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»Verzaubert und verdrängt« - Doku über den Magier Kalanag

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Die Karriere des Magiers Kalanag
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Ein Meister der Täuschung: Helmut Schreiber alias Kalanag . Foto: SWR/Stiftung Zauberkunst/dpa Foto: dpa

Unter dem Künstlernamen Kalanag zaubert sich Helmut Schreiber von der Weimarer Republik bis in die Bundesrepublik. Eine Doku zeigt, dass der Magier nicht nur auf der Bühne ein Meister der Täuschung war.


Berlin (dpa) - Helmut Schreiber gilt als der schillerndste Magier der deutschen Geschichte. Unter dem Namen Kalanag zauberte er sich durch drei Epochen und stellte dabei auch als Person eine ungeheure Verwandlungskunst unter Beweis.

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Diesem zwielichtigen Talent spürt eine knapp 45-minütige Dokumentation nach, die das Erste am Montag (22.3.) um 23.35 Uhr ausstrahlt.

So innovativ die Zaubershow des gebürtigen Schwaben damals war, so konventionell bereitet der Film seinen Werdegang auf. Regisseur Oliver Schwehm konzentriert sich auf die wichtigsten Stationen des Magiers und holt nicht nur einstige Mitarbeiter, sondern auch etliche Experten vor die Kamera, die mit ihren Kommentaren zu Kalanags Charakterisierung beitragen. Wie er zu seiner Zeit wirkte, geht zudem aus vielen Archivaufnahmen hervor.

Während die meist schwarz-weißen Bilder den Zauberer in Aktion zeigen, ordnet ein Off-Erzähler die zahlreichen Informationen ein. Kalanags Karriere beginnt in der Weimarer Republik, als die Lust an der Unterhaltung ihren Höhepunkt erreicht.

Der Künstler setzt damals auf Überwältigung, weshalb seine Shows zunehmend an Tempo gewinnen. Im Nationalsozialismus perfektioniert Schreiber sein Handwerk, indem er als Hofmagier von Hitler, Goebbels und Göring fungiert.

Unter diesen Bedingungen steigt er zum Filmproduzenten auf und verantwortet in dieser Rolle zahlreiche antisemitische Propagandafilme. Schreiber entpuppt sich als klassischer Opportunist. Er hat zwar keine politische Überzeugung, ist aber fähig, sich anzupassen. Diese Eigenschaft bleibt auch dann dominant, als Deutschland von den Alliierten besetzt wird. In den Entnazifizierungsverhandlungen lässt er Beweise verschwinden und stellt sich als Systemgegner dar.

Mit viel Geschick schafft er es, sich schließlich auch in der Bundesrepublik zu etablieren. Als Meister der Täuschung zeigt er dabei, dass er auf der Bühne nicht nur Autos, sondern auch seine Vergangenheit verbergen kann. Diese Verwandlungskunst macht Helmut Schreiber zu einer ambivalenten Figur, die der Dokumentarfilm in vielen Facetten vorstellt. Der Beruf, so lässt sich daraus schließen, dringt weit in die Persönlichkeitsstruktur hinein.

© dpa-infocom, dpa:210318-99-869627/3

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