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Variationen für die Ewigkeit

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Wie schwebend in Bachs Goldberg-Variationen vertieft begeisterte Peter Waldner die k1-Gäste mit barocken Cembaloklängen. (Foto: Benekam)

Als Johann Sebastian Bach im Jahr 1741 seine Goldberg-Variationen komponiert hat, wird er wohl nicht im Ansatz erhofft haben, dass dieses Werk einst einen Höhepunkt barocker Variationskunst darstellen würde.


Dass er aber gerade dieses Werk für ein zweimanualiges Cembalo, im Gegensatz zu den sonst meist autograph überlieferten Kompositionen, in Druck geben ließ, mag aber ein Indiz dafür sein, dass er doch ahnte, mit diesen Variationen etwas ganz Herausragendes geschaffen zu haben. Heute gelten die Goldberg-Variationen, in denen sich italienische, französische und deutsche Traditionen der Klaviermusik treffen, als ein eminent geschichtshaltiges Werk, in das ganze 200 Jahre Musikgeschichte eingegangen sind. Sie umfassen stilisierend Kompositionsweisen und Formen der vocalen und instrumentalen Ensemblemusik und stellen in ihrer Einzigartigkeit ein musikalisches Monumentalwerk dar.

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Umso erfreuter waren die geradezu beseelten Klassik-Liebhaber im Traunreuter k1, sich diesem rund 80-minütigen Genussstück hingeben zu dürfen. Mit dem österreichischen Cembalisten und Organisten Peter Waldner hatte man, wie zu hören war, einen Virtuosen an den Tasten, der diesem anspruchsvollen Werk mehr als gerecht wurde.

Johann Gottlieb Goldberg (1727 bis 1756), war der wohl begabteste Schüler Johann Sebastian Bachs, für den er seinerzeit diese Variationen im Auftrag von Graf Keyserlingk komponiert hat. Der damals erst 13-jährige Goldberg war der Hauscembalist des Grafen und konnte als »Notenfresser« nahezu alles abspielen und meisterlich interpretieren. Das war ein Riesenglück für den musikliebenden Grafen, der sich aufgrund einer lästigen Schlafstörung am besten mit »seinen Variationen« – von Goldberg gespielt – über das Schlafdefizit hinwegtrösten ließ.

Die insgesamt 30 Veränderungen über eine kunstvoll verzierte barocke Aria ist in zehn Dreiergruppen aufgeteilt, die jeweils ein Charakterstück, eine virtuose Variation und einen Kanon enthalten. Am Anfang und Ende steht dasselbe Thema: die langsam schreitende Aria. Eine prachtvolle französische Ouvertüre markiert die Mitte des Werkes. Das Zuhören versetzt den Hörer gedanklich auf eine Lebensreise, lässt einen Zyklus assoziieren, welcher von Entwicklung und Wachstum geprägt ist und trotz erstaunlicher Ordnung uneingeschränkte Freiheit gewährt. Eingebettet in diese Variationsvielfalt scheint es ein Leichtes, sich hinzugeben, sich fallenzulassen.

80 Minuten eingetaucht in barocke Klangwelten, den Blick auf ein kunstvoll bemaltes Cembalo auf der k1-Studiobühne gerichtet, an dem ein höchst virtuoser Peter Waldner wie schwebend in Bachs Werk nie müde, sondern im Gegenteil immer wachsamer und belebender agierte, erlebten die k1-Besucher ein Konzert der Extraklasse. Dass niemand vom Schlummer übermannt wurde, hörte man am kräftigen und lang anhaltenden Applaus. Kirsten Benekam