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»Unglaublich, was wir an Hilfsbereitschaft erfahren durften«

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Dank großzügiger Spenden konnten die heimischen Tafeln die meisten ihrer Kunden auch in der Corona-Zeit weitgehend gut versorgen. Foto: dpa

»Unsere Tafel war immer geöffnet, nur in anderen Räumen«, zieht Claudia Haider Bilanz der vergangenen Wochen für die Traunsteiner Tafel. Seit Beginn der Corona-Krise hat sich einiges geändert bei den Tafeln in der Region.


In Traunstein sind mehr als die Hälfte der rund 50 Helfer Senioren, »die wir in dieser Zeit überwiegend nicht eingesetzt haben«, so Haider. An die 300 Kunden werden versorgt. »Natürlich kommen nicht immer alle zur Tafel«. Vorerst seien es nicht mehr Kunden geworden, »aber ich denke, das wird sich noch ändern.« Das werde jedoch noch dauern – Behörden prüften erst die Berechtigung.

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»Es war am Anfang alles nicht ganz einfach«

»Es war am Anfang alles nicht ganz einfach, aber wir haben unser Bestes getan, unsere Kunden zu versorgen«, so Haider weiter. Die Tafelausgabe findet noch – man hoffe, bald wieder ins Pfarrheim zurückkehren zu können – im Möbellager der Diakonie statt, wo auch die Kühlzelle der Tafel ist. »Wir sind sehr dankbar, die Räume nutzen zu dürfen. Nach kurzer Zeit hat sich doch alles gut eingespielt, und die Besucher waren sehr dankbar, dass es auch in dieser Zeit weitergeht.«

Anders als andere Tafeln hat die Traunsteiner Tafel keine Gutscheine ausgegeben. »Es war wirklich unglaublich, was wir in dieser Zeit an Hilfsbereitschaft erfahren durften«, sagt Haider. So habe es sehr viele private Lebensmittelspenden gegeben. Auch wurden Einkaufswagen in Supermärkten aufgestellt, in denen die Kunden Lebensmittel spendeten. Auch Gaststätten, Schulen und andere spendeten der Tafel ihre Lebensmittel.

Damit sich die Besucher nicht zu lange aufhalten, werden die Lebensmittel in Tüten gepackt. »Auch haben wir einen Fahrdienst, der unsere Bedürftigen (Ältere und Kranke) beliefert.« Selbstverständlich achte man ganz besonders auf die Hygienevorschriften bei der Ausgabe (Mundschutz/Spuckwand).

Und so ist Claudia Haider vor allem dankbar, und zwar für alles – die Tafelhelfer, die trotz ihres Alters helfen, alle, die Lebensmittel spendeten (und auch immer noch spenden), die Supermärkte, die die Tafel zusätzlich unterstützen. »Die Hilfsbereitschaft, die wir von vielen Teilen der Bevölkerung erfahren haben, war außerordentlich groß. So sind wir bisher gut durch die Corona-Krise gekommen und haben unsere Bedürftigen gut versorgen können.«

26 neue Traunreuter Tafel-Helfer gewonnen

»Wir hatten unsere Tafel bis 15. Mai geschlossen«, berichtet Rosemarie Hübner von der Traunreuter Tafel dazu. »15 unserer Helfer gehören zur Risikogruppe.« Vier Helfer gehörten nicht dazu. Von den 26 Helfern, die man durch einen Aufruf hinzugewonnen habe, gehörten zwei zur Risikogruppe. Derzeit betreue die Traunreuter Tafel knapp 100 statt sonst 420 bis 450 Personen.

Einige Kunden hätten sich beklagt, »aber für viele war es aus Sicherheitsgründen in Ordnung, dass wir geschlossen hatten«, beobachtete Hübner. »Wir haben weder Tüten gepackt (mit Tüten haben wir keine guten Erfahrungen gemacht), noch Gutscheine ausgegeben.«

Derzeit komme kein Tafelempfänger in die Räume, »wir geben über unsere Fenster Lebensmittel aus.« In den Tafelräumen arbeiteten je zwei Helfer, und jeweils vier »Neue« gäben aus. Alle Vorschriften und Auflagen würden eingehalten. »Wenn von allen die Auflagen eingehalten werden, hoffe ich, dass die Tafel weiterläuft und sich wieder normalisiert.«

»Wir hatten ja relativ schnell geschlossen«, sagt dazu Elke Sommer, Chefin der Achental-Tafel. Denn viele der etwa 40 Helfer gehören zur Risikogruppe. »Aber wir haben auch jüngere Mitarbeiter, da sind wir altersmäßig zum Glück gut durchmischt.« Dank großzügiger Spenden seien aber die Kunden relativ gut versorgt gewesen. So hatte etwa der Lions Club ermöglicht, dass alle Kunden die Zeit mit Wertgutscheinen für die heimischen Lebensmittelgeschäfte gut über- brücken konnten – bis jetzt.

»Letzte Woche haben wir die letzten Gutscheine ausgegeben«, sagt Sommer. Und da die Tafel erst ab diesem Samstag wieder öffnen könne, hätten die Kunden eine Woche ohne neue Gutscheine überbrücken müssen. »Aber sie sind darüber informiert. Da mussten sie sich das halt jetzt gut einteilen.« Wenn dann die Tafel wieder öffnet, sei natürlich alles anders. »Bisher konnten die Kunden ja auswählen. Das geht jetzt erst einmal nicht. Wir packen die Tüten, und die Kunden können sie dann mitnehmen«.

Pro Berechtigungsschein nur eine Person

Außerdem darf pro Berechtigungsschein nur noch eine Person kommen und nicht mehr die ganze Familie. Und auch diese muss natürlich einen Mund-Nasenschutz tragen. »Wo wir bisher 25 Leute im Wartebereich untergebracht haben, können halt nur neun Leute warten.« Vor der Tafel würden Abstände abgeklebt. Die neuen Regeln seien mit den letzten Gutscheinen ausgegeben worden.

Dass in Zeiten von Corona und dem entsprechenden Arbeitsplatz-Verlust vielleicht jetzt mehr Kunden zur Tafel kämen, hat sie nicht beobachtet. »Im Gegenteil, die Leute sind eher vorsichtiger geworden aus Angst vor einer Ansteckung.« Für die Mitarbeiter bedeuteten die neuen Regelungen zwar mehr Aufwand beim Packen der Lebensmittel-Tüten, dafür werde die Ausgabe wohl schneller gehen als sonst. Um den Abstand halten zu können, gebe es einen Eingang und einen Ausgang. »Am Samstag um 13.30 Uhr muss alles fertig sein«, sagt Sommer. »Jetzt schauen wir, wie gut das alles klappt.«

»Wir haben seit drei Wochen wieder offen«, sagt Franz Aschauer von der Teisendorfer Tafel. Einige Kunden hätten schon finanzielle Schwierigkeiten. »Aber ein bisserl haben wir das abfedern können«, sagt Aschauer. Zum einen habe die Bürgerstiftung Berchtesgadener Land für jeden Kunden der Tafeln im Landkreis einen Gutschein für die Teisendorfer Lebensmittelgeschäfte ausgegeben. Zum anderen seien Spenden aus der Bevölkerung eingegangen, mit denen man diese Gutscheine aufstocken habe können. »Unsere Kunden haben sich schon einigermaßen versorgen können.«

Etwa fünf bis sechs Wochen lang sei die Tafel jetzt ganz geschlossen gewesen. Etwa drei Viertel der rund 50 Helfer gehörten selbst zur Risikogruppe, wie auch manche Kunden. So hätten sich jetzt einige Helfer bereit erklärt, Päckchen für die Kunden zu packen. »Auch unsere Kunden können jetzt nicht mehr selber auswählen«, bestätigt Aschauer.

»Kommt erst noch, dass es mehr werden«

Auch er hat nicht beob-achtet, dass die Zahl der Kunden seit Beginn der Corona-Krise gestiegen wäre. »Wir haben rund 40 Kunden, die wir versorgen, das ist sehr überschaubar. Ich schätze, dass das erst noch kommt, dass es mehr wird.« Um niemanden zu gefährden, sei man sehr vorsichtig. »Und das muss jetzt halt auf absehbare Zeit erstmal so bleiben. Das ist für unsere Kunden jetzt keine leichte Zeit, aber das ist es ja für keinen.« coho