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Unterwegs zur »inklusiven« Gesellschaft

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Detail aus der Acryl-Arbeit auf Leinwand »Puppe« von 1. Preisträger Thomas Hobelsberger, ganz unten rechts signiert mit »TOM«.

Zum 3. Mal wird in diesem Sommer der im zweijährigen Turnus vergebene oberbayerische Kunstförderpreis »SeelenART« verliehen.


Ihn bekommen Menschen, »die sich über die Kunst mit der seelischen Gesundheit auseinandersetzen«. Menschen »mit Psychiatrieerfahrung« sind es denn auch, die hinter den im Foyer der Münchner Galerie Bezirk Oberbayern, Prinzregentenstraße 14, bis Ende Juli ausgestellten Werken stehen. Öffnungszeiten sind von Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr und am Freitag von 8 bis 13 Uhr, am Wochenende ist geschlossen.

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Zu den 15 ersten Preisträgern zählt Thomas Hobelsberger. Er wurde in München, wo er noch immer lebt, 1968 geboren. Zusammen mit seiner vier Jahre älteren, ebenfalls in München lebenden, in Dillingen an der Donau geborenen Kollegin Maria Felser hatte Hobelsberger das Glück, mit einem der Bildwerke auf den Flyer zu kommen. Er genießt schon deshalb besondere Beachtung. Doch fallen seine gezeigten Arbeiten »Strahlen« und »Puppe« als verspielte, fröhliche Farbkompositionen sofort ins Auge, ohne sich anzubiedern.

Manche Arbeiten verstören, andere sind ein Genuss

Diese Wirkung haben nicht alle in der Galerie gezeigten 1. Preisträger-Arbeiten. Manche mögen verstören, etwa Britta Schröders »Birken«-Studien (Öl-Pastell-Kreide) oder Manuela Schlögels Monotypie »Verrückte Welt«. Hans-Peter Brandmeiers Einblicke in spärlich möblierte Zimmer dagegen genießt man wie Gemälde von Gabriele Münter: kräftige Pinselpartien, gestreift oder gewürfelt, strukturieren Brandmeiers enge Wohnräume. Er arbeitet mit Buntstift auf Papier. Maria Felser datiert und signiert penibel ihre Stabilostift-Zeichnungen: rötliche und bläuliche Gebilde, anatomischen Teilstücken ähnlich, die sich zu undefinierbaren, aber lebendigen Organismen verbinden.

Insgesamt 46 Künstlerinnen und Künstler erhielten dieses Jahr den »SeelenART«-Kunstförderpreis. Das hinter »SeelenART« stehende »kbo-Sozialpsychiatrische Zentrum« im Münchner Stadtteil Haar bietet in der Regel Menschen mit, aber auch ohne Psychiatrie-Erfahrung die Möglichkeit, sich bildnerisch auszudrücken, je nach persönlichen Fähigkeiten und Neigungen. »Die Künstler machen Kunst, weil es ihnen gut tut«, sagen die kbo-Leute, und: »Weil es gut ist für ihre seelische Gesundheit«.

Gegenseitiger Austausch und Begegnung

Gegenseitiger Austausch und Begegnung ermöglicht die »SeelenART«-Galerie in München-Lehel, Robert-Koch-Straße 7 und 7a. Hier sind Künstlerinnen und Künstler auf einem guten Weg in die Inklusion. Gerade Menschen, die in psychischen Nöten sind, brauchen es, »eingeschlossen«, besser: umschlossen zu werden in die Reihe derer, die sich seelischer Gesundheit erfreuen. Es gibt hierfür eine eigene Tagesstätte und immer wieder Ausstellungen der den Gesundheitsprozess stützenden Arbeiten. Ausgefallene Kunstwerke können für einige Zeit ausgeliehen werden, jährlich erscheint ein Kunstkalender.

Zur derzeitigen Ausstellung in der Bezirk-Oberbayern-Galerie ist ein gut gemachter Katalog erschienen. Er bringt Texte und Bilder zum Projekt »SeelenART«. Außerdem stellt sich die Jury vor: Dorothea Mammel kommt von der Galerie Bezirk Oberbayern, Thomas Röske vom Uniklinikum Heidelberg, Tino Polt ist Kunstkuratorin in Schliersee, Joachim Hein Vorstandsvorsitzender vom Münchner Bündnis gegen Depression, Angelika Bäumer ist Wiener Kulturjournalistin, Laurent Danchin Pariser Kunstkritiker, Senta Connert lehrt an der Akademie der Bildenden Künste in München und Gerald Strasser ist freischaffender Künstler in Herrsching. Hans Gärtner

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