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Updates, Polster und Reminiszenz an Shakespeare

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Maite Schmidt und ihr Werk »Ich mag dich, alter Baum«. (Foto: Janoschka)

Das Thema »Updates« der aktuellen Ausstellung der Berufsvereinigung bildender Künstler in der Berchtoldvilla Salzburg ist der Computersprache entnommen. Dass die ausstellenden Künstler diesen Begriff jedoch in einen neuen Kontext stellen, ist kaum verwunderlich, sondern erwünscht.


Die Ainringer Künstlerin Maite Schmidt ist Mitglied von »art bv berchtoldvilla« und stellt bis zum 28. April zum Thema vier Werke aus, nämlich »Ich mag dich, alter Baum«, »Am Strand«, »Es kommt eine Zeit« und »Folge deinem Instinkt«, die alle von alten Radierungen ausgehen und auf zwei Gedichten und ausgewählten Sätzen aus dem Buch »Der träumende Delphin« von Sergio Bambaren basieren.

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Moderne Kunst beschränkt sich längst nicht mehr auf die - wenn auch abstrakte – Malerei. Immer häufiger werden Installationen oder Objekte ausgestellt, die einen philosophischen, psychologischen oder auch sozialkritischen Überbau haben. Dieser wird meist in der Werksbeschreibung näher erläutert. Bei »Ich mag dich, alter Baum«, einem nachdenklich-meditativen Gedicht von Karin Maier aus dem Jahr 2003, geht es um die Ehrfurcht vor einem alten Baum und um die Wertschätzung dessen, was an Positivem von diesem Baum ausgeht.

Maite Schmidt übertrug nun die Worte und die Stimmung des Gedichts ins Bildhafte, Symbolische. Auf einem Holzbrett mit Rinde in einem Kreis, der für das Göttliche steht, ist eine Versandtasche aus Karton – eine für Maite Schmidts Kunst typische »Box« – angebracht. Darin steckt eine Radierung von einem Baum aus dem Jahr 1978. Diese alte Technik wurde nun neu bearbeitet und – umgedeutet – in einen anderen Kontext gestellt. Damit wäre dem Thema »Updates« bereits Genüge getan. Doch da lugt auf der Seite noch eine Feder hervor. Diese nimmt Bezug zu »Winnetou«, einem Buch, das das dichterische Ich »in den Armen« des Baumes als Kind gelesen hat.

Der Lauf der Zeit von der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart, aber auch die Veränderung des Materials vom Holz über den Karton zum Papier - auch hier geht es um »Updates«, sodass dieses Thema in diesem Kunstobjekt sehr vielschichtig dargestellt ist. Dazu kommt noch der Schriftzug in chinesischer Kalligraphie rechts oben auf dem Holz, mit dem die Künstlerin auf das »ferne Leid« im Gedicht anspielen möchte: »Und dein Gebinde aus Leichtigkeit schmückt fernes Leid.« Auch hier wieder ein Update: Wenn das Leid mit Leichtigkeit geschmückt wird, verliert es seine Intensität. »Ich mag dich, alter Baum – weil deine Seele die Weisheit der Veränderung mir zeigt,« beginnt die 3. Strophe. Veränderung, Entwicklung, persönliches Wachstum, all das steckt in diesem umfassenden Thema.

An zwei weiteren Veranstaltungen in Österreich und Finnland wird Maite Schmidt teilnehmen, nämlich an der Ausstellung mit dem Thema »Polster« im Museumsquartier in Wien am 8. April und an der Ausstellung in Vantaa in Finnland im Juni 2016.

Für die Ausstellung in Wien waren Künstler aus aller Welt aufgerufen worden, sich mit dem Thema »Polster« zu beschäftigen. Schmidt wird dort das Objekt »Sanftes Ruhekissen« präsentieren. In Finnland zeigt Maite Schmidt u. a. Werke mit Bezug zu Shakespeare und seiner Komödie »Der Sommernachtstraum«.

Die Ausstellung in der Berchtoldvilla in der Josef-Preis-Allee 12 läuft bis zum 28. April und ist geöffnet am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag, jeweils von 13 bis 17 Uhr und am Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr. Brigitte Janoschka