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Unterwegs in Cockpits »wie im Raumschiff«

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Drei Generationen von Weltmeistern diskutierten bei den »Benzingesprächen« im Hans-Peter Porsche Traumwerk in Anger (von links): Marc Lieb, Hans-Joachim »Strietzel« Stuck, Hans Hermann und Moderator Joachim Althammer (Edelweiß-Classic). (Foto: Effner)

Einblicke in dramatische Momente und adrenalingesättigte Situationen auf der Rennpiste gaben gleich drei ehemalige Weltmeister aus drei Generationen bei den jüngsten »Benzingesprächen« im Hans-Peter Porsche Traumwerk in Anger. Passend zur aktuellen Sonderausstellung »Porsche 917 – Karrierestart in Le Mans« schmückten zahlreiche Renn- und Sondermodelle die Ausstellungshallen.


Besonderen Zuspruch bei den über 200 Motorsport- und Oldtimerfans, die aus weitem Umkreis zu der völlig ausverkauften Veranstaltung gekommen waren, fand der 700 PS starke Porsche 935, der mit unüberhörbarem Röhren als Hommage an den Le-Mans-Rennwagen »Moby Dick« vorfuhr. Er ist einer der ersten einer nur in 77 Stück gebauten Kleinserie.

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Mit den passenden Szenen aus Helmut Deimels neuem Dokumentarfilm zu Le Mans stimmte Moderator Joachim Althammer (Edelweiß-Classic) die Gäste auf das Gespräch mit den beiden Renn-Legenden Hans Hermann und Hans-Joachim Stuck sowie dem FIA-Langstrecken-Weltmeister von 2016, Marc Lieb, ein.

Der gelernte Konditor Hans Hermann begann seine Rennkarriere 1952 auf dem Nürburgring mit seinem privaten Porsche 356. Als Langstrecken- und Monoposto-Spezialist sowie Porsche-Werksfahrer fuhr »Hans im Glück« bis Ende seiner Karriere 80 Gesamt- und Klassensiege ein. Den Höhe- und Schlusspunkt seiner Karriere setzte der gebürtige Stuttgarter 1970 in Le Mans, als er mit dem Modell 917 den ersten Gesamtsieg für Porsche errang.

Im Gespräch mit Althammer erinnerte der 91-Jährige an die »immense ununterbrochene Anstrengung« bei den Rennen. Aufgrund unterschiedlicher Hubraumklassen der Fahrzeuge waren bei taktischen Manövern Geschwindigkeitsunterschiede von bis zu 100 km/h mit einzuberechnen. Unfälle, auch schwere, waren keine Seltenheit. Auf der Avus in Berlin flog er 1959 bei einem Überschlag zwölf Meter durch die Luft. »Wir fuhren mit hohem Risiko, pro Jahr verloren wir drei bis vier Freunde.« Hermann erinnerte sich an den Kauf einer Zahnpastatube vor einem Rennen und die Frage: »Werde ich die überhaupt aufbrauchen können?« Mit »unglaublich viel Gefühl« versuchte er den Porsche 917 beim Geschwindigkeitsrekord über 384 km/h auf der Straßenmitte zu halten.

»Eines der bedeutendsten Rennen« waren auch für Hans-Joachim »Strietzel« Stuck die 24 Stunden von Le Mans. Zweimal – nämlich 1986 und 1987 – heimste er im Porsche 962C mit Teamkollege Derek Bell den Gesamtsieg ein. Das Auto, mit dem er nach eigenen Worten die meisten Rennkilometer zurückgelegt hat, imponierte dem amtierenden Präsident des Deutschen Motorsportbundes (DSMB), »weil man mit ihm die Kurven viel schneller als gedacht fahren konnte«. Der 68-jährige Garmischer, der von 1970 bis 2011 aktiv Rennen fuhr, erinnerte sich an nächtliche Geschwindigkeitsrekorde (407 km/h), Rennstrategien, Adrenalinschübe, die verbesserte Sicherheitstechnik und sein Verhältnis zu »Boxenludern«. Von »Cockpits wie ein Raumschiff« im Porsche 919 Hybrid und »beinahe unrealistischer Beschleunigung« sprach Marc Lieb, 39, Le-Mans-Sieger und FIA-Langstrecken-Weltmeister von 2016. Fünfmal holte der Porsche-Entwicklungsingenieur und Rennfahrer Gesamtsiege bei 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring und in Spa.

»Das hat mich geschockt«

Seinen traurigsten Klassensieg für Porsche in Le Mans habe er 2013 gefeiert, weil dabei Rennkollege Allan Simonsen mit seinem Aston Martin in der Tertre-Rouge-Kurve tödlich verunglückt sei. Davon habe er erst nach dem Rennen erfahren. »Das hat mich geschockt, weil die Sicherheit bei Rennen im Vergleich zu früher inzwischen schon sehr ausgereift ist.«

Mit Spannung lauschten den Gesprächen im Traumwerk unter anderem auch Rennstall-Besitzer Robert und Walter Lechner jun., Ernst Piech und Jakob Iglhauser (Museum fahr(t)raum), PS-Guru Karl Geiger, Arthur Bruckner (Oldieklinik), Mike Höll (Classica) sowie Angers Bürgermeister Silvester Enzinger und sein Stellvertreter Markus Winkler. eff