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Umjubelte Kammermusik in Vollendung

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Unser Bild zeigt (von links) Tamara Inbar, Olivier Darbellay, Diana Ketler, Higinio Arrue, Reto Bieri beim Mozart-Quintett. (Foto: Kaiser)

Dem herrlichen Frühsommertag war die Matinee im Seeoner Festsaal, das zweite Konzert zum zehnjährigen Bestehen des Chiemgauer Musikfrühlings, ebenbürtig.


Am Anfang stand die Serenade für Flöte, Violine und Viola op. 25, die Ludwig van Beethoven im Alter von 25 Jahren unbekümmert komponiert hat. Mit einem stadtpfeiferähnlichen Signal leitete die Querflöte die sechs Sätze ein, unisono wiederholten sie alle drei Instrumente, und dann gings ab in den damit vorgegebenen Rhythmus.

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Mit weitgespannten Melodien erklang ein Menuett wie eine Erinnerung an die Barockzeit mit der strahlenden Stradivari der Geigerin Alina Pogostkina, der dunkel gefärbten, warmtonigen Viola von Razvan Popovici und der frühlingshaft lebendigen Flöte von Janne Thomsen. In perfektem Zusammenspiel, das lustvoll jede Passage auskostete, gestalteten sie auch das rasante, witzige Allegro molto und setzten es stark auf Spannung. Dieses »Scherzo« war wie der folgende Variationensatz noch ganz der Zeit verpflichtet, doch ein weiteres »Scherzo« und das abschließende Adagio, einem »Allegro vivace e disinvolto« vorangestellt, weisen ganz ungeniert schon auf die Raffinessen des späteren Beethoven voraus. Ganz andere Klangfarben entwickelte das Quintett für Klavier, Oboe, Klarinette, Horn und Fagott Es-Dur KV 452 von Wolfgang Amadeus Mozart, interpretiert von Diana Ketler, Tamar Inbar, Reto Bieri, Olivier Darbellay und Higinio Arrue. Dieses Quintett komponierte Mozart 1784 in Wien und stellte es kurz nach der Uraufführung seinem Vater brieflich vor: »Ich selbst halte es für das Beste, was ich noch in meinem Leben geschrieben habe.«

Die Musiker in Seeon taten alles, um diese Meinung zu verifizieren. Nach einer gelassenen Largo-Introduktion eröffnete Diana Ketler das Wechselspiel der Klanggruppen, das das Allegro moderato geradezu von mozartischem Esprit sprühen ließ. Prächtig kamen im überirdisch schönen Larghetto die »Farbtöne« der Blasinstrumente vor der Basis des Flügels in rücksichtsvollem, vertraulichem Gespräch zur Geltung, verschmolzen dann wieder zu einem harmonischen Gesamtklang.

Das Schlussrondo mit seinem frischen Motiv bot Kammermusik aus einem Guss, virtuos und pointiert bis in den letzten musikalischen Winkel ausgeleuchtet. Diana Ketler war auch die Begleiterin von Alina Pogostkina in Beethovens Sonate für Klavier und Violine Nr.4 a-Moll op. 23. Alle drei Sätze dieser Sonate enden im Piano, so auch der Anfangssatz, der sich nach einem rasanten Beginn zupackend und vorwärts drängend entwickelte. Auch der zweite Satz brachte kein ruhiges Tempo, sondern ein Andante scherzoso mit dem Zusatz »più allegretto«, was Alina Pogostkina lächelnd, mit froher Ungeduld verwirklichte. Spannend steuerte der dritte Satz, Allegro molto, auf einen emphatischen Schluss zu, bevor er im Piano erlosch. Der letzte Programmpunkt vereinte die fünf Holzbläser der Matinee mit dem Pianisten Konstantin Lifschitz zum Sextett für Klavier und Bläser C-Dur von Francis Poulenc, der mit seinen Kammermusiken in klarer Form und fester Tonalität die Bläserliteratur um geistreiche, ironische und unsentimentale Werke bereichert hat. Auch das Sextett machte da keine Ausnahme. Die Musiker spielten sich vergnügt und souverän mit Versatzstücken romantischer Kammermusikgestaltung, zwischen gewalttätig und sensibel wechselnd, aber immer witzig, durch ihre Körpersprache noch unterstützt – da entlud sich musikalische Hochspannung schon mal in Blitz und Donner!

Der Mittelsatz, der der Matinee auch den Namen gegeben hatte, »Divertissement: Andantino« begann melodiös dahingleitend, dann setzte sich die humoristische Ader durch, ließ ihn aber doch wieder in Wohlklang enden. Das Finale war, stark rhythmisiert, wieder von koboldhaften Elementen geprägt, die sich aber nicht boshaft zeigten; der Schluss kam »subito très lent«.

Für das ganze Konzert gilt, was für Poulencs Sextett zutrifft: hörens- und bewundernswert. Engelbert Kaiser