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Umweltmedaille für Dr. Georg Meister

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Der bayerische Umweltminister Thorsten Glauber (l.) überreichte dem ehemaligen Reichenhaller Forstamtsleiter Dr. Georg Meister eine Umweltmedaille und eine Urkunde. (Foto: Ministerium)

Bad Reichenhall/München – Der ehemalige Reichenhaller Forstdirektor Dr. Georg Meister hat die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt erhalten. Staatsminister Thorsten Glauber überreichte dem 91-Jährigen in München den Preis.


»Das Schicksal unserer Wälder im Klimawandel beschäftigt uns intensiv. Es gilt, den Wald mit neuen Konzepten zukunftsfest zu machen«, sagte Glauber in seiner Laudatio. Meister habe genau das schon früh als seine Lebensaufgabe erkannt. »Ihr Leitmotiv haben Sie bereits in Ihrer Diplomarbeit von 1952 gefunden: ›Forstwissenschaft kann vom Urwald noch viel lernen.‹«

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In seinen zwei Jahrzehnten als Chef des Forstamts Bad Reichenhall sei Meister von Anfang an für ganzheitlichen Naturschutz im Wald eingetreten. »Damit wurden Sie Wegbereiter für den Prozessschutz im Nationalpark – für Laien: Natur darf sich hier unbeeinflusst entwickeln.«

Nicht von ungefähr habe der damalige Minister Eisenmann Meister 1973 zum Chefplaner des Nationalparks berufen. »Sie sind damit einer seiner Gründerväter. Ihrem Nationalpark halten Sie bis heute die Treue.« Meisters Fotoausstellung »Zeitsprünge« zum 40. Jubiläum bezeichnete Glauber als eine echte Liebeserklärung. Sein »Meisterstück« habe er mit der Schutzwaldsanierung unter anderem an der Weißwand abgeliefert. »Sie ist international Vorbild«, so Glauber. »Früh war Ihnen klar: Der Bergwald hat nur eine Chance, wenn die Balance zwischen Wald und Wild stimmt. Diese klare Kante hat Ihnen nicht nur Freunde eingebracht.«

Der Forstwissenschaftler Dr. Georg Meister leitete bis zu seiner Pensionierung 1994 das Hochgebirgsforstamt Bad Reichenhall. Er gilt als Vordenker eines naturnahen, sanften Tourismus und Gründervater des Nationalparks Berchtesgaden. An Meisters Verdienste um die Weißwand erinnerte im vergangenen Jahr Landtagspräsident a.D. Alois Glück, als er die Laudatio bei der Übergabe des Alpenpreises hielt. Die internationale Alpenschutzkommission Cipra hatte die Ehrung vergeben.

Bad Reichenhalls Umweltreferent Michael Nürbauer, der bei der Ehrung in München dabei war, kennt die Bedeutung der Wälder um Bad Reichenhall hinsichtlich des Klimawandels. Die Stadt sei »in ganz besonderem Maße auf die Umweltleistungen der umliegenden Wälder angewiesen« und blickt dabei mehr als 1000 Jahre zurück: Früher war sehr viel Holz notwendig, um Salz zu erzeugen. »Waldmeister« der Saline beobachteten, dass sich die Wälder wieder schließen, wenn man nur die stärkeren Nadelbäume entnimmt und der Wildverbiss niedrig ist. So konnten bis zum Ende der »Salinenzeit« um 1870 fast ohne größere Pflanzungen immer wieder artenreiche Bergmischwälder aufwachsen, erklärt Nürbauer.

Dann ersetzte billigere Kohle das Holz. Die Wälder verloren ihren Wert, die Jagd wurde verpachtet. Es begann eine intensive »Aufhege« des Wildes. Die Zahl der Rehe, Hirsche und Gams nahm rasch zu. »Damit wurde auch der Wildverbiss immer stärker, die Lücken im Wald immer größer. Die Straßen wurden immer öfter durch Steinschlag oder Lawinen gefährdet und Bad Reichenhall von Hochwasser überschwemmt«, schildert Nürbauer. Im Jahr 1964 sei dann der damalige Forstmeister Georg Meister erstmals dienstlich nach Bad Reichenhall gekommen. »Er erkannte und beschrieb die Zusammenhänge.«

Ab 1971 hat Meister als Forstamtsleiter begonnen, die Umweltleistungen dieser Wälder auch gegen erbitterte Widerstände wiederherzustellen. Der Durchbruch zur Wildreduktion gelang ihm in der Schutzwaldsanierung in der Weißwand oberhalb der Queralpenstraße bei Unterjettenberg.

Die Sicherung des Verkehrsweges vor Steinschlag und Lawinen erregte Aufsehen. Nicht mehr nur Jäger und Förster debattierten über tragbare Wilddichten, sondern auch Öffentlichkeit und Politik. Flankiert wurde Meister damals von Rechnungshof und Presse, die Alarm geschlagen hatten wegen vergeblicher Konzepte, Schutzwälder mit teuren Pflanzungen zu sanieren, die in kürzester Zeit wieder dem Wild zum Opfer fielen, wie die Cipra anlässlich ihrer Preisverleihung im vergangenen Jahr schrieb. So habe er nicht zuletzt durch Zusammenarbeit mit der Wasserwirtschaft und anderen Behörden »ganz erheblich zu einem Durchbruch in der nachhaltigen Bewirtschaftung des Bergwaldes beigetragen«. Dieses Engagement und sein weiteres Wirken wurden nun mit der Umweltmedaille erneut gewürdigt. fb