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Verschärfte Einreisekontrollen – Bußgelder für Spaziergänger und Wanderer

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Warten auf die nächste Kontrolle: Mittlerweile sollen weniger Verkehrsteilnehmer auf den Straßen unterwegs sein.
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Die Beamten der Bundespolizei Freilassing prüfen mit Schutzmaske und Einweghandschuhen die Pendlerbescheinigung. Ist sie gültig, so darf der Fahrer nach Deutschland einreisen. (Fotos: Patrick Vietze)

Marktschellenberg – Täglich arbeiten sie an der Landesgrenze in Marktschellenberg, die Beamten der Bundespolizei Freilassing. Seit dem Einreiseverbot vor knapp einem Monat führen sie verschärfte Kontrollen durch – und das rund um die Uhr. Dadurch soll die Ausbreitung des Corona-Virus eingedämmt werden. In Marktschellenberg hatten die Beamten überwiegend gute Erfahrungen mit den Verkehrsteilnehmern. Abseits der Straßen gab es mehr Ärger.


Die Kontrollen sind seit der Schließung der Grenzen strenger geworden. »Wer keinen triftigen Grund für den Grenzübertritt vorweisen kann, darf nicht einreisen«, so Maximilian Wirz, zuständig für die Pressearbeit der Bundespolizei Freilassing. Einreisen dürfen nur noch Personen, die in Deutschland arbeiten. Laut Wirz müssen Pendler ihren Grenzübertritt glaubhaft darlegen. Darum ist eine Pendlerbescheinigung nachzuweisen.

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Bereits die ersten Tage nach der Schließung verweigerte die Bundespolizei einigen die Einreise. Dieser Trend hörte aber schnell auf. Viele hätten sich auf die Ausnahmesituation eingestellt. »Die allermeisten Bürger haben den Ernst der Lage erkannt und Verständnis für die Grenzkontrollen«, teilt Wirz mit.

Mittlerweile seien deutlich weniger Menschen auf den Straßen unterwegs. Konkrete Zahlen für Marktschellenberg konnten nicht genannt werden. Bekannt ist nur, dass die Bundespolizei deutschlandweit bisher rund 60 000 Personen zurückgewiesen hat. Die Verkehrskontrollen in Marktschellenberg liefen reibungslos ab. Zudem konnten die Beamten keine Schwindler aufdecken. »Das freut uns, weil es zeigt, dass wir als Gesellschaft und über die Grenzen hinweg an einem gemeinsamen Ziel arbeiten: Durch Kontaktreduzierung die Pandemie zu bekämpfen«, ist Maximilian Wirz überzeugt.

Vielmehr ärgern sich die Beamten über die Spaziergänger. Denn auch in Marktschellenberg verlaufen die Wanderwege über die Staatsgrenzen hinweg. Dementsprechend ist der Übertritt verboten. Damit riskieren Spaziergänger ein Bußgeld von mehreren Hundert Euro. Einige hätten auf den Strecken die Bundespolizei nicht erwartet. »Wir mussten reagieren, da bei schönem Wetter zahlreiche Wanderer verbotenerweise unterwegs sind«, so Wirz.

Die Belastung für die Polizeibeamten ist hoch, da sie bei der Kontrolle weitere Vorschriften einhalten müssen. Alle Einsatzkräfte müssen die Hygiene beachten. Die Mitarbeiter sind mit Schutzmasken und Einweghandschuhen ausgerüstet. Aufgrund der Ansteckungsgefahr achten sie bei den Fahrzeugkontrollen und in der Zusammenarbeit aufeinander. Den Sicherheitsabstand von mindestens eineinhalb Meter müssen sie ebenso einhalten. »Wie viele andere Berufsgruppen in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen, Apotheken oder Lebensmittelmärkten tragen auch die Bundespolizisten eine hohe Verantwortung«, betont Wirz. Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus arbeitet die Bundespolizei mit dem örtlichen Gesundheitsamt zusammen. Stellen die Kontrolleure Reisende mit Krankheitssymptomen fest, informieren sie umgehend das zuständige Amt. »Dies kam bereits mehrmals vor. Die Bundespolizei selbst schickt aber niemanden in Quarantäne und misst auch kein Fieber – dafür sind die Fachleute der Gesundheitsbehörden zuständig.«

Egal, ob Nässe oder Kälte: Die Beamten müssen bei jedem Wetter präsent sein. Darum sind sie mit einem Notstromaggregat und einem großen Zelt an der Landesgrenze ausgestattet. Trotz der kritischen Situation wünschen sich die Beamten, dass auch die Berufspendler ihnen entgegenkommen. »Wer unsere Einsatzkräfte unterstützen möchte, kann dies sogar mit relativ wenig Aufwand tun«, informiert Wirz. Demnach sollte sich jeder fragen, ob der Grenzübertritt zwingend notwendig ist. Wenn ja, sollte man alle Dokumente – Personalausweis, Reisepass, Nachweis über Ihr Beschäftigungsverhältnis in Deutschland, Pendlerbescheinigung – dabei haben. »Und wenn man bei der Grenzkontrolle trotz der schwierigen Situation freundlich bleibt, wissen die Beamten der Bundespolizei das zu schätzen.«

Patrick Vietze