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Verbände warnen vor Aus neuer Offener Immobilienfonds

Berlin (dpa) - Die Finanz- und Immobilienwirtschaft läuft weiter Sturm gegen die Pläne von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für ein Verbot neuer Offener Immobilienfonds.

Immobilienfonds
Die Regierung will Konsequenzen aus der Krise Offener Immobilienfonds gezogen, die zahlreiche Privatanleger seit 2008 getroffen hat. Foto: Arne Dedert Foto: dpa

Bei einer Anhörung im Finanzministerium am Mittwoch in Berlin warnten Verbände sowie Verbraucherschützer vor Nachteilen für Kleinanleger sowie negativen Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft.

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Nach dem Willen Schäubles sollen künftig nur solche Offenen Immobilienfonds bestehen bleiben, die die Finanzkrise bisher überlebt haben. Verbraucher könnten nur noch in geschlossene Publikumsfonds in der Rechtsform einer AG oder Kommanditgesellschaft investieren. Damit werden auch Konsequenzen aus der Krise Offener Immobilienfonds gezogen, die zahlreiche Privatanleger seit 2008 getroffen hat.

Auslöser der Debatte ist Schäubles Entwurf zur Umsetzung der «AIFM-Richtlinie», mit der die EU alternative Investments regulieren will. Sie betrifft auch Hedgefonds, die künftig nur noch an «professionelle Anleger» verkauft werden dürfen. Mehrere Offene Immobilienfonds, die auch von Kleinanlegern genutzt werden, gerieten in die Schlagzeilen, weil sie in der Finanzkrise eingefroren wurden.

Über Offene Fonds können sich Anleger mit eher kleinen Beträgen an Immobilien beteiligen, die vermietet werden. Großanleger haben Offene Immobilienfonds oft als Geldmarktersatz missbraucht und nach kurzer Zeit hohe Summen wieder abgezogen. Steigen viele Anleger aus, geraten Fonds in Nöte. In der Finanzkrise konnten viele Fonds ihr Versprechen nicht halten, Anteile täglich zurückzunehmen. Sie wurden eingefroren.

Derzeit werden laut Finanzministerium elf Offene Immobilienfonds abgewickelt, bei sechs ist die Rücknahme der Anteile ausgesetzt. Dies entspreche mehr als einem Viertel des Marktes. Neue Regeln für Offene Immobilienfonds wurden erst mit dem Anlegerschutzgesetz beschlossen. Die neuen Vorgaben treten aber erst im Januar 2013 in Kraft.

Verbraucherzentralen (vzbv) sprechen sich wie die Finanz- und Immobilienwirtschaft dafür aus, erst einmal die ab 2013 geltenden Neuregelungen zu bewerten. Weiter heißt es: «Offene Immobilienfonds in der bestehenden Rechtsform sind bei einer umfänglichen Aufklärung (...) eine sinnvolle Möglichkeit, als Kleinanleger an der Wertschöpfung im Immobilienbereich zu partizipieren.»

Auch Banken und Sparkassen kritisieren, angesichts der noch nicht in Kraft getretenen Neuregelungen des Anlegerschutzgesetzes sei es nicht nachvollziehbar, neue Offene Immobilienfonds zu verbieten. Der Bundesverband Investment (BVI) moniert: «Ein Verbot neuer offener Immobilienfonds würde viele Kleinanleger vom Immobilienmarkt ausschließen.» Der Zentrale Immobilien-Ausschuss sieht Konsequenzen für Anlagen von Kleinsparern und die private Altersvorsorge.

Anlegerschutzgesetz

Diskussionsentwurf AIFM-Umsetzungsgesetz

Stellungnahme BVI

Stellungnahme ZIA

Stellungnahme Verbraucherschützer