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Und immer ist ein Schuss Melancholie dabei

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Streicheleinheiten fürs Trommelfell von Vera Klima und Gitarrist Jan Bartikowski. (Foto: Kewitsch)

2003, 2009, 2015 – alle sechs Jahre geben die Geschwister Vera & Sarah Klima ein Konzert in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Das war wohl nie ein Plan, ein Rhythmus ist es allemal. Was 1995 bei einem Schulkonzert seinen Lauf genommen hat, setzt sich nunmehr seit über 20 Jahren fort: die Liebe zur Musik, die Leidenschaft zur Melodie, die Harmonie des Zweigesangs. Wer ein Klima Konzert besucht, wird nie enttäuscht den Saal verlassen. Die Musik ist nicht nur ehrlich und direkt, sie ist authentisch und harmonisch eingängig, manchmal sogar ein bisschen erotisch.


Einige musikalische Stationen haben die Klima-Schwestern in den letzten Jahren angesteuert, ob die frühe Five-Alive-Formation mit Vater Winnie oder spätere Versuche in unterschiedlicher Besetzung und Ausrichtung mit Klima. Die Weggefährten Jan Bartikowski (sehr sauber und fein an der Gitarre) oder Frank Thumbach (unheimlich souverän und lässig am Bass) sind schon länger mit von der Partie und gaben auch beim dritten Gig im NUTS sehr gekonnt den Ton an. Die beiden Frontgirls beschränken sich mittlerweile auf ihre Kerninstrumente: Sarah am Keyboard und Vera nur noch an der Gitarre oder der kleinen Ukulele. Sie spielt außerdem Geige und Bass.

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Das leider gar nicht ausverkaufte NUTS bot den gemütlichen Rahmen für ein feines Konzert mit Klima Eigenkompositionen. Ob man den Eindrücken ihrer Reisen beim Song »Unterwegs« lauscht, der »Luxusdepression« oder dem »Superstar«: Es spielt kaum eine Rolle, ob »Alles was du hast« oder das (auch in einer Videoversion verfügbare) »Schlaflos« sich seinen Weg in die Ohren bahnt, die Melodien und Texte der Kompositionen (meist von Vera Klima) sind, auch wenn es kitschig klingen mag, wunderschön und Balsam für das Trommelfell. Ein Duett mit Sarah und Vera ist eine Streicheleinheit. Man fühlt sich etwas an Fleetwood Mac erinnert und irgendwie ist immer ein angenehm schöner Schuss Melancholie mit dabei.

Und doch können die zwei mit Ihrer Band auch anders: »Mehr von Dir« ist nicht nur eine Aufforderung ans Tanzbein. Für einen kurzen Moment vergisst Vera sogar ihre bislang relativ ruhige Körperhaltung und lässt den Groove durchblitzen, den zu zeigen sie in der Lage wäre. Die Damen sind erwachsen geworden, musikalisch sicher auch gereift – das Konzert in der Kulturfabik war stimmig, das Publikum dankbar, der Sound prima.

Bleibt dem bekennenden Fan nur die Frage: Wann bricht das Eis der Popularität, wann bekommen diese Band-Perle und die zwei Klima-Frauen endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdienen? An der musikalischen Qualität kann es nicht liegen, das lässt sich alle sechs Jahre im NUTS sehr gut nachhören. Wir freuen uns auf 2021 – gerne auch früher. Udo Kewitsch

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