weather-image
27°

Verkohlte, gekrönte Häupter

0.0
0.0
Bildtext einblenden
David Nash zeigt auf dem Salzburger Krauthügel auch sein Werk »King and Queen«. (Foto: Kriechbaum)

Pommerland ist abgebrannt, heißt es in einem Kinderlied. Offenbar kommen »King and Queen« von dort, jedenfalls stehen die beiden als verzogene Stelen rußschwarz auf einem Holzkohlen-Rund. Einige der Objekte von David Nash, die derzeit auf dem Krauthügel im Salzburger Nonntal stehen, sind kohlrabenschwarz. Aber nicht alle sind aus Holz. König und Königin zum Beispiel sind, wie die meisten anderen der sechs mächtigen Objekte auf dem Krauthügel, Bronzeguss. Es ist die schwarze Patina, die den Eindruck von verkohltem Holz erweckt. Beim »Iron Dome« wiederum würde man eher an bemalte Granitsteine denken, aber diese Gruppe von Felszipfeln ist tatsächlich aus Metall, genau, wie es der Titel sagt.


Die Salzburg Foundation richtet dem Bildhauer eine Doppelausstellung aus: David Nashs Werke sind auf dem Krauthügel und in der Kollegienkirche zu sehen. Dort steht, mit imponierendem Volumen sich exakt in der Vierung unter der Kuppel breitmachend, das Schwesterwerk zum »Iron Dome«, nämlich ein »Weathered Cork Dome« aus dem Jahr 2015. Die Rindenstücke von Korkeichen ergeben in dieser Aufschichtung ein Objekt mit starker haptischer Wirkung. Die Torsionen von holzbohlenartigen Gebilden vor einem Seitenaltar, eine sich riesig emporreckende Holz-Stele – da kontrastiert Natur-Kunst von Nash mit der Architektur Fischers von Erlach – und beide halten das sehr gut aus.

Anzeige

David Nash spielt mit natürlicher Form, Materialeigenschaften und den Seherfahrungen des Betrachters. Nicht immer steht diese mit dem wahren Objekt in Einklang – siehe König und Königin. Künstlerische Gestaltung und dem Material innewohnende, natürlicher Kraft gilt es in Einklang zu bringen. Zu sehen sind Skulpturen aus Holz, aus verkohltem Material und aus Bronze. Die Naturform wird quasi inszeniert, ohne dass ihr Gewalt angetan würde. Der sakrale Raum ist dafür bestens geeignet, ja, er stellt die Kunst auf die Probe: In der Kollegienkirche könnte man nicht ungestraft bluffen.

Nash lebt und arbeitet in Nordwales. Das Alter der Hölzer, ihre organische Beschaffenheit und Veränderlichkeit sind dem 1945 geborenen Künstler wichtig. Er lässt keine Bäume für seine Kunst fällen, sondern arbeitet mit abgestorbenem und umgestürztem Holz. Sein Respekt vor dem Material wird greifbar. »Ich will eine einfache Art des Lebens und Tuns«, sagt David Nash. »Ich will ein Leben und ein Werk, in dem sich die Ausgeglichenheit und Dauerhaftigkeit der Natur zeigen. Ich fühle mich immer weiter in die Freuden und Nöte der Natur hineingezogen.«

Das Kunstprojekt auf dem Krauthügel ist bis zum 30. September, die Werke in der Kollegienkirche sind bis zum 2. Juli zu sehen. Reinhard Kriechbaum