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Unterlieger des Pletzgrabens vor Hochwasser schützen

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Schönau: Unterlieger des Pletzgrabens vor Hochwasser schützen | Königssee
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Das bestehende, kleine Geschieberückhaltebecken und der Rechen am Pletzgraben reichen noch lange nicht aus, um große Wassermassen, Bäume und Geschiebe bei Hochwasser aufzuhalten. Deswegen hat die Gemeinde nun reagiert und ein Ingenieurbüro beauftragt. Das hat einen Plan entwickelt, der ein zusätzliches Rohr und ein großes Rückhaltebecken vorsieht. (Foto: Christian Wechslinger)

Schönau am Königssee – Ein Bypass ist nicht nur eine gute Lösung für den Verkehr – wie etwa am Bahnhof Berchtesgaden – sondern auch, wenn es um Hochwasserableitung geht. Die Gemeinde Schönau am Königssee hat ein Ingenieurbüro damit beauftragt, ein Konzept zu entwickeln, um die Unterlieger des Pletzgrabens in Königssee vor Hochwasser zu bewahren.


Dazu stellten die Ingenieure am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung einen Ausbau des Gewässers inklusive Geschieberückhaltebecken und Bypass-Leitung vor. Die Reaktionen aus dem Gremium waren nicht alle positiv.

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Der Wildbach Pletzgraben verläuft vom Jenner durch die Ortschaft Königssee parallel zur Jennerbahnstraße, hinter der Seealm durch den Wald, hinter dem Hotel »Königssee« entlang und mündet dann in den See. Bernhard Unterreitmeier und Peter Dressel vom Büro aquasoli zeigten den Gemeinderäten zunächst eine mögliche Variante des Ausbaus und standen anschließend für Fragen zur Verfügung.

Zuvor erklärte Bürgermeister Hannes Rasp (CSU), dass für den Ausbau des Pletzgrabens im Grunde der Freistaat Bayern zuständig ist. »Allerdings steht dieser Gewässerausbau auf der Prioritätenliste des Freistaats weiter hinten.« So würde es noch einige Jahre dauern, bis etwas geschieht. Da es aber jederzeit zu Hochwasserereignissen kommen könne, wird nun die Gemeinde tätig. Am Dienstag ging es darum, die Einleitung des wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahrens für einen Gewässerausbau zu beschließen.

Laut Ingenieur Peter Dressel ist das Ziel, bei Hochwasser den Abfluss schadlos in den Königssee auszuleiten. Der Bach ist zweieinhalb Kilometer lang, bei Hochwasser führt er nicht nur Wasser, sondern auch Geschiebe und Schwemmholz. Die Ingenieure haben mittels einer Berechnungsgrundlage, in der auch Veränderungen durch den Klimawandel berücksichtigt sind, erarbeitet, dass der Bach im »Ernstfall« bis zu 12,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde aushalten muss.

Rohr verläuft entlang der Hangkante

Eine Art »Bypasslösung« würde entlang der Hangkante verlaufen. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Rohr, das das Wasser von einem neuen Geschieberückhaltebecken im oberen Bereich des Grabens ein paar Meter tief in der Erde bis in den Königssee ableitet. Dies wäre dann eine Druckleitung, die sich erst ab einer bestimmten Menge Wasser im Becken öffnet. Es existiert zwar bereits ein kleines Geschiebe-Rückhaltebecken, allerdings soll ein neues, großes gebaut werden.

Das Becken in der Nähe der Jennerbahnstraße soll 50 mal 30 Meter messen. Diese Aussage ließ die Anwohner der Straße, die der Sitzung als Zuhörer beiwohnten, aufstöhnen. Allein der Bau in diesem Bereich würde laut Ingenieur Bernhard Unterreitmeier rund fünf Monate in Anspruch nehmen. Die Belastung der Anwohner durch die Maßnahme insgesamt solle durch eine einspurige Baustraße, auf der die Lkw von oben kommen und nach unten wieder abfahren, möglichst gering gehalten werden. Denn für das Becken muss jede Menge Erde weichen.

»Außerdem ist es so geplant, dass der komplette Ausbau in eine Zeit fällt, in der der Tourismus nicht so stark ist«, so Unterreitmeier. Auch müsse auf die Schonzeit der Fische im See Rücksicht genommen werden. Insgesamt ist ein Zeitraum von bis zu drei Jahren vorgesehen. Denn alleine die planungsrechtlichen Notwendigkeiten würden rund ein Jahr in Anspruch nehmen.

Um den Pletzgraben oberhalb des Geschieberückhaltebeckens will sich laut Bürgermeister Rasp das Wasserwirtschaftsamt Traunstein kümmern. Denn wenn es wirklich zu Hochwasser kommt, dann müssen auch dort die notwendigen Vorkehrungen getroffen werden. Nachdem die besagte Rohrleitung vom Becken in den Königssee gebaut wurde, solle der Bereich, in dem die Anlage sichtbar ist, bepflanzt werden, informierte Peter Dressel.

»Denkt an das Hochwasser in Kärnten«

»Wir haben bereits mit allen Grundstückseigentümern und betroffenen Unternehmen, wie der Schifffahrt, darüber gesprochen«, informierte Bürgermeister Hannes Rasp das Gremium. Bei der Präsentation in der Sitzung handele es sich um eine erste Planvorstellung. »Es wird auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemacht«, versicherte der Rathauschef. Die Wichtigkeit eines solchen Hochwasserschutzes sei ihm erst kürzlich wieder bewusst geworden, fuhr er fort. »Denkt an das Hochwasser in Kärnten vor ein paar Wochen. Das war Luftlinie nicht mal 100 Kilometer von uns. Es hätte auch uns erwischen können«, so Rasp. Dieses Ereignis hätte ihm zu denken gegeben. »Seitdem sage ich auch nicht mehr, dass das Ganze kleiner gebaut werden soll.«

Beppo Maltan (FWG) sieht dieses Vorhaben kritisch. »Für mich ist es der totale Wahnsinn«, kommentiert er den Bau am Pletzgraben. Er bezweifelt, dass der Bach im Falle eines Hochwassers wirklich den Wassermassen standhält – und den Bäumen und dem Geschiebe, die damit einhergehen. »Da will ich kein Anlieger sein.« Ingenieur Bernhard Unterreitmeier entgegnete, das Becken sei dafür ausgerichtet, es sei alles berechnet. »Hoffentlich könnt Ihr die Natur berechnen«, lautete die Antwort Maltans. Auf die Anregung, die der Gemeinderat und auch Ratskollegen wie Andreas Pfnür äußerten, das Hochwasser in die Königsseer Ache abzuleiten, antwortete der Ingenieur, es gebe schon zu viele Problemstellen in der Ache, vor allem bei Hochwasser. Bei der vorgestellten Variante, in der das Wasser in den Königssee geleitet werde, funktioniere der See als »riesengroßer Pufferspeicher«.

Michael Lochner erkundigte sich, ob das große Geschiebe-Rückhaltebecken auch als Beschneiungsteich verwendet werden kann. Dies verneinte Unterreitmeier. Denn das Becken muss frei bleiben, um eben im Falle eines Hochwassers in kürzester Zeit eine große Menge fassen zu können.

Franz Graßl (CSU) zeigte sich angetan von dem Hochwasserschutz: »Durch das Bauwerk wird die Gesamtsituation für alle verbessert. Es wäre nur sinnvoll, wenn das Projekt einfacher zu bauen wäre.« Martin Hofreiter (FWG) sagte, es sei vernünftig, das Vorhaben mit dem Bau des Hotels »Königssee« zu kombinieren, um die Belastung für die Anwohner niedrig zu halten.

Alle Ratsmitglieder stimmten schließlich dafür, ein Planfeststellungsverfahren im Landratsamt einzuleiten.

Annabelle Voss