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Verbündete und Mittler zwischen Himmel und Erde

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Das Gemeinschaftswerk setzt einen kraftvollen Akzent und fängt gut die Monumentalität eines Baumes ein. (Foto: Mergenthal)

»Die Bäume lachen über uns. Die sind dem Weltgeist viel näher«, stellte der Komponist Enjott Schneider bei der Eröffnung der Ausstellung »Das Geheimnis der Bäume« im Alten Feuerhaus in Bad Reichenhall fest. Der Baum bringe uns als »abgeschlossenes Ganzes« in unseren zerfahrenen, heutigen Zeiten zu uns selber zurück, ergänzte Kunstdozentin Ingrid Floss. Die auf Anhieb fesselnde Präsentation ist Teil eines Kooperationsprojekts zwischen Kunstakademie und Reichenhaller Philharmonie.


Zwölf Malerinnen und Maler haben die Werke zur Ausstellung bei einem Kurs von Ingrid Floss im Januar kreiert und sich dabei von den musikalischen Baum-Bildern von Enjott Schneider (siehe eigener Bericht) inspirieren lassen. Jedes einzelne Bild ist, wie Floss treffend bemerkte, wie ein Musikstück, eine Hymne oder ein Gesang zu Ehren der Natur.

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Die Künstler haben aber auch in zwölf zu einem riesigen Hochformat kombinierten Leinwand-Quadraten gleich links vom Eingang einen kraftvollen gemeinsamen Akzent gesetzt. Auf Basis einer Zeichnung der Dozentin von einer Fichte, die sich über alle Quadrate erstreckt, gestaltete jeder Maler eine Leinwand. Am Ende wurden die Puzzleteile zusammengesetzt und an manchen Stellen Verbindungen geschaffen. Dieses Werk fängt gut die Monumentalität eines Baumes ein. Jede Bildtafel steht für sich, wie ein einzelner Baum. Im Zusammenwirken entsteht wie beim Wald, der sich aus vielen Bäumen zusammensetzt, etwas Neues, das mehr ist, als die Summe seiner Teile.

In expressiver »Farbmalerei«, die eine Kenntnis der Regeln sowie viel Gespür und Intuition erfordert, entsteht allein aus der Kombination der nebeneinander hingesetzten Farbfelder räumliche Tiefe. Diesen Raum, der auf eine transzendente Ebene verweist, deutete Floss als Gegenpol zum Faktor Zeit in der Musik. Die Bedeutung eines kleinen Farbakzents bei »tot gemalten« Bildern verglich sie mit der Wirkung des frischen Grüns bei scheinbar abgestorbenen Bäumen im Frühling.

In ihrer Einführung erwähnte die Urenkelin eines früheren Dirigenten der Philharmonie auch die facettenreiche Symbolkraft dieser teils uralten Verbündeten des Menschen mit ihrer Heilkraft und ihrer Mittlerstellung zwischen Himmel und Erde. »Sie können ohne uns, wir aber nicht ohne sie«.

In ihrer Strukturierung knüpft die vom Akademie-Team vorzüglich gehängte Ausstellung direkt an Schneiders Orchesterwerk an. Der linke Bereich, vom Eingang aus gesehen, ist der Ulme gewidmet. Karin Bauer ließ sich von deren kugeligen Knospen und kugelartig gehäuften Blüten zu ihren expressiven Kreisformen in flirrender Farbenvielfalt inspirieren. Gaby von Emmerich fing in flott hingesetzten, vertikalen Strichen das magische, zwischen den schlanken Stämmen durchscheinende Licht ein. Der Bedeutung der Ulme im Keltenkalender, ein wichtiges Thema bei Schneider, widmete sich intensiv Margret Hirschmiller-Reinhard. Christine Hark, eine Malerin aus Mitterfelden, interpretiert die Ulme mit vielen Farbschichten als »Baum der Zuversicht«. Die kraftvolle Aufwärtsbewegung lässt an nach oben zum Licht offene Hände oder eine Flamme denken. Ihr berührendes, Ruhe atmendes Bild auf der Empore fängt mit intensiven Rotklängen und Blutbahnen ähnelnden Strukturen das Wesen der Wurzel als Herz des Baumes ein.

Rechts unten im Raum ist die Fichte das Thema. Mit Grün- Blau-, Türkis- und Schwarztönen und einer leicht verschwommenen Malweise verlieh Irmgard Kopetzky ihrer »Fichte im Pinzgau« mystische Atmosphäre. Der Betrachter spürt hier die Verbindung zum Weltengeist.

Schneiders Mittelteil geht auf die Baumstrukturen ein, von den Wurzeln über den Stamm bis zu den Blättern. Die dazugehörigen Bilder finden sich vorwiegend auf der Empore. Helmut Ponier stellte stark abstrahiert mit vier Farbtönen – von Hellgelb bis Schwarz abgestuft – die vier Temperaturzonen des Wurzelbodens dar. Mikroskopisch ist Manfred Patzs Blick auf das Geheimnis der Nährstoffaufnahme in »Die Kraft steigt nach oben«. Darüber hinaus stellen Georgia von Schlieffen, Waltraud Zaggl, Angela Pater, Dietrich Reusch, Kathrin Fraas und Kursleiterin Ingrid Floss faszinierende Baum-Ansichten aus.

Die Ausstellung ist bis 8. Juli dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr zu sehen. Veronika Mergenthal