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Unverzagt und jugendfrisch

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Unser Bild zeigt die jungen Musiker von »triplestrings« beim Konzert im Bibliothekssaal des Chorherrnstifts auf Herrenchiemsee. (Foto: Gärtner)

Der Sommer überhaupt, speziell der »Musiksommer zwischen Inn und Salzach«, gehen merklich dem Ende zu. Der Sommer überhaupt zeigte sich, speziell bei einem der letzten Konzerte des »Musiksommers zwischen Inn und Salzach«, von seiner denkbar schlechtesten Seite. Das hielt weder ein kleines, kammermusikalisch interessiertes Publikum vom Besuch ab, auch wenn es wenig Spaß machte, sich von Prien oder Gstadt auf den auch von oben herab pitschnassen Wasserweg zur Herreninsel zu machen, noch das Ensemble »triplestrings«, unter ungewöhnlich spärlichen Verhältnissen aufzutreten.


Das Glück lag, mit Kammermusik-Juwelen, auf beiden Seiten. Den »triplestrings«-Künstlern war das Glück an ihrem lächelnden Mienen- und unverzagten Saiten-Spiel abzulesen, während das erlesene Häufchen Zuhörender im kunstvollen Ambiente des Bibliothekssaal des Chorherrnstifts nicht umhin konnte, sich lang anhaltend für das Gebotene zu bedanken.

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Und das war keineswegs leicht dahin gesetzt. Das nur sieben Minuten dauernde Intermezzo für Violine, Viola und Violoncello des 1967 gestorbenen Ungarn Zoltán Kodály forderte den Hörer schon ziemlich stark; rührte es doch, bei aller Volksliedhaftigkeit seines »Subtextes« und trotz seines »Scherzo«-Charakters, an ein für moderne Tonsprache aufnahmefähiges Ohr. Mehr noch verlangte dem Publikum die Wiedergabe des posthum datierten Werkes »Le Chimay« aus der Feder des fleißigen, dennoch weithin unbekannten Lütticher Geigers und Komponisten Eugène Ysaye (1858 bis 1931) ab. Eine knappe halbe Stunde zog das Streicher-Trio mit wechselvollen Stimmungen, die unbarmherzig auf den dahinschwindenden Sommer wiesen, in seinen Bann. Ysayes Tonsprache erfasst gerade in der subtilen, abgespeckten Besetzung den Melancholiker ebenso wie den, der auf einen milden Übergang in den Winter hofft. Nun ja, den verspricht Mozart fast immer fraglos. Sein verzwickt aufgebautes Divertimento für Violine, Viola und Violoncello in Es-Cur, KV 563 hat nun aber schon gar nichts von Ysayes Larmoyanz. Statt Trübsinn zu blasen und Gemütswallungen zu provozieren, beruhigt dieser Mozart selbst in seiner bezwingenden Ausgelassenheit, die, wie oft beim Salzburger Freigeist, nie an der baren Oberfläche bleibt, sondern immer wieder nachdenklich stimmt.

Am Arbeiten war aber auch ein Trio, das sich durch Jugendfrische, musikalische Präsenz und Einfühlungsgabe sowohl in moderne als auch klassische Literatur auszeichnet: Die Südkoreanerin Amy Park beherrscht die Violine auf mädchenhafte Weise souverän, lädt ihren ohnehin saftigen Strich stets noch etwas energisch auf und schafft, was insbesondere bei Ysaye deutlich wurde, den emotionalen Ausbruch und dessen Rückführung auf den Boden der Tatsachen mühelos. Hendrik Blumenroths wendiges Cello und die herrlich eingeschwärzte Bratsche der Chinesin Peijun Xu untermauerten sonor die luftige Geige.

»triplestrings« hat auf Herrenchiemsee bewiesen, dass es sich, wie nicht selten bei Programmen des »Musiksommers«, um mit angesehenen Preisen ausgezeichnete junge, schon ambitionierte Künstler handelte. Nächstes Jahr feiert der »Musiksommer« sein 40-jähriges Bestehen. Da wird er sich vielleicht noch mehr ARD-Wettbewerbs-Gewinner an Land ziehen. Möglicherweise fusioniert er mit den »Inselkonzerten«. Hans Gärtner

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