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Unkrautfeldzug mit heißem Wasser

Berchtesgaden – Keine Chemie mehr im Landschaftsbereich: Berchtesgaden setzt seit Neuestem auf den Einsatz von natürlichen Mitteln bei der Unkrautbekämpfung. Für den Kurgarten in Berchtesgaden vertraut man auf heißes Wasser. Unkraut soll dabei keine Chance haben.

Es dampft: Nikolaus Rußegger und Mitarbeiter Lukas bekämpfen das Kurgarten-Unkraut mit heißem Wasser. (Foto: Pfeiffer)

Wenn Nikolaus Rußegger den Dampf aufsteigen sieht, ist die Begeisterung aus seiner Stimme herauszuhören. Als Landschaftsgärtner hat er der Chemie abgeschworen, zumindest dann, wenn es um Unkraut geht. Und weil Berchtesgaden auch keine Chemie sehen will, geht man nun neue Wege. Übrigens einmalig im Talkessel, wie er immer wieder betont.

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Mit Heißwasser auf Unkrautfeldzug: Das hört sich nicht nur gut an, sondern gefällt auch der Marktgemeinde. Aktuell wird der Kurgarten wieder hergerichtet, nachdem hier nun weit über ein Jahr Baustelle war. Überall wuchert das Unkraut, die Wege sind voll davon. Löwenzahn sprießt aus den seitlichen Begrenzungen des Fußweges, Moose wuchern auf den Randsteinen der Wasserteiche.

Das Gerät, mit dem Rußegger den Angriff auf das Grünzeug anführt, ist in den Grundzügen mit einem Rasenmäher zu vergleichen. Man schiebt das Gefährt mit eigener Kraft und aus der metallenen Konstruktion strömt – wie bei einer Gießkanne – eine Ladung Heißwasser, gleichmäßig auf rund 40 Zentimeter Breite verteilt, 95 Grad Celsius warm, erhitzt in einem überdimensionalen Wasserkocher, der wiederum an einen 500-Liter-Tank angeschlossen ist. Weil die Wassermenge enorm ist, muss der Erhitzer jede Menge Arbeit leisten, um ausreichend Heißwasser nachproduzieren zu können. Und der Berchtesgadener Kurgarten ist groß. Mehrere Gehwege, die mehrfach befahren werden müssen, um jedes Fleckchen auch zu erwischen. »Das Unkraut wird verbrüht«, sagt Nikolaus Rußegger. »In ein paar Tagen wird es braun und stirbt dann ab.« Die Heißwassermethode sei auch deshalb zu bevorzugen, weil etwaige Samen, die sich bereits auf dem Weg eingenistet haben, sofort absterben. Und die Tiere am Boden? »Das Heißwasser ist besser als der Einsatz von Chemie«, sagt Rußegger. Natürlich habe ein Regenwurm, der sich gerade auf dem Weg befindet, keine Chance, bei 95 Grad Celsius zu überleben. Aber beim Einsatz von Chemie käme noch hinzu, so Rußegger, dass diese auch in das Grundwasser sickern könnte. »Kinder können sich hier ohne Weiteres aufhalten. Die Eltern müssen sich keine Sorgen machen, wenn sie mal ihre Finger in den Mund nehmen«, sagt der Experte. Bliebe noch die Möglichkeit, das Unkraut mit der Hand zu jäten. Allerdings ist das ein Unterfangen, das in keinem vernünftigen wirtschaftlichen Rahmen stünde. »In ein paar Tagen ist das gesamte Unkraut weg«, sagt Nikolaus Rußegger. Schon demnächst soll der Kurgarten wieder in altem Glanz erstrahlen, spätestens, wenn auch die Arbeiten am Kongresshausvorplatz abgeschlossen sein werden. Kilian Pfeiffer