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Urlauberin stürzt am Mannlgrat vor Augen ihres Sohnes 200 Meter in den Tod

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Bergwacht-Einsatz zwischen Kehlstein und Hoher Göll nach tödlichem Unfall am Mannlgrat
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Das Alpeltal am Hohen Göll. Der Mannlgrat liegt zwischen dem Kehlstein und dem Hohen Göll. (Foto: Leitner, BRK BGL)

Schönau am Königssee – Ein tragisches Ende nahm am Donnerstagabend die Bergtour einer 49-jährigen Mutter mit ihrem Sohn am Mannlgrat: Die Bergsteigerin stürzte vor den Augen ihres Sohnes in den Tod. Der kletterte im absturzgefährdeten Gelände hinab und konnte noch im letzten Tageslicht per Hubschrauber ausgeflogen werden.


Die 49-jährige Urlauberin aus Thüringen ist in den Abendstunden vom Mannlgrat zwischen Göllleiten und Kehlstein-Gipfel rund 200 Meter tief nach Nordosten in Richtung Ofner Kirche abgestürzt und erlitt dabei tödliche Verletzungen.

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Die gegen 21.15 Uhr alarmierte Bergwacht Berchtesgaden und die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ konnten die tödlich Verunglückte im letzten Tageslicht bei einem Suchflug finden, aber nichts mehr für sie tun. Der Pilot schaffte es, den Sohn der Abgestürzten im Schwebeflug über die Kufe aufzunehmen und zur Buswendeplatte zu fliegen; er war vom Grat aus abgeklettert, um seiner Mutter zu helfen und saß rund 150 Meter unterhalb der toten Frau im Hang fest.

Die Frau und ihr Sohn waren von der Göllleiten über den Mannlgrat zum Kehlstein unterwegs, als die 49-Jährige vermutlich schon kurz nach 20 Uhr im Bereich der Durchstiegslöcher abstürzte. Die Bergwacht Berchtesgaden fuhr per Fahrzeug zur Buswendeplatte, wo „Christophorus 6“ bereits mit dem Sohn der Frau landete. Dann flog der Pilot mit zwei Berchtesgadener Bergrettern zur Absturzstelle und speicherte die Koordinaten für die Bergung, die aufgrund der Dunkelheit nicht mehr möglich war.

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Der Mannlgrat ist ein Verbindungsgrat zwischen dem Hohen Göll und dem Kehlstein. Foto: BRK BGL

Die Besatzung eines Polizeihubschraubers und die Alpine Einsatzgruppe der Polizei (AEG) übernahmen am Freitagmorgen die Bergung per Rettungswinde. Der Kriseninterventionsdienst (KID) der Bergwacht kümmerte sich noch am Donnerstagabend um den Sohn der Verunglückten. Die Kripo und die Staatsanwaltschaft Traunstein sind in die Ermittlungen zum Unfallhergang einbezogen.

Weitere Einsätze der Bergwachten am Donnerstag

Bereits gegen 18.10 Uhr musste die Bergwacht Berchtesgaden wegen eines verletzten und erschöpften größeren Hunds zum Kehlstein ausrücken. Das Tier hatte sich eine Kralle ausgerissen, auf die Dalsenwinkelstraße gelegt und wollte oder konnte nicht mehr aufstehen. Die Bergwacht brachte es per Geländewagen ins Tal.

Gleichzeitig ging ein Notruf vom Hohen Göll ein, wo ein jüngerer Bergsteiger aus Thüringen nach der Überschreitung des Mannlgrats und nach den Umgängen im Alpeltal an der Abzweigung Pflugtal den Weg verloren hatte. Ein Rückruf war nicht möglich, da der Mann kein Handynetz mehr hatte. „Christoph 14“ konnte einen Berchtesgadener Bergretter im Schwebeflug aussteigen lassen und dann in der Nähe landen. Retter und Geretteter gingen zum Hubschrauber und wurden ins Tal geflogen. An der Einsatzstelle war noch ein zweiter Mann, der dem Verstiegenen helfen wollte und den Steig verlassen hatte. Seine erschöpfte Frau war am Steig hinter ihm, wobei zunächst unklar war, ob die Leute auch abtransportiert werden müssen. Sie schafften es aber noch aus eigener Kraft zu Fuß ins Tal.

Gegen 12.15 Uhr musste die Bergwacht Berchtesgaden eine 33-jährige Frau per Geländewagen vom Stahlhaus abholen, die sich bereits am Vortag das Knie verdreht hatte. Am Sonntagabend war die Bergwacht Berchtesgaden nochmals gegen 21.30 Uhr gefordert, um einen Erschöpften vom Jenner-Mitterkaser abzuholen.

Am späteren Abend gegen 21.10 Uhr rückten die Bergwacht Teisendorf-Anger und die Rettungswagen-Besatzung des Teisendorfer Roten Kreuzes auf den Teisenberg aus, wo ein 35-jähriger Tennengauer alleinbeteiligt bei der Abfahrt von der Stoißer Alm nach Anger im oberen Viertel mit seinem Mountainbike gestürzt war und sich im Gesicht verletzt hatte. Die Einsatzkräfte fuhren zum Unfallort an der Sauloch-Kreuzung, versorgten den Mann und brachten ihn dann zum Salzburger Landeskrankenhaus.

Die Bergwacht Ramsau musste am Donnerstag gegen 14.15 Uhr auf den Weg zum Wimbachschloss ausrücken, wo ein intern erkrankter 60-jähriger Münchner medizinische Hilfe brauchte. Die Einsatzkräfte versorgten den Mann und brachten ihn ins Tal; per Rettungswagen gings weiter zur Kreisklinik Berchtesgaden. Bereits um 3 Uhr am Morgen wurden die Einsatzkräfte der Reichenhaller Bergwacht von einem Alarm geweckt, da aufmerksame Talbewohner vermeintliche Lichtzeichen am Staufen gesichtet hatten, wobei es sich aber nur um Bergsteiger mit Stirnlampen handelte.

Bereits am Dienstag gegen 16.45 Uhr mussten „Christoph 14“ und die Bergwachten Bad Reichenhall und Teisendorf-Anger aufs Hochplateau der Reiter Alpe ausrücken, wo sich zwischen Bärenkareck und den Lenzenkaser-Hütten ein Bundeswehrsoldat am Sprunggelenk verletzt hatte. „Christoph 14“ versorgte den Soldaten und flog ihn dann zur Klinik. Die Bergwacht Ramsau musste am Dienstag gegen 11 Uhr und gegen 13.20 Uhr verletzte und erkrankte Wanderer vom Weg zur Schärtenalm und vom Wimbachschloss abholen und ins Tal bringen. red/BRK BGL