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Und wieder heißt es: Land unter

Wassermassen im Bereich der Schießstätte.
Ballspiele sind im Augenblick auf der Sportanlage Breitwiese nicht möglich.
Der Hintersee stieg zeilweilig um 1,50 Meter über normal an. Fotos: Anzeiger/Wechslinger
Schon oft vom Hochwasser bedroht und auch diesmal wieder.
Der Mieslötz verwandelte sich unter dem Dauerregen zu einem reißenden Wildbach und machte ein Passierenb unmöglich.

Berchtesgaden - Das Hochwasser der letzten Tage übertraf das »Jahrhundert-Hochwasser« aus dem Jahr 2002. Am Sonntag überschlugen sich die Meldungen. Die Ache trat über die Ufer, ebenso kleinere Fließgewässer, der Hintersee konnte die Wassermassen nicht mehr fassen, der Königssee trat über die Ufer. Dort ist ein Steg hinweggerissen worden, an anderer Stelle ein Damm gebrochen. Es war nicht leicht, alles in eine Übersicht zu bringen. Man wird die Meldungen dann, wenn sich die Fluten wieder zurückgezogen haben, erst einmal sortieren müssen. Die realistischen wie die erfundenen.


Die erste Alarmierung erfolgte am Samstagabend um 22.59 Uhr. Erster Einsatzort war der Rostwald beziehungsweise der Kälberstein, wo sich ein reißender Bach gebildet hatte. Der vor Jahren ausgebaute Gerer Bach füllte in der Salzburger Straße die Keller mit Wasser, weil er die Wassermassen nicht bewältigen konnte.

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Bundes- und Gemeindeverbindungsstraßen wurden von Bächen überspült. Auf der Metzenleiten drückte eine Mure in ein Haus, das evakuiert werden musste und die Bewohner wie Hausgäste anders untergebracht werden mussten.

Mehr Murenabgänge, nämlich exakt 98, gab es im Gebiet von Maria Gern. Das waren mehr als bei der Hochwasserkatastrophe im Jahre 1998. Allein das Grundstück des Marktbürgermeisters wurde von vier Muren bedroht.

Große Schäden verursachten die Wassermassen auch an der Kläranlage in Berchtesgaden.

Unser Reporter Christian Wechslinger hat sich in den frühen Morgenstunden auf den Weg gemacht und die Brennpunkte abgefahren, soweit ihm das überhaupt möglich war. Auch wenn er Hilfe von der Feuerwehr bekam, vielerorts ging es einfach nicht weiter. Noch bevor man in der Lage sein wird, das ganze Ausmaß der nassen Katastrophe zu überblicken, sollte man den vielen Kräften, die mithalfen, Schlimmeres zu verhindern, dank sagen. Voran natürlich den Kräften der Feuerwehren der Region, dem Technischen Hilfswerk, Wasserwacht, BRK, Polizei, aber auch vielen anderen. Die Feuerwehr allein war mit 220 Einsatzkräften und allen Wehren im Einsatz.

Am Sonntagvormittag hat das Landratsamt um 10.27 Uhr den Katastrophenfall für den Landkreis ausgerufen. Zu den vom Hochwasser besonders getroffenen Schwerpunktorten gehörten neben Piding, Bad Reichenhall, Schneizlreuth, Ainring, Freilassing und Laufen auch Berchtesgaden. In Piding wurde der Ortsteil Bichlbruck evakuiert, ebenso Teile in Freilassing und Laufen. In Schneizlreuth wurde das Trinkwasser knapp, weil die Behälter nicht mehr gefüllt werden konnten. Glücklicherweise wurden bisher keine Personenschäden registriert,

Land unter hieß es teilweise im Berchtesgadener Talkessel. Zwar waren die höher gelegenen Straßen und Häuser vom Hochwasser verschont. Gleichwohl nahmen die Gullys teilweise die enormen Wassermassen nicht mehr auf. Einige Keller liefen voll, auch in höher gelegenen Häusern.

Am Sonntagvormittag kam es dann zu mehreren Murenabgängen im Bereich Berchtesgaden. Dabei wurden auch Gebäude beschädigt. Der Königssee trat trotz geöffneter Schleusen über die Ufer, der Hintersee war 1,50 Meter höher als normal. Die Brücke am Abfluss drohte einzustürzen, der dort befindliche Kiosk ebenfalls. Überhaupt hat es die Gemeinde Ramsau teilweise sehr hart betroffen. Der Hintersee war nicht mehr zu erreichen.

Dennoch waren gerade in der Ramsau sehr viele Autos unterwegs, eine Tatsache, die nicht nachvollziehbar ist.

Große Schäden richtete der hohe Wasserstand beim Café Gelfart an. Dort war sowohl der Keller abgesoffen als auch die Boote. Es ist nicht mehr gelungen die Boote umzubinden, so schnell kam das Wasser aus dem Klausbachtal. Auch die Bootsstege werden wohl erneuert werden müssen. Die Familie Gelfart nahm dies gelassen hin: »Da kann man halt nichts machen«.

Große Schäden richtete das Hochwasser auch im Bereich Salzbergwerk an. Der Mieslötzweg verwandelte sich in einen reißenden Sturzbach, der die Gollenbachbrücke und das Gelände darum in Mitleidenschaft zog.

Die Bundesstraße 305 in Richtung Ramsau war längere Zeit gesperrt, weil die Straße auf Höhe des Pumphauses der Soleleitung vermurt war.

Fast völlig unter Wasser stand auch die Breitwiese, sämtliche Brücken waren fast bis ans Niveau vom Wasser bedroht. Es mussten sogar wegen drohender weiterer Murenabgänge und großer Gefahr im Bereich Salzbergwerk Familien aus ihren Häusern evakuiert werden. Allerdings, so sagte Marktbürgermeister Franz Rasp, sei mindestens die Diskussion um die neue Brücke über die Ache im Bereich der Breitwiese nun überflüssig, denn das neue Bauwerk habe, außer einigen Erosionschäden am noch nicht verankerten Erdreich, dem Wasser widerstanden, was bei der Vorgängerbrücke wohl fraglich war.

Während des Hochwassers mussten die Bundesstraße 305 in Richtung Salzburg, die Straße nach Maria Gern ab Glückauf, die Aschauerweiherstraße in Richtung Bischofswiesen sowie die Bundesstra0e 305 in die Ramsau zunächst ab Engedey, später ab Gmundbrücke gesperrt werden. Christian Wechslinger Dieter Meister