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Unterhaltsame Volkssatire

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Volkssatire statt typisches Bauerntheater: Bei dem Stück »Hosentrager« gibt es auch ohne deftige Witze viel zu lachen und zu schmunzeln. (Foto: Rasch)

Deftige Schenkelklopfer gibt es bei der Volkssatire »Hosentrager« nicht. Der kurzweilige Dreiakter des »Marstall-Theaters« Pertenstein weicht zwar vom Bauerntheater-Klischee – Zenzi küsst Jagersbursch – ab, ist aber äußerst unterhaltsam. Es gibt viel zu lachen und vor allem zu schmunzeln. Ein bisschen makaber wird es auch. Die Premierengäste waren begeistert und schwärmten in höchsten Tönen.


Im Gewölbesaal von Schloss Pertenstein haben die Protagonisten des »Marstall-Theaters« genau den richtigen Ort gefunden, zumal das Stück in einem Wirtshaus spielt. Dort treffen die nicht mehr ganz frisch verliebten Bernd (Maciej Kuczynski) und Sylvie (Inga Hefele) ein, um ein paar Tage der Sommerfrische zu verleben. Abgesehen vom örtlichen Wirtshaus um dessen zuweilen resolute Wirtin Gerti (Herta Scheuer) herrscht hier aber »Tote Hose«.

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Ganz im Wortsinn, denn der Hendlbauer Korl ist gestorben, der sein Grundstück zu gleichen Teilen der Kirche und der Gemeinde versprochen hat: Für einen neuen Friedhof, eine Neubausiedlung, einen Volksfestplatz und alles, was sonst noch wichtig ist, wie eine Umgehung oder ein »Kaufland«. »So is ausg´macht und so bleibt´s a. Weil, do könnt ja jeder daher kemma!« Kurzum, es geht um das Wesentliche für den ganzen Ort.

Alles wäre so einfach, aber selbst in Hinteröd müssen sich der Bürgermeister Bepp (Toni Stadelmann) und Pfarrer Girgl (Fritz Wucherer) damit abfinden, dass eben nicht alles gott- und parteigegeben ist. Die gegenseitigen Schuldzuweisungen und Spekulationen, sich das Grundstück zu ihren Gunsten unter den Nagel zu reißen, nehmen ihren Lauf.

Nicht zuletzt mischt sich auch das ehemalige Fußballtalent Nähhäusl (Andreas Schmitz) mit weisen Ratschlägen in die strategische Dorfentwicklung ein. Der ehemalige Republikflüchtling und Anverwandte des verstorbenen Korls ist als Fußballtrainer des Viertklassisten TSV Hinteröd wieder zurückgekehrt und spielt am Ende eine entscheidende Rolle bei der Testamentseröffnung durch die Notarin (Bettina Stadelmann).

Während sich die geistige und politische Obrigkeit tatkräftig um das Erbe bemühen, fällt die sonst so resolute Sylvie in ein tiefes Loch. Sie ist frustriert, vermisst nicht nur »Hugo« und »Latte«, sondern auch die Aufmerksamkeit ihres Liebsten, der als politischer Förderer des örtlichen Bürgermeisters die Geschicke mit in die Hand nimmt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf, als der Nähhäusl aus unbekannten Gründen in eine Baugrube stürzt.

Die Premiere bot den Besuchern kurzweilige, unterhaltsame Kost mit überzeugenden szenischen Darstellungen, gepaart mit lebendigen Texten. Alle Protagonisten überzeugten mit einer genialen schauspielerischen Leistung im breiten bairischen bzw. hochdeutschen Dialekt.

Dem Autorenteam, dem auch Andreas Schmitz angehört, ist es in dieser Hommage auf das ländlich-dörfliche Leben vortrefflich gelungen, dem einen oder anderen den Spiegel vorzuhalten.

Karten für die weiteren Aufführungen heute, Freitag, um 20 Uhr und am Sonntag um 16 Uhr, gibt es an der Abendkasse oder telefonisch unter 08669/ 789 34 27. Gabi Rasch