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Verbeugung vor den Medaillensammlern

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72 Medaillensammler erhielten am Dienstag im Kongresshaus Ehrenpreise. Weitere Bilder auf Seite 6. Foto: Anzeiger/Waßmuth

Berchtesgaden - Es war eine erfrischende Mischung aus großen Sportlernamen und jungen Nachwuchsathleten, vor denen sich die Region am Dienstagabend im Kongresshaus verbeugte. Insgesamt 72 Leistungsträger aus den verschiedensten Sportarten vom Rennrodeln bis zum Freestyle bekamen beim großen Ehrungsabend die von der Schnitzschule Berchtesgaden geschaffenen Trophäen aus Ahorn. Zwei Stunden lang gehörte die ganze Aufmerksamkeit der rund 450 Gäste im großen Saal den Medaillensammlern.


Eingeladen zum großen Ehrungsabend hatten die Bundeswehr, die fünf Gemeinden des südlichen Landkreises, die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, das Christliche Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) und das Olympiastützpunkt-Regionalzentrum Chiemgau - Berchtesgadener Land. Gekommen waren hochrangige Repräsentanten der Sportverbände, der Vereine sowie der Behörden aus Bund, Land und Kommunen, die für die Sportstätten verantwortlich sind. Außerdem konnte Bürgermeister Stefan Kurz, Vorsitzender der Tourismusregion, zahlreiche Trainer, Betreuer, Sponsoren und Politiker im großen Saal begrüßen. »Unsere Sportlerinnen und Sportler sind Sympathieträger in der Region. Ihnen ist es zum Großteil zu verdanken, dass wir als Sportregion wahrgenommen werden«, sagte Kurz.

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Eine lange Liste mit den Namen der zu Ehrenden hatte Hartmut Karstens, Leiter des Olympiastützpunkts, parat. Zwei Stunden lang ging es Schlag auf Schlag, die Medaillensammler erhielten ihre Ehrenpreise aus den Händen der Bürgermeister Stefan Kurz, Franz Rasp, Toni Altkofer, Franz Halmich sowie von 2. Bürgermeister Sepp Maltan.

Spannend und amüsant gleichermaßen waren die Kurzinterviews, die Moderator Karl-Heinz Kas vom Bayerischen Rundfunk, mit einigen Athleten führte. Biathletin Franziska Hildebrand musste nach einem Lob des Moderators einräumen, dass »bei mir die Scheiben schon relativ häufig umfallen«. Und sie ließ das Publikum wissen, dass sie sich in der Olympiaregion Sochi durchaus wohlgefühlt habe - »nur an der Strecke müsste noch etwas nachgearbeitet werden«.

Evi Sachenbacher-Stehle freute sich im Interview sichtlich, dass ihr der Umstieg vom Langlauf zum Biathlon durchaus gelungen ist. Schließlich hatte sie in Sochi mit ihrer Leistung maßgeblich zum Sieg der deutschen Damenstaffel beigetragen. »Es macht halt immer noch riesig Spaß«. Vor allem der Biathlonsport habe in ihr wieder ein Feuer entfacht.

Keinen Zweifel ließ der Ramsauer Bobpilot Manuel Machata daran, dass er in der kommenden Saison wieder mehr will als 3. Plätze im Gesamtweltcup. »Es ist halt schon sehr schwierig, weil in der Weltspitze alles sehr eng ist«, begründete Machata die nicht ganz so glücklich verlaufene letzte Saison. Durchaus zufrieden sein konnte dagegen Bobpilotin Sandra Kroll, die gleich zu Beginn ihrer Wintersportkarriere den 3. Platz bei der deutschen Meisterschaft holte. Die ehemalige Leichtathletin hatte es zunächst als Anschieberin im Team versucht, doch das ging schief. Jetzt an den Lenkseilen fühlt sie sich wohler. Dass von ihren männlichen Bobkollegen manchmal blöde Sprüche kommen, konnte Sandra nicht verleugnen. »Aber ich kann mich gut wehren«.

Dass Felix Loch heuer bei der BR-Sportlerehrung den »Winterstar« an Felix Neureuther abtreten musste, war für den sympathischen Untersteiner überhaupt kein Problem: »Der Felix hat die Auszeichnung in jedem Fall verdient - und ich hab ja schon einmal gewonnen«.

Rennrodlerin Carolin von Schleinitz räumte auf Nachfrage ein, dass der sonst übliche Osterunterricht beim CJD heuer ausgefallen sei. »Die Noten haben halt gepasst - und so durfte ich statt Unterricht ausschlafen«. Die Doppel-Rennrodler Tobias Arlt und Tobias Wendl sollten sich dagegen zur Olympiabahn in Sochi äußern. Klar, dass die beiden von einer »schönen Bahn« sprachen, denn immerhin haben sie dort bereits gewonnen. Und mit dem steigenden vorolympischen Druck haben die beiden ebenfalls kein Problem. »Damit können wir schon umgehen«, sagte Wendl.

Freilich sprach Karl-Heinz Kas die Skeletonpilotin Anja Huber zuerst auf ihr leuchtend-hellgrünes Dirndl an, mit dem sich die Berchtesgadenerin deutlich von den zumeist in Uniform, teilweise auch in legerer Kleidung erschienenen anderen Sportlerinnen abhob. »Das Dirndl steht dir sensationell«, urteilte Kas und wollte wissen, ob Anja jetzt zum Snowboard wechsle. Natürlich wusste die Berchtesgadenerin, dass das nicht ernst gemeint war, denn ihr Lebensgefährte ist Snowboardtrainer. Das ist für Anja aber kein Grund, die Sportart zu wechseln: »Ich kann's einfach nicht«.

Langläufer Tobias Angerer tat im Interview seine Freude kund, dass er nach einem langen Winter jetzt die Zeit mit seiner Familie genießen dürfe. Zuvor hatte er mit Familie zwei Wochen Urlaub in Marokko verbracht. Doch im Mai geht es bereits wieder mit dem Training los, da will Tobias Angerer auch wieder mit den Skirollern aufs Roßfeld laufen. »Das ist wegen der Steilheit und der guten Aussicht eine der schönsten Strecken.«

Locker zeigte sich im Gespräch Skispringer Michael Neumayer, der nach Olympia 2014 ans Aufhören denkt. Mit Freude schaut er auf seine beste Saison als Skispringer zurück, keine Freude machten ihm und seinen Springerkollegen aber die neuen, engen Anzüge. »Vielleicht freut's ja die Frauen, uns jedenfalls nicht«, scherzte Neumayer.

Noch lange nicht ans Aufhören denkt Springerkollege Andreas Wellinger. Der konnte es immer noch nicht glauben, dass es mit seinem Aufstieg so schnell ging. »Als Bub träumst du davon. Und dann stehst du plötzlich wirklich da oben«. Während Wellinger bereits erfahren im Umgang mit Journalisten ist, gab Snowboarderin Ramona Hofmeister ihr erstes Interview und schlug sich gut. Den Grund, warum Ramona Snowboarderin und nicht Skifahrerin geworden ist, wollte Karl-Heinz Kas wissen. Darauf Ramona: »Weil man da bessere Chancen hat, an die Weltspitze zu kommen«. Damit waren ihre Ziele deutlich formuliert.

Nach den Ehrungen und Sonderehrungen (siehe Kasten) hatten Bürgermeister Stefan Kurz aus Schönau am Königssee und sein Stellvertreter Manfred Vonderthann noch eine Überraschung für ihre Gemeindebürger Tobias Wendl und Tobias Arlt parat: Sie bekamen die Ehrenmedaille der Gemeinde in Silber für ihre großen Verdienste. Für Auflockerung zwischen den Ehrungsblöcken sorgte das Team von Thomas Höllers Begafilm mit Videoeinspielungen und Didian Pullet aus Bremen mit seiner Koch-Comedy. Echt gekocht wurde zwischenzeitlich dagegen von Albrecht Bösl und seinem Team. Im Gang wartete bereits das große Bufett. Ulli Kastner