wurden die etwa 90 Protagonisten von der Bühne entlassen.

Richard Kalahur, der die Sänger und Musiker auf der großen k1-Bühne mit bewährter Disziplin und absolut präzise führte, zeigte sich am Ende ebenso glücklich wie erleichtert: »Ich bin hoch zufrieden und auch ein wenig erleichtert«, sagte er am Rande des Konzerts der Kulturredaktion des Traunsteiner Tagblatts.

Die anhaltende Corona-Pandemie hatte die Durchführung des Konzertes in Frage gestellt: »Wir konnten erst Mitte Juni mit den Proben beginnen lange Zeit war nicht klar, ob die Veranstaltung überhaupt stattfinden kann«, sagte Kalahur. Wegen der Erkrankung des Solisten Peter Kellner (Bass) musste das Konzert dann auch noch verschoben und ein Ersatz-Solist gefunden werden. Dass dafür Peter Thunhart aus Wien kurzfristig eingesprungen ist, sei ein echter Glücksfall gewesen, erklärte der Chordirektor.

Ersatz-Solist Glücksfall

Nachdem das Programm bereits feststand, musste der Bassbariton auf die Schnelle die sehr reizvolle und bekannte »Chorprobe« aus der komischen Oper Zar und Zimmermann von Albert Lortzing einstudieren. Was ihm bei der Arie als van Bett mit dem Chor auch vortrefflich gelang. Den Sänger war aber nicht nur die Solopartie des van Bett wie auf dem Leib geschnitten. Er glänzte stimmlich und darstellerisch auch bei der Arie des Basilio aus Rossinis Barbier von Sevilla, als Zsupán aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauß Sohn oder mit dem Lied des Tewje aus Anatevka »Wenn ich einmal reich wär.«

Hervorzuheben sind aber auch die Leistungen des Chores und des Orchesters. Auch sie überzeugten mit einem stimmgewaltigen und ausgewogenen Klangbild und wurden dem anspruchsvollem Programm vollends gerecht. Ob bei der flotten Polka »Leichtes Blut« von Johann Strauß, der mächtigen Ouvertüre und dem »Zigeunerchor« aus dem Zigeunerbaron oder dem getragenen »Intermezzo« aus Tausend und eine Nacht von Johann Strauß.

Singen und Geselligkeit

Singen allein ist schön, aber in der Gemeinschaft ist es noch schöner. Außerdem kommt dabei das Gesellige nicht zu kurz, ob bei den Singstunden oder bei den Chorausflügen. Diese Erkenntnis verfolgt der Sängerchor Traunreut seit nunmehr 70 Jahren. Im Juni 1951 zunächst als reiner Männerchor gegründet, sollte auf Anregung des damaligen 1. Direktors der Siemens-Schuckert-Werke Traunreut, Walter Mohr, jeder Bürger Zugang haben. »Das war besonders deshalb wichtig, weil im Schmelztiegel Traunreut viele Konfessionen, Landsmannschaften und soziale Schichten zusammentrafen«, steht in der Chronik.

Beim Gesang sollte es keine Unterschiede geben. Die Musik sollte verbinden. Bei aller Euphorie durch das gute Abschneiden bei einem Sängerwettbewerb, spürte man doch, dass was fehlte, nämlich die Frauen. Sangesfreudige Damen wurden zu einer Besprechung eingeladen und aus dem reinen Männerchor ein gemischter Chor aus der Taufe gehoben. Während man sich zunächst schwerpunktmäßig dem Volkslied widmete, wagte man sich 1954 zum ersten Mal mit Ausschnitten aus Operette und Oper an die Öffentlichkeit.

Das Frühjahrskonzert mit dem Philharmonischen Orchester Bad Reichenhall wurde bald zur Tradition. Seine positive Entwicklung verdankt der Chor unbestritten dem Engagement seiner musikalischen Leiter. Den Grundstein legte Kopplin, gefolgt von Fritz Benker und Alfons Lohr, der auch das gesellschaftliche Repertoire erweiterte. Der Leiter der Chorfreunde Traunwalchen, Hans Lauber, füllte die hinterlassene Lücke und setzte die Chorarbeit konsequent fort mit der Anregung, Richard Kalahur, der lange Zeit aktives Chormitglied war, 1973 zu seinem Nachfolger zu bestimmen.

Seine Erfolge mit dem Chor sind Legende: 30 Jahre leitete Kalahur den Chor, bevor er sich 2003 eine Auszeit nahm und nach fünf Jahren wieder zurückkehrte. In all den Jahren wurde das Repertoire ständig erweitert. Nach und nach wagte man sich an immer anspruchsvollere Werke wie der Cäcilienmesse von Gounod, der Missa Solemnis von Mozart, dem Requiem von Franz Schubert oder der Carmina Burana von Carl Orff, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor allem aber konnte das Publikum immer wieder mit Musik aus Oper, und Musical begeistert werden.

Weltstars in Traunreut

Für die großen Konzerte konnten hervorragende Solisten verpflichtet werden. Weltstars wie Tamara Lund, Kurt Böhme oder Karl Ridderbusch sind mit dem Chor aufgetreten. Ein besonderes Kapitel ist die freundschaftliche Verbundenheit mit dem italienischen Chor »Corale Cittá di Nettuno« mit vielen gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Auftritten.

Als Vorsitzender des Sängerchores Traunreut bedauerte Alexander Blobner, dass durch die Pandemie der Gemeinschaftssinn zum Erliegen gekommen sei. Über Monate hinweg durfte gar nicht geprobt werden und schließlich langsam wieder unter strengen Auflagen. Umso mehr freue er sich als neugewählter Vorsitzender, dass nach fast zweijähriger Zwangspause wieder ein Konzert stattfinden könne und das auch noch anlässlich des 70-jährigen Chorbestehens.

Der unfreiwilligen Pause musste sich auch das Ruperti-Orchester unterziehen, das sich wie die vereinten Chöre fast ausschließlich aus musikbegeisterten Amateuren zusammensetzt. Mit dem Orchester eng verbunden ist auch der Name Richard Kalahur. Der Traunreuter Chorleiter und Dirigent leitet das Ruperti-Orchester seit nunmehr 30 Jahren. Dafür gab es nicht nur tosenden Applaus von den Mitwirkenden und den Gästen im Saal. Vertreter des Orchesters überreichten ihm eine Urkunde des Bundesverbandes deutscher Liebhaberorchester und einen Blumenstrauß.

Richard Kalahur hat die musikalische Leitung des Orchesters 1991 übernommen. Unter seiner Führung begeistert das Ensemble sein Publikum mit großen Sinfonie-, Opern-, Operetten- und Kirchenkonzerten. »Richard Kalahur ist bis heute ein großer Glücksfall für das Orchester«, betonte Dorothea Marien (1. Geige) in ihrer Laudatio. Sie attestierte ihm Nervenstärke, Einfühlungsvermögen und musikalische Kompetenz. Dass er auch stets ein glückliches Händchen bei der Verpflichtung von Solisten habe, wie Marien sagte, stellte er auch bei der jüngsten Veranstaltung wieder unter Beweis.

Gabi Rasch