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Verzaubert von keltischer Mystik und Musik

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Das spirituelle Erbe der keltischen Welt, den Zauber irisch-gälischer Mystik, Musik und Überlieferung ließ Phyllida Anam-Aire bei einem Abend im Seminarhaus Moosmühle bei Taching lebendig werden. Foto: Hans Eder

Phyllida Anam-Aire – schon der Name klingt nach keltischer Mystik. Und das leibhaftige Erscheinungsbild der Dame dieses Namens unterstrich noch diesen Eindruck. Wie eine Priesterin wirkte sie, als sie den Raum im Seminarhaus Moosmühle in Taching am See betrat, angetan mit einem langen Kleid und einem Umhang mit kreisförmigen Mustern, in die langen blonden Haare einen Zopf geflochten, die Gitarre in der Hand. Faszinierte bereits ihr Anblick, dann umso mehr ihre Stimme, als sie mit ihrer sanften, aber enorm ausdrucksstarken Stimme ein gälisches Lied anstimmte.


Robert Meisner aus Fridolfing, immer wieder mit neuen Ideen aufwartend, hatte diesen Abend organisiert und den »Zauber des Lauschens« versprochen – und über 40 Besucher wollten sich das Erlebnis dieser schillernden Frau aus Irland, der man ihre fast 70 Jahre weiß Gott nicht ansieht, nicht entgehen lassen. Phyllida strahlte in der Tat einen besonderen Zauber aus, wenn sie von ihrer Kindheit erzählte, wenn sie alte Geschichten und Legenden auf Gälisch vortrug, wenn sie ihre Schilderungen lautmalerisch unterstrich, erst recht, wenn sie sang und sich dabei auf der Gitarre oder dem Piano begleitete. Die Gestaltung des Raums, die pastellfarbenen Bilder an den Wänden, das Kerzenlicht taten das Ihre dazu.

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Ihre Oma war wohl, wie sie schilderte, eine weise Frau, eine Art Schamanin, eine »Institution«, die immer geholt wurde, wenn etwas Einschneidendes im Dorf passierte, wenn jemand starb, wenn ein Kind geboren wurde – einfach bei allen wichtigen Ereignissen der Gemeinschaft. Und sie habe, so berichtete Phyllida, die Seelen der Verstorbenen mit ihrem Gesang nach oben begleitet. Die Enkelin hat sich über all die Jahre viel von diesem Erbe bewahrt, es in sich aufgenommen, es bei vielen Gelegenheiten, in Workshops und Büchern auch weitergetragen – selbst heute noch, da sie schon seit über einem Jahrzehnt am Tachinger See lebt.

Und so schaffte sie es ohne Probleme, dass sich die Besucher anrühren ließen von ihrer Ausstrahlung und ihren Erzählungen. Sogar die Geschichten, die sie auf Gälisch vortrug, ohne zu übersetzen, riefen bei ihrem andächtig lauschenden Publikum vielerlei Eindrücke und Assoziationen hervor, wie einzelne Besucher im Nachgang schilderten. Phyllida fand bei ihren Ausführungen aber immer auch die Verbindung zur heutigen Zeit, wenn sie etwa ansprach, dass sich die Gemeinschaft eines Dorfes, wie sie es in ihrer Kindheit in enger Form erlebt hatte, heutzutage fast völlig aufgelöst habe. Ähnliches was die Verbindung zur Natur betrifft: Die Beziehung zu den Tieren, die Jahreszeiten, Tag und Nacht, vielerlei Symbole – was seinerzeit Leben und Arbeiten bestimmte, spiele heute kaum mehr eine Rolle. Um an die Bedeutung gerade von Symbolen zu erinnern, die im irisch-gälischen Lebenskreis eine große Rolle spielten, präsentierte sie eine ganze Palette von Dingen, die sie wiederum ins heutige Leben herübergebracht hat. Phyllida war lange Zeit als Psychologin tätig, hat mit der berühmten Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross zusammengearbeitet und dabei vor allem den Kindern, die sie zu betreuen hatte, mit kleinen Symbolen versucht, Kraft und Zuversicht zu vermitteln. In die Reihe dieser Symbole gehören auch die alten Runen-Zeichen, von denen sie auch einige der wichtigsten kurz vorstellte.

Ein Höhepunkt des Abends war das letzte Lied, das Phyllida sang. Dabei ging es vom Inhalt her um das heilende »Wasser des Lebens«. Vor allem aber die Art des Vortrags war dazu geeignet, heilend und wohltuend zu wirken: Ihre wunderbare Stimme, die flotte, rhythmisch-akzentuierte, melodiöse Begleitung am Klavier, verbunden mit der Ausstrahlung der Sängerin – das alles legte sich in der Tat wie ein Zauber über die Runde im Raum.

Wer sich vom »Zauber des Lauschens« ebenfalls einfangen lassen möchte, hat dazu Gelegenheit bei weiteren Veranstaltungen, bei denen das Erzählen im Vordergrund steht, immer am letzten Montag im Monat: der Musiker und Alpenbarde Od*Chi mit Geschichten vom Untersberg am 25. Februar, Erzählkabarett mit Norbert Kober am 31. März, gesungene Sanskrit-Mantren mit dem Sphärenmusiker Franz Zauchner am 28.  April sowie Göttertänze aus Brasilien getanzt, gesungen und erzählt von der Tänzerin Anja Deharde am 26. Mai – immer im Seminarhaus in Moosmühle bei Taching. Hans Eder