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Verpflichtung, für das Grundgesetz einzutreten

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Am Kriegerdenkmal in Berchtesgaden fand am Volkstrauertag ein würdiger Akt zum Gedenken an die in Kriegen, auf der Flucht, der Verfolgung und bei Terroranschlägen getöteten Menschen statt. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Der Volkstrauertag wird als sogenannter stiller Tag seit 1952 begangen und soll an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft der Nationen erinnern und zum Frieden mahnen. Dem kam man am gestrigen Sonntag auch in Berchtesgaden nach.


Die Abordnungen von 14 Institutionen und Vereinen legten am Kriegerehrenmal unter den Schlossplatzarkaden Kränze nieder. Nach dem liturgischen Teil durch die Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Peter Schulz sprach Marktbürgermeister Franz Rasp wie in jedem Jahr mahnende Worte des Gedenkens.

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Franz Rasp ging auf die Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg ein und sah Parallelen zur aktuellen Entwicklung. Der damalige Nationalismus habe schließlich zum Dritten Reich geführt. Gleiche Tendenzen grassierten heute europa- und weltweit, so Rasp. »Das Dritte Reich kam weder durch einen militärischen Umsturz noch auf den Schlachtfeldern oder in den Gaskammern, sondern es begann als Arbeiter-Revolution«, betonte der Bürgermeister. Es sei eine Revolution der kleinen Leute gegen das Establishment gewesen. Wenn man sich in die Jetztzeit versetze, dann sei es genau die gleiche Tendenz – das Volk gegen die da oben. Hitler sei der Erste gewesen, der eine Sprache nützte, die das Volk verstand, gab der Bürgermeister zu bedenken. Heute werde von gewissen politischen Kräften die Verrohung der Sprache bewusst als Instrument eingesetzt. Der Kampf der kleinen Leute gegen die Obrigkeit brauche immer Feindbilder, die früher das Judentum und heute die Ausländer und Asylbewerber seien. Heute werde mit Fake-News gearbeitet, die auch noch geglaubt würden.

Man habe mit dem Grundgesetz einen klaren Kompass, der als Artikel eins die Unantastbarkeit der Würde des Menschen vorgibt, gab Rasp zu bedenken. Außerdem habe es in der deutschen Geschichte noch keine so lange Zeit ohne Krieg gegeben wie nun schon seit 73 Jahren, wofür man sehr dankbar sein müsse. Gleichwohl sei dies auch Verpflichtung, für das Grundgesetz einzutreten.

Nach dem kirchlichen und weltlichen Akt legten die Abordnungen Kränze am Kriegerehrenmal nieder. Vertreten waren folgende Institutionen und Vereine: Bayerisches Rotes Kreuz, Freiwillige Feuerwehr Berchtesgaden, Gebirgsjägerbataillon 232, die Gebirgstrachtenerhaltungsvereine Almrausch, Edelweiß und d'Untersberger, Kolpingsfamilie, SK Berchtesgaden, Sozialverband VdK, TSV Berchtesgaden, Vereinigte Weihnachtsschützenvereine, Veteranen- und Soldatenverein, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Weihnachtsschützen Untersalzberg.

Vom Oberherzogberg krachten auf das Kommando von Christoph Lochner im Gedenken an die gefallenen und verstorbenen Kriegsteilnehmer drei Kanonenschüsse der Weihnachtsschützengesellschaft Oberherzogberg. Für die würdige musikalische Umrahmung sorgte die Marktkapelle Berchtesgaden unter der Stabführung von Kapellmeister Michael Kunz. Höhepunkte der musikalischen Darbietung waren das Lied vom guten Kameraden sowie die bayerische und die deutsche Nationalhymne. Christian Wechslinger