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Und ewig schnattert die Ente - 70 Jahre Citroën 2CV

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Citroën 2CV
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In Deutschland dürften heute noch circa rund 15.000 Citroën 2CV unterwegs sein - die Ente ist immer noch ein erschwinglicher Klassiker. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Hohe Auflage
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Massengeflügel: Von der Ente baute Citroën von 1948 bis 1990 zusammen mit dem Kastenwagen 5,1 Millionen Autos. Foto: Citroën Foto: dpa
Cockpit
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Reduzierter Raum: Ein karg gestaltetes Cockpit gehörte von Anbeginn zum Inneraum des Citroën 2CV. Foto: Jean Brice Lemal/Citroën Foto: dpa
Robust aber agil
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Eckpfeiler der Enten-Tugenden: Reduziert, robust aber agil, komfortabel und preiswert. Foto: Citroën Foto: dpa
Auto für Nonkonformisten
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Flottes Fahrzeug: Die Ente stand früher unter anderem bei Nonkonformisten und jungen Leuten wie Studenten hoch im Kurs. Foto: Citroën Foto: dpa
Mit maximal 116 km/h unterwegs
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Langsamer Vorbeiflug: Auch die späten Modelle vom Citroën 2CV schaffen höchstens nur 116 km/h. Foto: Thomas Geiger Foto: dpa

Die legendäre Ente feiert 70. Geburtstag. In den Sechzigern gebaut als einfaches Auto für einfache Leute und später zum ebenso beliebten wie bezahlbaren Gebrauchten für Schüler und Studenten abgestiegen, steht der Citroën 2CV bei Sammlern heute hoch im Kurs.


Paris (dpa/tmn) - Was dem Deutschen der VW Käfer und dem Italiener der Fiat 500, das ist dem Franzosen der Citroën 2CV. Denn mehr noch als der Renault R4 steht der als Ente bekannt gewordene Kleinwagen für die Massenmobilisierung unserer westlichen Nachbarn.

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Und dabei hat er nicht nur über den kleinen Preis und die große Stückzahl Bedeutung erlangt oder durch seine einfache, aber deshalb besonders robuste Technik. Sondern mehr als alle anderen Fahrzeuge aus Frankreich steht die Ente für ein ganz spezielles Lebensgefühl, sagt Stephan Joest von der Amicale Citroen Internationale (ACI), der Dachorganisation aller Citroën-Clubs weltweit.

Denn kaum sinkt man in die dünnen Sesselchen, lässt sich vom butterweichen Fahrwerk über die Straße wiegen wie auf einer Hollywood-Schaukel und genießt den Fahrtwind, der durch das Faltdach streift, riecht die Luft nach filterlosen Gauloises, und am Gaumen kitzelt der Geschmack von Baguette und Bordeaux.

Wer in Zeiten von Zentralverriegelung, Servolenkung und Klimaautomatik dem 2CV erstmals begegnet, mag es schwer haben: Denn bereits die völlig frei drehenden Türgriffe erfordern eine gewisse Routine oder die Kunst des Kenners, damit sie den Zustieg durch die viel zu kleinen Türen freigeben. Und jede Konservendose macht einen stabileren Eindruck. Drinnen lässt man sich in Gummiring-gefederte Auflagen wie bei Gartenstühlen fallen, die auch heute noch so weich und elastisch sind wie die Federkernmatratzen in Omas Schlafzimmer.

Das Armaturenbrett rund um den Tachoblock von der Größe und Form einer Plastikdose fürs Pausenbrot wirkt leer, und so ist das Zündschloss ist schnell gefunden. Nur ein kurzer Dreh genügt, schon beginnt der 0,6 Liter kleine Zweizylinder-Boxermotor zu schnattern.

Zwischen den Sitzen sucht man vergebens nach einem Schaltknüppel, mit dem man den ersten Gang einlegen und losfahren könnte. Stattdessen ragt einem aus dem Cockpit eine schwarze Billardkugel am Stiel entgegen: «Revolverschaltung», kramt das Gehirn aus der Erinnerung hervor und meldet gleich noch eine zweite Assoziation: «Russisch Roulette». Doch ganz so riskant ist das ungewohnte Schaltmuster nicht, so dass die Ente auf Anhieb davonwatschelt - mit der gebotenen Ruhe eines alten Mädchens, das mit anfangs 9, dann 12 und 16 und zum Schluss 28 PS nie viel Kraft für die große Eile hatte.

Doch auch wenn das Archiv nur eine Höchstgeschwindigkeit von 116 km/h für die Modelle der letzten Baujahre ausweist und man für den Sprint auf Tempo 100 mehr Zeit braucht als zum Leeren einer großen Schale Café au Lait, raubt einem die gefühlte Geschwindigkeit an Bord beinahe den Atem. Denn mit Einzelradaufhängung und Federn von der Härte eines überlagerten Camemberts wirft sich der kaum mehr als zehn Zentner schwere Citroën in jede Kurve wie ein Weinbauer nach zwei Karaffen Bordeaux.

1936 entstanden bereits die ersten Prototypen. Doch der Zweite Weltkrieg verzögerte die weitere Entwicklung. Zur Weltpremiere auf dem Pariser Salon im Herbst 1948 erschien ein Auto, das laut Citroën-Sprecherin Susanne Beyreuther über sämtliche Eigenschaften verfügte, die zahlreichen damaligen Modellen fehlten: darunter Schlichtheit, Leichtigkeit, Agilität, Komfort und Vielfältigkeit.

Ausgestattet mit pfiffigen Technologien wie einem Frontantrieb, einer weichen Federung und einem luftgekühlten Zweizylinder-Motor, hat die Ente sich zu einem Bestseller entwickelt. Und als der Wagen 1990 nach 42 Jahren ausgemustert wurde, waren zusammen mit dem Kastenwagen 5,1 Millionen Autos gebaut worden, sagt Beyreuther.

Dabei hat die Ente über die Jahre ein Eigenleben entwickelt. Sie hat sich spätestens als günstiger Gebrauchter und fahrender Protest gegen das Establishment ins aufmüpfige Bildungsbürgertum hinaufgearbeitet. Zwar ist die Ente keine Seltenheit, doch der 2CV weist über die letzten Jahre prozentual mit die höchste Wertsteigerung unter allen Oldtimern aus, sagt Joest.

Doch im Grunde ist die Ente als Oldtimer das, was sie als Neuwagen war: ein bezahlbares und verlässliches Auto. Gebrauchtwagen in gutem technischen Zustand seien unter 10.000 Euro zu haben. Wenn sie noch gut aussehen sollen, sei man mit etwa 12.000 bis 16.000 Euro dabei.