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Abwicklung der Einrichtung ist in vollem Gang – Pressegespräch mit Doris Schneider, Geschäftsführerin Altenheime

Ungewisse Zukunft bis Ende Mai

Bischofswiesen – Die Perspektiven des Caritas-Altenheims »St. Felicitas« schilderte Doris Schneider, Geschäftsführerin im Caritasverband von 27 Altenheimen, am Mittwoch in einem Pressegespräch. Das als Altenheim vor rund 40 Jahren gebaute Haus entspreche nicht mehr den Vorgaben, große Investitionsmaßnahmen seien notwendig. Ob die Einrichtung schließt oder mit einem anderen Konzept weiterlaufen soll, entscheidet sich offiziell Ende Mai. Pfarrer Thomas Frauenlob und Bürgermeister Thomas Weber würden ein Aus des Altenheims bedauern.

Geschäftsführerin von 27 Altenheimen: Doris Schneider. (Fotos: Pfeiffer)

Die Situation sei schwierig, so Schneider. Beim Caritasverband werde diese nicht »auf die leichte Schulter« genommen. Tatsache sei aber, dass eine behindertengerechte Ausstattung, etwa bei den Nasszellen, nicht vorhanden sei. »Uns fehlen ausreichende Aufenthaltsräume, in den Wohnbereichen gibt es nur wenig Wohnqualität«, so Doris Schneider. Insgesamt entspreche der Standard nicht mehr den Anforderungen an eine moderne, stationäre Altenpflege.

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Kaum Investitionen

Wenig wurde in das Haus investiert, wie Schneider bestätigt. »Aber wir haben etwas getan, auch, wenn man nicht viel sieht.« Zwischen 80 000 und 100 000 Euro pro Jahr seien in das Haus gesteckt worden. Derzeit wird die bauliche Situation der Einrichtung von einem Architekturbüro geprüft. Das analysiert, ob ein Fortbestand in verkleinerter Dimension und mit baulichen Veränderungen Sinn ergibt. »Das Haus hat technische, bauliche und energetische Unzulänglichkeiten«, so Schneider. Heißt: Die Heizung ist alt, der Brandschutz fehlt, die Wärmedämmung müsste erneuert werden, Fenster und Aufzüge ebenso.

Daher sei das Gebäude als stationäre Altenhilfeeinrichtung nicht mehr nutzbar. Wenn »St. Felicitas« überhaupt weitergeführt wird, dann mit einem Wohngruppenmodell samt angegliederter ambulanter Pflege. Die Räumlichkeiten würden in kleine Apartments umgewandelt, die Bewohnerzahl auf 30 reduziert. Gleichzeitig würde eine Tagespflege eingerichtet werden, geöffnet an sieben Tagen der Woche. »Eine Grundsanierung im laufenden Betrieb wäre allerdings langwierig und unwirtschaftlich und für Bewohner und Mitarbeiter unzumutbar«, ist sich Geschäftsführerin Schneider sicher. Die Folge: eine vorübergehende Schließung.

Rote Zahlen im Altenheim

»Unsere Altenheime sollen mit einer schwarzen Null abschließen«, sagt Schneider weiter. In der Stanggaß wurden über Jahre nur rote Zahlen geschrieben. Das Defizit hat sich auf 500 000 Euro summiert. »Ein kostendeckender Betrieb ist mit 60 Heimplätzen nur schwer möglich«, meint sie. Mindestens 90 müssten es sein. Jedoch würde ein größeres Platzangebot »ein enormes Belegungsrisiko« mit sich bringen angesichts der Konkurrenzsituation mit der Insula und dem Berchtesgadener Altenheim. Außerdem sei die Parkplatzsituation am Haus nicht geklärt. Ein Problem entstehe spätestens dann, wenn die ehemalige Kurklinik umgebaut werde, so Schneider. Summiert man alle Argumente, zeigt sich schnell folgendes Bild: »Ein Neubau ist nicht realisierbar, dauerhaft ist der Standort als jetzige stationäre Altenhilfeeinrichtung nicht tragbar.«

Im Februar noch neue Bewohner

Bis in den Februar hinein hatte die »Felicitas« noch Bewohner aufgenommen und muss sich nun Kritik gefallen lassen: »Wenn man in einem bestehenden Altenheim freie Plätze nicht mehr belegt, kommt die Frage auf, warum man niemanden aufnimmt. Gleichgültig wie man es macht, kann man es nicht richtig machen«, so Schneider. Auch waren die Heimgebühren für die Bewohner angehoben worden. »Der Pflegeschlüssel hat sich verbessert. Die Caritas hatte die Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden.« Schließlich hat man sich für eine Anhebung der Gebühren entschieden, was mit einer verbesserten Qualität einher gehen sollte.

Nun steht eine mögliche Schließung im Raum, neue Bewohner werden im Haus nicht mehr aufgenommen, dennoch soll der Betrieb »normal weiterlaufen«. Ende Mai erwartet Hausbewohner und Personal dann die endgültige Entscheidung: »Es erfolgt entweder die Information über ein konkretisiertes neues Angebot oder die Aufgabe des Standortes«, erklärt Doris Schneider nüchtern.

Kommt es so weit, werde gemeinsam für die Bewohner nach passenden Lösungen gesucht. Individuelle Gespräche sollen folgen. Es bestehe kein zeitlicher Druck, die Einrichtung abzuwickeln. »Wenn ein Umzug notwendig wird, wird dieser von uns organisiert und finanziert.« Beim Caritasverband zeigt man sich zuversichtlich, sich mit den Bewohnern gütlich zu einigen. Zudem habe man bereits Kontakt »zu den umliegenden Altenheimen aufgenommen.« Rolf Hopmann, Heimleiter der »Insula«, sagt auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeiger«, dass die Nachfrage seitens Bewohnern und Angehörigen der »Felicitas« vorhanden sei. »20 bis 30 Personen könnten wir aktuell aufnehmen.« Was mit dem Standort in der Stanggaß nach einer möglichen Schließung geschieht, steht in den Sternen. »Hier werden nach Stand der Dinge aber keine Asylbewerber untergebracht«, bestätigt Doris Schneider. Pfarrer Thomas Frauenlob, beim Pressegespräch als Vertreter der Geistlichkeit ebenfalls anwesend, würde eine Schließung bedauern. »Das öffentliche Engagement der Caritas war in den letzten Jahren im Talkessel recht ausgedünnt.« Mit einem geplanten Caritas-Zentrum am Franziskanerplatz soll sich die Situation aber wieder ändern.

Kritik und Hoffnung

Nicht zufrieden zeigt sich Bürgermeister Thomas Weber mit der Kommunikation des Caritasverbandes nach außen. In der Tat bleibt den Bewohnern und dem Personal nichts anderes übrig als zu warten auf Schließung oder Fortbestand.

Die neue Heimleiterin Andrea Schnurrer sagt, dass die Verunsicherung unter allen Beteiligten groß sei. Ein Fünkchen Hoffnung hat sie aber: »Wir sind überzeugt, dass es in der 'Felicitas' weitergeht. Kilian Pfeiffer