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»Unsere Kinder sind nicht ohne Hoffnung«

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Pfarrer Floribert spricht über die Situation in seinem Heimatland.

Teisendorf – Der Verein »Jambo Buhimba« aus Neukirchen/Surberg unterstützt mit 250 Paten die Schulausbildung von 320 Kindern in der Region Goma im Ostkongo. Pfarrer Floribert, der die Patenschaften im Kongo verwaltet, war in Neukirchen und Surberg zu Gast und hat über die Situation in seinem Heimatland berichtet.


Pfarrer Floribert, im Dezember wurden im Kongo Präsidentschaftswahlen abgehalten, die von vielen Unruhen begleitet waren. Wie hat sich die Situation in Goma dargestellt?

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Bereits vor den Wahlen gab es Unruhen. Als die Wahl vorbei war, wurde das Ergebnis lange nicht bekannt gegeben. Das war eine Zeit der großen Angst und des Wartens. Jeden Tag standen Kabilas Soldaten in der Hauptstraße, um zu verhindern, dass die Menschen protestieren. Bei uns ist es keine gute Sache, Soldaten zu sehen. Menschen werden mit falschen Beschuldigungen festgenommen. Man hatte Angst, auf die Straße zu gehen. Viele Kinder sind nicht zur Schule gekommen. Für den Fall dass Kabilas Kandidat die Wahl gewinnt, war mit einem erneuten Bürgerkrieg zu rechnen.

Auch hier in Europa ist bekannt, dass der ernannte Wahlsieger und neue Präsident Felix Tshisekedi eigentlich der Zweitplatzierte des Urnengangs war. Warum hat sich die politische Lage trotzdem beruhigt?

Die Menschen haben ihn akzeptiert, weil er nicht der Kandidat Kabilas ist. Aber er muss erst zeigen, dass er sich von den alten Machthabern distanzieren kann. Die gleichzeitig abgehaltenen Parlamentswahlen haben Kabilas Partei 90 Prozent der Parlamentssitze eingebracht. Das Ergebnis ist gefälscht, aber auch das Militär und die Polizei stehen auf der Seite des alten Präsidenten. Nun warten wir auf die Regierungsbildung und hoffen auf einen Wandel in der Mentalität unserer Politiker.

Was sind die größten Probleme des Kongo?

Die ungleiche Verteilung des Reichtums und die damit einhergehende Korruption, vor allem der Politiker. Der Kongo ist ein reiches Land, alle könnten hier gut leben. Aber 90 Prozent des Reichtums liegt in den Händen von 10 Prozent der Bevölkerung. Ein Politiker verdient bei uns 10 000 Dollar im Monat, kann diesen Betrag aber durch Bestechung auf 50 000 Dollar erhöhen. Ein Lehrer an der Oberschule verdient dagegen 320 Dollar. Den meisten Menschen aber fehlt es am Wichtigsten, sie müssen hungern. Gerade bei unseren Patenkindern ist das so, denn sie kommen aus den ärmsten Familien: Manche fallen durch eine Prüfung, weil sie am Vortag nichts zu essen hatten.

Warum fördert der Verein dann die Schulausbildung und nicht die Versorgung mit Lebensmitteln?

Beides wäre gut, aber unsere Mittel sind begrenzt. Wir wollen langfristig das Land ändern und das ist nur durch Bildung möglich. Es gibt keine größere Armut, als ohne Bildung zu sein. Jemand, der nicht lesen, schreiben und rechnen kann, der ist total arm, denn er hat keine Möglichkeiten Geld zu verdienen und sich eine politische Meinung zu bilden. Unsere Kinder aber sind nicht ohne Hoffnung.

Also ist die Unterstützung aus unserer Region eine Hilfe für Sie?

Eine sehr große sogar. Als Schulleiter habe ich oft Elterngespräche. Sie sagen zu mir, die Schulgeldpatenschaft, das ist eine Gnade, die wir bekommen haben. Alle Kinder, die der Verein unterstützt, wären sonst zuhause geblieben. Dann hätten sie keine Zukunft. Es ist schön, diese Eltern zu hören. Christine Stitzl

Der Verein hat seine Jahreshauptversammlung am morgigen Freitag um 19 Uhr im Gasthaus zur Post in Neukirchen.