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Umjubeltes Comeback von Totilas mit Doppel-Sieg gekrönt

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CHIO-Comeback
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Alexander Rath freute sich über den Doppel-Sieg auf seinem Pferd Totilas. Foto: Uwe Anspach Foto: dpa

Aachen (dpa) - Matthias Rath riss beide Fäuste gleichzeitig hoch - so groß war die psychische Befreiung nach dem triumphalen CHIO-Comeback mit Totilas.


Freudestrahlend ritt der Dressurreiter aus dem Aachener Viereck, befreit von der Last der eigenen Erwartungen und gefeiert von 6300 begeisterten Zuschauern. »Die Erleichterung ist schon riesig nach so vielen Jahren«, sagte der schwitzende Reiter, der mit der deutschen Mannschaft überlegen den Nationenpreis und zudem die Einzelwertung gewann.

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»Der Druck ist automatisch größer, wenn man in Aachen reitet«, erklärte Rath, der nach einer zweijährigen Aus- und Leidenszeit erst seinen siebten Ritt mit dem teuersten Dressurpferd der Welt absolvierte. Dass er nach dreijähriger CHIO-Pause im Team und im Einzel gewann, war nicht zu erwarten.

»Das war noch nicht 100 Prozent, aber immer 100 Prozent geht nicht«, sagte der Reiter aus Kronberg, der das letzte Risiko noch scheute und trotzdem einen Doppel-Sieg feierte. »Das ist schließlich das erste Mal gegen die ganz große Konkurrenz.« 82,300 Prozentpunkte von den Wertungsrichtern »ist schon nicht so schlecht«, befand Rath.

»Super, das war klasse«, sagte Helen Langehanenberg zum Totilas-Auftritt. Nicht ganz so stark war ihr eigener Auftritt mit Damon Hill (81,220). Die Reiterin aus Billerbeck hatte mit dem Hengst Probleme auf der letzten Linie und vergab so den Einzelsieg. »An der Zielgeraden arbeiten wir bis Samstag aber noch«, kündigte sie für den Grand Prix Special an. Einen Einbruch erlebte die britische Olympiasiegerin Charlotte Dujardin, die mit Valegro (76,900) das erste Mal seit zwei Jahren geschlagen wurde und nur auf Rang sechs kam.

»Es war richtig, dass er nicht alles riskiert hat«, kommentierte Paul Schockemöhle, der Totilas im Herbst 2010 für geschätzte zehn Millionen Euro gekauft und Rath als Reiter ausgesucht hatte. »Er ist immer besser und stärker geworden«, sagte der Pferdehändler zum siebten Ritt nach der langen Pause: »Für mich ist er heute relativ fehlerfrei geritten.«

Glückselig ritt auch Isabell Werth auf dem Viereck. Noch im Sattel ihrer Bella Rose (79,580) rief die Reiterin aus Rheinberg: »Ich war so euphorisiert!« Die erst zehnjährige Stute scheint Werth zu einem echten Weltklasse-Pferd ausgebildet zu haben, so locker und leicht bewegte sich Bella Rose und kam auf Platz vier. »Sie ist bis zum bitteren Ende hochmotiviert«, schwärmte die 44-Jährige: »Sie hat den Auftritt genossen, das entspricht ihrer Diven-Mentalität.« Die Reiterin selber genoss den Ritt allerdings auch: »Ich könnte weinen und lachen vor Glück.«

Angefangen hatte der Tag für die deutsche Mannschaft mit einer Enttäuschung. Kristina Sprehe kämpfte mit ihrem widerspenstigen Desperados. Nur mit Mühe hielt sie den Hengst unter Kontrolle, viel mehr war am Donnerstag nicht möglich. »Bei der Vorbereitung war er noch relaxt, im Viereck nicht mehr«, berichtete die deutsche Meisterin aus Dinklage: »Er war ein bisschen aufgeregt, er ist nicht mehr runtergekommen.« So lieferte Sprehe mit 73,960 Prozentpunkten das Streichergebnis. Die 25-Jährige will nun am Samstag im Special wieder angreifen: »Auf ein Neues!«